Die Fußballer sind lange das Aushängeschild des TSV Bellersheim. Diese Mannschaft feierte 1979 Meisterschaft und Aufstieg. ARCHIVFOTO: PM
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Die Fußballer sind lange das Aushängeschild des TSV Bellersheim. Diese Mannschaft feierte 1979 Meisterschaft und Aufstieg. ARCHIVFOTO: PM

Nach einem 0:17 ging es aufwärts

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Hungen(pad). Der TSV Bellersheim feiert sein 90-jähriges Bestehen. Große Festpläne sind in einem Jahr mit Covid-19 nicht umzusetzen, auch die beliebte Beach-Party fällt aus. Doch ganz ohne Feier soll das Jubiläum nicht vorübergehen: Am Samstag wird es ab 13 Uhr auf dem Sportplatz eine kleine Feierstunde geben. Dabei sollen langjährige treue Mitglieder geehrt werden. Der Eintritt ist frei.

347 Mitglieder zählt der TSV aktuell. "Die Vereine sind das Rückgrat unserer Gesellschaft", sagt Rainer Angermüller vom Vorstandsteam. "Wer dort mitmachen will, muss ein Stück Individualität aufgeben und sich integrieren. Das ›Wir‹ steht vor dem ›Ich‹."

Älter als der TSV selbst ist eine Abteilung, die es heute nicht mehr gibt: Einst hatte Bellersheim einen eigenen Radfahrverein, den "Frohsinn". Der 1913 gegründete Verein wurde 1951 in den TSV integriert. In der heutigen Gaststätte Angermühle wurde der TSV am 5. April 1930 gegründet. Schon im ersten Jahr wurde ein Spielmannszug aufgestellt, zudem stand das Turnen im Fokus.

1946 wurden die Fußball- und die Damenhandballabteilung gegründet. Die Handballerinnen spielten im selben Jahr vor 1200 Zuschauern gegen den deutschen Frauenhandballmeister Eintracht Frankfurt. Sie waren so erfolgreich, dass sich der Verein auf Dauer die weiten Fahrten nicht mehr leisten konnte und den Spielbetrieb einstellte.

Vereinsheim sanierungsbedürftig

Auch das Radrennen fand 1946 erstmals im Rahmen des Herbstfestes statt. Die Premiere gewann der deutsche Meister Bruno Roth aus Frankfurt, auch in den folgenden Jahren gingen viele prominente Radler an den Start. Statt Geldprämien bekamen die Besten Naturalien als Preise - da winkte dem Sieger auch mal ein Schinken.

Die bekannteste Abteilung des Vereins ist die Fußballsparte. Dabei war deren Start mehr als holprig: Das erste Spiel verlor man 0:17, auch bei der 1:15-Niederlage gegen Utphe im zweiten Spiel lässt sich nicht wirklich von einem Aufwind sprechen - auch wenn damit ein Bellersheimer erstmals ein Tor schoss. "Es war die Zeit, als jeder Ort seine Fußballmannschaft hatte", erklärt Hans-Otto Schäfer. Damals gab es zahlreiche Derbys, teils vor mehreren hundert Zuschauern. "Die Leute sind teils mit Lastern zu den Auswärtsspielen gefahren." Bei einem Duell gegen Lich wurden einmal über 700 Besucher gezählt.

1978/1979 feierte der TSV einen großen Erfolg: den Aufstieg in die Bezirksliga. "Das war damals die fünfthöchste Klasse", erinnert sich Schäfer. "Wir haben bei Eintracht Wetzlar im Stadion gespielt." Doch irgendwann ließ das Interesse am Fußball nach, es gab weniger Aktive. So wie viele andere Dörfer auch musste der TSV eine Spielgemeinschaft eingehen, das war 1997. Zusammen mit dem SKV Obbornhofen ging es dann allerdings wieder zurück in die Bezirksliga.

Seit 1982 verfügt der Verein über eine Gymnastikgruppe, vier Jahre älter ist das Kinderturnen.

Neben sportlichen Erfolgen feiert der TSV generell gerne: Seit fast 30 Jahren richtet er im Sommer die Beachparty aus, in der fünften Jahreszeit lässt er es bei einer eigenen Karnevalssitzung krachen. Die närrische Tradition wurde bereits 1954 mit dem ersten Maskenball im Saal der Angermühle begründet. Früher gab es zudem eine eigene Theatergruppe. "Wir haben uns nicht nur auf den Sport fokussiert", erklärt Hans-Otto Schäfer.

Ein Dreh- und Angelpunkt für den Fußball, aber auch zahlreiche Veranstaltungen ist das Vereinsheim. In den 1970ern wurde es in Eigenleistung errichtet, 1973 eingeweiht. Das Grundstück stellte die damals noch eigenständige Gemeinde Bellersheim. Aus der damaligen Zeit stammen übrigens noch die Duschen im Gästebereich. Sie sollen nun saniert werden. Auch sonst ist an dem Gebäude einiges überholungsbedürftig, vom Kühlraum über die Heizung bis hin zu den elektrischen Anlagen. Schätzungen gehen von einem sechsstelligen Betrag aus, der für alle Sanierungsmaßnahmen notwendig wäre.

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