Mobilität und Flächenfraß im ländlichen Raum

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Hungen (pm). Die Hungener Grünen organisierten einen Diskussionsabend mit Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. Er äußerte sich dazu, wie er sich die Verkehrswende im ländlichen Raum vorstellt. Im zweiten Teil ging es um Möglichkeiten für das Land, den Flächenfraß zu reduzieren.

Al-Wazir sieht in Mobilität so etwas wie ein Freiheitsversprechen. Ziel sei es, dieses Versprechen möglichst umzusetzen und gleichzeitig negative Auswirkungen zu reduzieren. War Anfang der 60er Jahre das Ziel die autogerechte Stadt, gehe es heute darum, den Raum für Mobilität in einer menschengerechten Stadt neu aufzuteilen. Solches Umdenken können die Grünen nicht nur in der Stadt Gießen betrachten, sondern auch in Dörfern wie Langd. Dort gab es im vergangenen Jahr eine von den Grünen organisierte Ortsbegehung, die mit großer Beteiligung der Bevölkerung das vorgelegte Planungskonzept deutlich veränderte. »Wir können nur fördern«, sagte Al-Wazir, »die Pläne im Detail müssen vor Ort in den Kommunen gemacht werden. Dafür braucht man Mehrheiten und Kontakt zu den Bürgern.«

Wolfgang Macht, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Hungener Stadtverordnetenversammlung, berichtete über den viele Jahre dauernden Kampf um die Reaktivierung der Horlofftalbahn. Mit etwas Glück können die Einwohner im Ostkreis ab Ende 2025 von durchgehenden Zügen bis nach Frankfurt profitieren. Die Züge starten in Lich und werden in Hungen mit einem Schnellbus nach Laubach getaktet. Umgekehrt bringen diese Züge eine neue Chance für Tagestouristen aus dem Rhein-Main-Gebiet, die die Landschaft in Oberhessen genießen wollen.

Gegen Logistiker

Im Zusammenhang mit dem Thema Flächennutzung forderte Stadtverordneter Frank Bernshausen einen maßvollen Umgang bei der Ausweisung neuer Flächen für Siedlung und Gewerbe. Schwerpunkt sollte die Nutzung der Innenräume oder eine gute Ausnutzung der auszuweisenden Neubauflächen sein. Er nannte hierzu als positives Beispiel das Förderprogramm des Landes »Wachstum und nachhaltige Entwicklung« sowie das Förderprogramm »Nachhaltiges Wohnumfeld« für das Baugebiet Hungen-West.

Im Gewerbegebiet Hungen-Süd möchten die Grünen eine behutsame und langfristige Ausweisung sehen und lehnen die geplante Ansiedlung eines Logistikers ab. Außerdem sprechen sich die Grünen gegen die Planung des sieben Hektar großen Gewerbegebietes Herrenacker in der Kernstadt aus.

Bernshausen erläuterte die Idee, das Konzept des kommunalen Finanzausgleichs zu erweitern. Dabei sollen nicht mehr nur Aufwendungen etwa für Schwimmbäder oder Theater betrachtet werden, sondern auch für tatsächlich erbrachte ökologische Leistungen der Landgemeinden wie Hochwasserschutz, Grundwasserförderung oder Erhalt der Biodiversität.

Al-Wazir wies darauf hin, dass die verfügbare Summe für den Finanzausgleich dann neu aufgeteilt werden müsste, was ziemlich schwierig sei. Im Grunde erscheint der Ansatz aber völlig plausibel, weil die kleinen Gemeinden Leistungen erbringen, die die Städte eben nicht erbringen können - und umgekehrt.

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