»Millionenerlös als Chance begreifen«

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Hungen (pm). Die Bürgerliste Pro Hungen steht einer Teilnahme der Stadt am Wildnisfond offen gegenüber und sieht die Chance einer Win-Win-Win-Situation, bei welcher ökologische wie ökonomische sowie gesellschaftliche Ziele in Einklang gebracht werden können. Das erklärte Fabian Kraft für Pro Hungen. Zuletzt hatten sich CDU, Grüne und Naturschutzverbände zur künftigen Nutzung des Hungener Stadtwaldes geäußert und gestritten.

Über die Besonderheiten des Rotbuchenbestandes im Stadtwald im nationalen wie internationalen Kontext sei ausführlich bei der Vor-Ort-Besichtigung auf Einladung des NABU unter Leitung von Biologe Dr. Markus Dietz informiert, an der mit Ausnahme der CDU Vertreter aller anderen in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen teilgenommen haben.

Der etwa 200 Hektar große Teil des Hungener Stadtwaldes, der für den Wildnisfond in Frage kommt, liegt zwischen den bereits aus der Nutzung genommenen 800 Hektar Kernflächen des hessischen Staatswaldes sowie einer Teilfläche von 224,5 Hektar des Laubacher Waldes, dessen Nutzungsrechte kürzlich für rund sechs Millionen Euro bereits über den Wildnisfond des Bundesumweltministeriums an eine Stiftung übertragen wurden.

»Wie bei einem Puzzle würde sich der Hungener Stadtwald als fehlendes Teilstück in das Gebiet einfügen«, sagt nun auch der Pro-Hungen-Fraktionsvorsitzende Kraft. Dadurch würde - nach dem Nationalpark Kellerwald - das zweitgrößte Waldnaturschutzgebiet Hessens mit einem einzigartigen Urbuchenwald ermöglicht, der Wald eine weitere Anlaufstelle für sanften Tourismus bieten. Hungen würde zudem einen wichtigen Beitrag zur Strategie der Bundesregierung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt leisten, deutschlandweit zwei Prozent der Landfläche als möglichst unbeeinflusste Gebiete zu entwickeln.

Zukunftsplan für Hungen

Doch der Verzicht auf die Holznutzung in diesem Gebiet wäre kein reiner Akt von Nächsten- oder Naturliebe, »denn die in Aussicht gestellte monetäre Kompensation ist üppig«, so Kraft.

Rückblickend auf die Erträge des Hungener Stadtwaldes der letzten zehn Jahre sind jährlich im Durchschnitt weniger als 26 Euro pro Hektar durch Holzverkauf (inklusive Brennholz) erlöst worden. Bei einer möglichen Ausgleichszahlung zur Abtretung dieser Nutzungsrechte von rund 15 000 bis 30 000 Euro je Hektar »dürfte jedem klar sein, dass rein ökonomisch betrachtet die Teilnahme am Wildnisfond einen Glücksfall für Hungen darstellt«, erklärt der Fraktionsvorsitzende.

Der gezahlte Einmalbetrag würde die erwartbaren Erträge des nächsten Jahrhunderts - und gegebenenfalls darüber hinaus - vorwegnehmen und Hungen die Chance geben, an anderer Stelle in Zukunftsprojekte zu investieren.

Die unerwarteten Millionenerlöse dürften allerdings nicht im Haushalt »versickern«, so Pro Hungen, sondern sollten für Investitionen genutzt werden, um die Schäferstadt »fit für die Zukunft« zu machen. »Der mangelnde Fortschritt im Breitbandausbau und der Digitalisierung, jahrelanger Stillstand beim Hochwasserschutz sowie die aus Kostengründen von einigen Seiten immer noch forcierte großflächige Erschließung des Gewerbegebiets Hungen-Süd sind nur einige Punkte, denen mit einem Zukunftsplan für Hungen begegnet werden könnte«, macht der Fraktionschef Vorschläge.

Pro Hungen befürwortet daher, die günstige Gelegenheit der freien Fördermittel des Wildnisfonds von aktuell über sechs Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr 2021 zu ergreifen und umgehend ein - ebenfalls aus Drittmitteln finanziertes - Forstwertgutachten in Auftrag zu geben, um den Förderantrag vorzubereiten, offene Fragen in der rechtlichen Ausgestaltung zu klären und den Gremien zur abschließenden Beschlussfassung vorzulegen.

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