"Pro Hungen" gegen gebrauchte Drehleiter

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Hungen(pm/bf). Aus Villingen kommt Kritik, dass die Stadt Hungen ein gebrauchtes Drehleiterfahrzeug für 50 000 Euro gekauft hat. Die Anschaffung war bereits bei den Haushaltsberatungen für 2020 vor der Corona-Krise durchgewunken worden, zumal der Förderverein der Feuerwehr eine deutliche Finanzspritze zugesagt hatte.

Fabian Kraft, Vorsitzender von "Pro Hungen", schreibt in einer Pressemitteilung, dass beim drohenden Wegfall von Einnahmen im Haushalt darauf geachtet werden müsse, bei den Ausgaben zu sparen.

Pro Hungen hatte sich zuvor für die Abschaffung wiederkehrender Straßenbeiträge eingesetzt, dafür Unterschriften gesammelt. Für 50 000 Euro könnte man durchaus einige Quadratmeter Straße sanieren. Zum Kauf einer neuen Drehleiter würde die Summe allerdings nicht reichen: Die Spezialfahrzeuge kosten bis zu 650 000 Euro. Der Gebrauchtkauf ist da ein Schnäppchen.

Zumal das Fahrzeug nicht nur von der Feuerwehr, sondern auch regelmäßig vom Bauhof genutzt wird - etwa zum Anbringen der Weihnachtsbeleuchtung. Dafür stets ein Hubfahrzeug zu mieten, kostet die Stadt auch Geld.

Für Busecker Fahrzeug gezahlt

Kraft wundert sich, dass mit dem Kauf der gebrauchten Drehleiter quasi eine Kehrtwende vollzogen werde. Bereits 2000 haben es beim Kauf des Vorgängermodells keine Förderung des Landes Hessen gegeben, "mit Verweis auf die mit Landesmitteln geförderte Drehleiter im benachbarten Lich".

Beim vor einigen Jahren vorgelegten Fahrzeugkonzept des Kreises wurde der Drehleiterstandort Hungen aufgegeben, stattdessen eine Drehleiter erstmals in Pohlheim stationiert. Das Konzept sei 2013 von allen Bürgermeistern unterzeichnet worden, erinnert Kraft. "Dadurch sollten Kosten reduziert und durch eine bessere Lastenverteilung mehr Gerechtigkeit für die Bürger im Landkreis geschaffen werden."

Dennoch hielt die Stadt Hungen an der Drehleiter fest, ließ diese mehrmals reparieren. 2019 war das Fahrzeug schließlich endgültig kaputt. Kraft sieht darin den idealen Zeitpunkt, unter das Kapitel "Drehleiter in Hungen" einen Schlussstrich zu ziehen. Zumal die Schäferstadt in den letzten Jahren für die Drehleiter in Buseck fast 27 000 Euro und die in Pohlheim 25 000 Euro gezahlt habe, schreibt Kraft weiter. Auch für die Ersatzbeschaffungen in Grünberg, Lich und Heuchelheim dürfte Hungen zur Kasse gebeten werden.

"Wenn Hungen aus Gründen der Sicherheit - an der zweifelsohne kein Rotstift angesetzt werden darf - eine eigene Drehleiter benötigt: Wieso wurde dies nicht umgehend im Bedarfs- und Entwicklungsplan für den Brandschutz festgelegt und Hungen im Rahmen der Bürgermeisterdienstversammlung mit Nachdruck als Standort einer gemeinschaftlich erworbenen Drehleiter durchgesetzt?", fragt Kraft. Mit dem Ausscheren aus dem Fahrzeugkonzept des Landkreises Gießen würden "die Hungener Steuerzahler doppelt und dreifach für die Drehleitern im Kreis Gießen bezahlen".

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