1. Gießener Allgemeine
  2. Kreis Gießen
  3. Hungen

»Ökologisches und ökonomisches Desaster«

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Redaktion

Kommentare

ik_Stadtwald_060721_4c_1
Die Hungener Grünen kritisieren eine auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Waldwirtschaft. © pv

Hungen (pm). Grundlegende Kritik üben die Hungener Grünen am Waldwirtschaftsplan. Seit Jahren weise die Fraktion auf die Folgen des Klimawandels hin, doch das Planwerk fokussiere sich auf Einschläge, zu gewinnende Holzmengen und die Hoffnung auf Gewinne aus dem Holzverkauf. »Aussagen zu den weiteren Funktionen des Waldes und deren Werte für die Bevölkerung fehlen weitgehend«, kritisieren die Grünen in einer Pressemitteilung.

Seit vielen Jahren schwinde so der Holzvorrat des Hungener Stadtwaldes, ohne dass man mit reduzierten Hiebsätzen entgegensteuert. Er liege mittlerweile deutlich unter dem Hessischen Landesdurchschnitt.

»Selbstverständlich können Förster nichts für Stürme und Dürren«, schreiben die Grünen. Aber für die geringe Resilienz der von ihnen betreuten Wälder seien sie sehr wohl verantwortlich. »Eine Forstwirtschaft, die meist einseitig auf das Maximieren der Holzerträge gesetzt hat, ist nicht nur in Hungen krachend gescheitert«, sagt Stadtverordneter Frank Bernshausen. Es fehle die Widerstandkraft natürlicher oder naturnaher Wälder gegen die mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen. Dies sei auch im Stadtwald offensichtlich.

Holzvorrat erhöhen

Während hier naturnahe, behutsam oder ungenutzte Bestände von heimischen Laubbäumen in der Regel gut durch drei Dürrejahre gekommen sind, wiesen Nadelholzbestände (und dies gilt nicht nur für die Fichte) sowie stark genutzte Laubholzbestände große Schäden auf. Verstärkt wird die Trockenheit nach Ansicht der Grünen noch durch in Teilen engmaschige Rückegassen-Systeme, das Räumen der Seitengräben eines dichten Wegenetzes oder das noch im Winter 2019/2020 im Langder Wald erfolgte Räumen von Gräben. Dadurch werde Niederschlagswasser schnell abgeleitet und die Hochwassersituation - wie in diesem Frühjahr - deutlich verstärkt. Bernshausen: »Kurz gesagt: Der Zustand des Waldes ist ein menschgemachtes ökologisches sowie auch letztendlich ökonomisches Desaster.«

Um die Entwicklung umzukehren, fordern die Hungener Grünen, im Stadtwald eine zukunftsfähigere Form der Waldbewirtschaftung zu etablieren. Es gehe darum, den Wald widerstandsfähiger gegenüber den sich abzeichnenden Veränderungen zu machen. Die Grünen plädieren für eine naturnahe Bewirtschaftung der vorhandenen Bestände, die Förderung standortheimischer Baumarten aus Naturverjüngung sowie die deutliche Erhöhung des Holzvorrates.

Noch vorhandene Altbestände aus Laubholz seien behutsam zu nutzen oder in Teilen aus der Nutzung zu nehmen. Weiterhin müssten sämtliche entwässernde Strukturen zurückgebaut und eine dezentrale naturangepasste Wasserrückhaltung im Wald etabliert werden.

An Mittelhessens größtem Naturschutzgebiet, das östlich von Hungen entsteht, sollte sich nach Meinung der Grünen die Stadt Hungen mit eigenem Wald beteiligen. Neben der unbestrittenen ökologischen Vorteile stünden hier auch Mittel aus dem Wildnisfond der Bundesrepublik Deutschland für den Verzicht der forstlichen Nutzung zur Verfügung. »Diese kompensieren bei weitem die aktuellen - und auch auf Jahrzehnte in die Zukunft gerechnet - kommenden Erlöse aus der Holzproduktion auf diesen Flächen.«

Auch interessant

Kommentare