Trotz Corona finden in den meisten Städten und Gemeinden im Landkreis Gießen wieder Ferienspiele statt, wenn auch in abgespeckter Form. In Hungen weisen Transparente auf die Veranstaltungsreihe hin. FOTO: US
+
Trotz Corona finden in den meisten Städten und Gemeinden im Landkreis Gießen wieder Ferienspiele statt, wenn auch in abgespeckter Form. In Hungen weisen Transparente auf die Veranstaltungsreihe hin. FOTO: US

Ferienspiele

Nicht alles geht, aber vieles geht in Hungen

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
    schließen

Covid-19 hat auch die Verantwortlichen für die Jugendarbeit in den Kommunen kalt erwischt. Als die Beschränkungen gelockert wurden, musste man sich neu orientieren. Wie, das zeigt das Beispiel aus Hungen.

Kaum sind die Weihnachtsferien vorbei, richten Gemeindepädagogin Sabine Nickel und ihr Kollege Florian Röhrich ihre Aufmerksamkeit auf den Sommer. Mitte Januar nehmen die beiden die Vorbereitungen für die Ferienspiele in Angriff. Das war in diesem Jahr nicht anders. Bis März hatte das Programm schon feste Konturen angenommen. "Dann kam Corona", sagt Nickel. Sämtliche Pläne waren Makulatur. Ob 2020 überhaupt Ferienspiele stattfinden können, war wochenlang ungewiss. Mittlerweile ist klar: Da geht was. Aber es geht längst nicht alles. Wie die meisten Kommunen musste auch Hungen das Programm eindampfen. 60 Angebote anstelle der üblichen 90 oder 100 haben die beiden Organisatoren vor gut einer Woche online gestellt. Inzwischen können sie erleichtert feststellen: Nachfrage ist da. "Es wird gebucht."

Auf viele Aktivitäten müssen Anbieter und Teilnehmer diesmal verzichten. Es wird keine Fahrten geben und keine gemeinsamen Übernachtungen. Alles, was mit kochen, backen oder essen zu tun hat, ist gestrichen. "Schade", findet Nickel. "Diese Angebote waren immer sehr beliebt." Dafür werden diesmal aber auch Veranstaltungen nachgefragt, die es sonst eher schwer hatten. "Das ist die andere Seite von Corona", sagt die Gemeindepädagogin.

Mit dem Lockdown Mitte März hatten Nickel und Röhrich sämtliche Vorbereitungen erst einmal auf Eis gelegt. "Wir wollten keine falschen Erwartungen wecken", sagt Nickel und erinnert sich an eine unwirkliche Situation: "Wie in einer Blase."

Dafür ging es ab Ende April Schlag auf Schlag. Den Weg Richtung Ferienspiele machte der Arbeitskreis der Jugendpflegen frei, der mit Unterstützung des Landkreises Richtlinien erarbeitete, an denen sich die Verantwortlichen vor Ort orientieren können. Mit dem Okay ihrer Vorgesetzten konnten Nickel und Röhrich loslegen. Der Bürgermeister freut sich, dass die Ferienspiele stattfinden können. "Familien sind von der Pandemie-Problematik besonders betroffen", sagt Rainer Wengorsch. "Viele fahren in diesem Jahr auch nicht in Urlaub. In dieser Situation soll das Sommerprogramm für Entlastung sorgen.

Die größte Schwierigkeit für die Jugendpflege: Nach Bekanntgabe der neuen Regeln hagelte es Absagen. Viele Organisatoren von Ferienspiel-Angeboten sahen sich nicht in der Lage, die Auflagen zu erfüllen. Teilweise fehlten den Vereinen auch Helfer, weil zu viele unter die Risikogruppen fallen. Oder übergeordnete Verbände legten ihr Veto ein. "Von dem, was wir ursprünglich auf der Liste hatten, blieben vielleicht noch 20 Prozent übrig", erzählt Röhrich. "Wir mussten ganz neu nachdenken."

Quasi über Nacht haben die beiden neue Ideen entwickelt. "Wir haben zehn Tage lang ganz tief in den Computer geschaut." Etliche Workshops werden sie selbst anbieten. "Florian hat sich zum Beispiel Ballspiele auf Distanz ausgedacht oder Theater auf Abstand", berichtet Nickel. Sie selbst geht unter anderem mit Hobby Horsing an den Start, einem ziemlich abgefahrenen Trendsport aus Finnland. Anstelle richtiger Pferde kommen beim Springen oder der Dressur Steckenpferde zum Einsatz - da braucht man beim Aufsteigen keine Hilfestellungen.

Neu denken mussten die beiden Jugendpfleger auch beim Anmeldeverfahren. Ein Ferienspielheft gibt es in diesem Jahr nicht, und auch die Ferienpässe werden nicht in der Verwaltung ausgegeben. Alles läuft online oder schriftlich. Hauptsache kontaktlos. Auch bezahlt wird nicht vor Ort, sondern per Überweisung. "Viele Angebote sind in diesem Jahr ohnehin gratis", berichtet Nickel. Gefragt ist darüber hinaus die Hilfe der Eltern oder Großeltern. Sie müssen die Kinder nicht nur bringen, abholen und mit Verpflegung versorgen. Die Jüngsten dürfen nur mit Begleitung an den Ferienspielen teilnehmen. Zur Sicherheit, wie Nickel sagt: "Abstand halten mit unter neun Jahren: das funktioniert einfach nicht."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare