pad_a2_040221_4c
+
Am Mittwoch hat sich das Hochwasser noch nicht aus dem Seegebiet zurückgezogen.

NABU: Überflutungsräume nicht zubauen

  • vonRedaktion
    schließen

Hungen (pm). Nach dem Horloff-Hochwasser am Wochenende melden sich nun die Hungener NABU-Gruppen und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) zu Wort. Sie fordern, mehr Flächen zu schaffen, auf denen sich Hochwasser ausdehnen kann, ohne Schaden anzurichten, sowie die Be- bauung vorhandener Überflutungsgebiete zu stoppen.

NABU-Vorstandssprecher Stephan Kannwischer kritisiert in diesem Zusammenhang etwa die fortschreitende Bebauung des Grassees in der Kernstadt. Er spricht sich zudem dafür aus, Retentionsräume zu vergrößern, etwa zwischen Hungen und Villingen am Engelshäuser See.

Würde ein Teil des Regens und Schmelzwassers vor Ort verbleiben und langsam ver- sickern, so Kannwischer, trage dies nicht nur zum Hochwasserschutz, sondern »auch noch erheblich zur Grundwasserneubildung und somit zur Sicherung der Trinkwasserversorgung bei«.

Die Naturschutzgruppen fordern daher die Kommunalverwaltung sowie die Kommunalpolitik auf, ein ökologisch tragfähiges Konzept zu entwickeln, um die Hochwasser- gefahr in den Griff zu bekommen.

Hochwasser seien an der Horloff per se nichts Ungewöhnliches. Wie schnell 2021 die Pegel gestiegen seien, habe jedoch viele Anlieger überrascht. Verschärft habe sich die Lage zudem dadurch, dass in den Auenflächen gebaut wurde - also in die Bereiche hinein, die von Natur aus regelmäßig überschwemmt werden.

Dabei fängt der Hochwasserschutz aus Sicht Kannwischers nicht erst am Bachufer an. Das Versickern von Niederschlagswasser in Siedlungs-, Gewerbe- und Infrastrukturbereichen müsse weiter forciert und gefördert werden. Beispiele seien Zisternen, Flächenentsieglung und wasserdurchlässige Bauflächen. »Auch ist auf die Ansiedlung großflächig bodenversiegender Betriebe aus der Logistikbranche zu verzichten«, sagt der Vorstandssprecher.

Zudem solle das Hochwasserkonzept nicht nur einzelne Orte in den Blick nehmen, sondern naturräumlich zusammenhängende Stadtteile betrachten - etwa die Anliegerdörfer der Horloffaue.

Auch die Landwirtschaft könne ihren Beitrag zum Hochwasserschutz leisten, indem sie den Humusanteil des Bodens erhöht und mit möglichst ganzjähriger Bepflanzung dafür sorgt, dass die Erosion und damit das Risiko von Schlammlawinen reduziert wird. »Das betrifft vor allem Hanglagen.« Nicht zuletzt sollten auch die Uferschonstreifen konsequent eingehalten werden.

»Mit der Summe dieser Maßnahmen sollte es gelingen, die Gefahr von Überschwemmungen des aktuellen Ausmaßes zu minimieren«, sagt Kannwischer. Mit dem Dank an die Feuerwehren, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk, die bei der aktuellen Lage wieder »selbstlose Hilfe« leisteten, verbinden die Naturschützer auch den Aufruf, diese bei solchen Einsätzen zu unterstützen. »Es ist deshalb sinnvoll und zielführend, Rettungs- und Katastrophenschutzkräfte auf solche Szenarien einsatztechnisch und ausstattungsmäßig noch besser vorzubereiten.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare