Plötzlich ist der Ernstfall da

  • vonred Redaktion
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Hungen/Gießen(bf). Oftmals kommt der Ernstfall ohne Vorwarnung: Plötzlich ist er da, dann ist im wahrsten Sinne des Wortes "Erste Hilfe" gefragt - es zählt jede Sekunde. Wie gut es ist, erlerntes Know-how aus dem Erste-Hilfe-Kurs abrufen und auf routinierte Mechanismen zurückgreifen zu können, zeigt das Beispiel von Constantin Woelki.

Es ist ein warmer Sommertag Ende Juni. Woelki trifft sich zu einer Tennisstunde mit seinem Trainer Tino König auf dem Platz des TC Obbornhofen. Schon nach wenigen Ballwechseln fühlt sich der 61-Jährige nicht in gewohnter Form. Ist es die Sommerhitze, die an seiner Kondition zehrt? Oder hat er zu wenig getrunken? Tapfer kämpft er sich weiter durch die Stunde, doch plötzlich bricht er zusammen, liegt reglos am Boden, ist nicht mehr ansprechbar. Besorgt eilt der Tennislehrer hinzu.

Schnell ist ihm klar: Hier muss der Rettungsdienst gerufen werden. Schon während er mobil unter der 112 die Leitstelle informiert, beginnt König mit Mund-zu-Nase-Beatmung und Herzdruckmassage. Wie war nochmal der Takt? Zum Glück steht ihm am anderen Ende der Leitung Björn Döring, Einsatzsachbearbeiter der zentralen Leitstelle bei: Ruhig und routiniert begleitet er den Ersthelfer durch die zu treffenden Maßnahmen.

Es vergehen bange Minuten, ehe der Rettungswagen vom DRK-Rettungsdienst aus Hungen eintrifft. Zusätzlich wurde ein Notarzteinsatzfahrzeug der Johanniter aus der Rettungswache in Lich geordert. Nach dem Eintreffen des Rettungsdienstes ist klar: Ab jetzt geht alles seinen routinierten Gang, Profis nehmen den Tennislehrer nach seinem Einsatz aus der Pflicht. Insgesamt dauerten die Reanimationsleistungen rund 50 Minuten, wobei lange Zeit nicht abzuschätzen war, ob die Bemühungen erfolgreich sein würden.

Als Ersthelfer registrieren

"Herr König hat beherzt eingegriffen und alles richtig gemacht", bestätigt Notfallsanitäterin Lilly von Mohr vom DRK. Ina Halefeldt, Notärztin der Johanniter-Unfall-Hilfe und der Asklepios-Klinik in Lich, erläutert, als erste Person vor Ort ist man das erste Bindeglied in der Rettungskette. "Man muss sich einfach trauen und versuchen, unter allen Umständen die Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten und das Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Alles ist in dieser brenzligen Situation besser als nichts zu tun."

Noch heute, nach langem Klinikaufenthalt und einer erfolgreichen Reha-Maßnahme - kämpft sich Constantin Woelki Schritt für Schritt zurück zur alten Form. "Ich habe Glück gehabt, dass Sie in meiner Nähe waren", bedankt er sich sichtlich gerührt bei allen am Einsatz beteiligten Personen. "Sie alle haben um mein Leben gekämpft. Ich bin Ihnen sehr dankbar."

Der Landkreis Gießen, der den Rettungsdienst beauftragt, sowie die beiden beteiligten Rettungsdienste sind sich einig, dass Vorfälle wie dieser zeigen, wie wichtig die Breitenausbildung in Erster-Hilfe ist. "Wer sich regelmäßig mit der Thematik auseinandersetzt, kann im Ernstfall adäquat handeln und zum Lebensretter für seine Mitmenschen werden", sagt Landrätin Anita Schneider.

Die Leitstelle gibt mittlerweile regelmäßig Anleitungen zur Ersten-Hilfe am Telefon, bis der Rettungsdienst am Notfallort ist. Horst Jeckel vom Sachgebiet Rettungsdienst beim Landkreis erklärt das Anfang des Jahres aufgebaute Ersthelfer-System namens Kat- retter. Über die Katretter-App werden im Ernstfall freiwillige Helfer, die sich in der Nähe zum Notfallort aufhalten, über die Zentrale Leitstelle alarmiert. Ein Erste-Hilfe-Kurs mit neun Stunden Ausbildung ist die Mindestqualifikation für die Teilnahme. Gut 170 Menschen sind bereits registriert. Weitere Interessenten, die 18 Jahre alt sein sollten, können sich beim Landkreis per E-Mail unter katretter@lkgi.de melden.

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