Noch keine Aussage des zweiten Angeklagten

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Hungen (us). Vor dem Gießener Landgericht kommt der Ende April begonnene Prozess um einen »Mord ohne Leiche« nur schleppend voran. Zuletzt waren drei Termine wegen einer vom Gesundheitsamt angeordneten Quarantäne geplatzt. Am Mittwoch konnte die 5. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Regine Enders-Kunze die Verhandlung fortsetzen.

Angeklagt sind ein 44 Jahre alter Studienrat und ein vier Jahre jüngerer Software-Entwickler aus dem Raum Hanau. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern vor, im November 2016 einen gemeinsamen Kumpel, den damals 39 Jahre alten Daniel M., entführt und in einer Hofreite bei Hungen ermordet zu haben. Die Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Stundenlange Befragung

Bislang hat sich im Prozess ausschließlich der Angeklagte Olaf C. geäußert und die Fragen von Gericht, Staatsanwaltschaft und Nebenklage beantwortet. Eine Einlassung des zweiten Angeklagten steht noch aus; ob er sich äußern wird, ist offen. Das sollte am Mittwoch geklärt werden. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen stand erneut der 44 Jahre alte C. im Fokus, der mehrere Stunden lang von seinen eigenen Verteidigern, Rechtsanwältin Dr. Iris Passek und Rechtsanwalt Lars Kirch, befragt wurde. Dabei äußerte er sich unter anderem zu den Umständen seiner Befragung durch die Polizei und auch zu seinen finanziellen Verhältnissen. Der alleinstehende Studienrat pflegt eigenen Angaben zufolge einen sparsamen und bescheidenen Lebensstil. Er habe bis 2019 in seiner alten Studenbude gelebt, sei selten in Urlaub gefahren und habe stets über Rücklagen verfügt. »Ein dreifaches Monatsgehalt«, das war seine Richtschnur. Daran habe sein eher mathematisch motiviertes Interesse am Glücksspiel nichts geändert. Stets habe er sich ein Limit gesetzt und außerdem kontinuierlich Buch geführt. »In 15 Jahren habe ich vielleicht 100 Euro verloren. Das schafft ein Raucher im Monat.«

Weitere Fragen betrafen u.a. C.s Verhältnis zum Mitangeklagten Robert S. und dem Opfer Daniel M. Weil etliche Aspekte schon früher im Prozess erörtert worden waren, sah sich die Vorsitzende Richterin schließlich zu einer Anmerkung gegenüber den Anwälten veranlasst. »Ich habe die ganze Zeit viel Geduld gehabt. Eigentlich müsste ich Sie bei jedem zweiten Satz unterbrechen, weil Sie Dinge wiederholen oder Sachen abfragen, die schon einmal abgefragt worden sind.«

Auch die Verteidigung von Robert S. hat Fragen an C. Doch der will den Anwälten seines früheren Kumpels prinzipiell keine Auskunft geben. Rechtsanwalt Michael Baitinger und sein Kollege Damir von der Heiden beantragten darauf hin, die Aussagen C.s, soweit sie Robert S. belasten, nicht zu verwerten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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