Still ruht der Inheidener See - zumindest im Frühling, da er von nur wenigen Gästen besucht wird. FOTO: KANNWISCHER
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Still ruht der Inheidener See - zumindest im Frühling, da er von nur wenigen Gästen besucht wird. FOTO: KANNWISCHER

Nicht nur ein Ort der Naherholung

  • vonred Redaktion
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Hungen(pm). Die Natur ist schon seit geraumer Zeit erwacht. Mit den Lockerungen werden nun auch die Aktivitäten der Menschen, die bislang im Corona-Krisen-Modus verharrten, ebenso erwachen. Auch am Inheidener- und Trais-Horloffer See wird bald wieder einiges los sein.

Nicht nur fast 40 vom NABU Horlofftal kartierten Brutvogelarten haben hier ihre Heimat, auch der Biber zieht seine Kreise im Wasser. Und Reiher sowie Kormorane ernähren sich von den zahlreichen, auch eingesetzten Fischen, die den Amphibien wiederum das Leben schwer machen - fressen und gefressen werden.

Eine lange Landschaftsgeschichte geht dem heutigen See jedoch voraus, weiß Stephan Kannwischer vom Naturschutzbund. Vor fast 2000 Jahren fanden die Römer zu Beginn ihrer Besatzungszeit hier ausgedehnte Niedermoore, Auwälder und Sümpfe vor. Auf den Limes als Grenze zum freien Germanien konnte daher wegen der faktischen Unpassierbarkeit verzichtet werden.

Ein Privileg

Als die Römer die Wetterau verließen und sich hinter die Rheingrenze zurückzogen, sah die Landschaft nach 200 Jahren Fremdherrschaft schon anders aus: Viele der gewaltigen Eichen in der Hartholzaue und den angrenzenden Wäldern wurden geschlagen und in vielfacher Verwendungsmöglichkeit genutzt. Fruchtbare Landbereiche mit ausgedehnten Wäldern wurden gerodet und landwirtschaftlich kultiviert, woraus die für die damalige Logistik der Truppenversorgung wichtige und noch heutige Kornkammer Wetterau mit ihren guten und ertragreichen Böden entstand.

Der Fund und das Schürfen von oberirdisch anstehenden Torfen und darunterliegenden Braunkohleflözen und deren Verwendung als Brennstoff im Trockenzustand veränderte die Landschaft ab dem 18. Jahrhundert nochmals. Einige Generationen Bergleute verdienten sich den Lebensunterhalt für ihre Familien, bis der industrielle Braunkohlen-Tagebau zu Beginn der 1920er Jahre die Ausbeutung der Grube übernahm. Nach der Bewegung mehrerer Millionen Tonnen Abraum und rund 1,2 Millionen Tonnen Kohle wurde das Bergwerk 1950 eingestellt. Die Hochhalde bei Trais-Horloff ("Traiser Berge") erinnert noch heute daran und ist mit dem Solarpark der Stadt Hungen sogar wieder Energiestandort.

Die nach Einstellung der bergbaubedingten Wasserhaltung wieder hohen Grundwasserstände in der ehemaligen Köstgraben-Niederung und der Horloffaue ließen das seinerzeit kahle Baggerloch innerhalb weniger Jahre mit Wasser volllaufen, so dass mit der Entdeckung dieses Freizeit-Paradieses durch Camper und Badegäste die eigentliche Geschichte des mittlerweile 36,5 Hektar großen Inheidener und Trais-Horloffer Sees beginnt.

Heute stellt sich der See mit seinen begrünten Randbereichen als Hort der Naherholung, des Freizeitsportes, aber auch der Artenvielfalt dar. Um gerade Letzteres zu bewahren und das genussvolle Naturerleben weiter zu ermöglichen, ist die Rücksichtnahme auf die Tierwelt von großer Bedeutung. So gilt der naturnahen Flächengestaltung ein besonderes Augenmerk. "Schließlich ist es ein absolutes Privileg, in einer solcher genuss- und erlebnisreichen Landschaft seine Freizeit verbringen zu dürfen", schließt Kannwischer.

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