Kompromisse notwendig

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Hungen (pm). Die Umgestaltung der Gießener- und der Kaiserstraße ist nach den Ergebnissen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) eine der zentralen Aufgaben des Stadtumbauprogramms in der Kernstadt. Das ISEK wurde 2018 und 2019 unter einer breiten Öffentlichkeitsbeteiligung erarbeitet und 2020 von den Stadtverordneten beschlossen.

Der Verkehrsraum soll für den fließenden und ruhenden Verkehr neu gegliedert werden, die Verkehrsflächen für Fußgänger und Radfahrer aufzuwerten, Querungshilfen zu schaffen sowie Grünstrukturen zur Verbesserung der kleinklimatischen Verhältnisse herzustellen.

Wie Bürgermeister Rainer Wengorsch mitteilte, wurden in einem Verkehrskonzept Maßnahmen definiert, um die Ziele zu erreichen. Die Lösungsvorschläge sollen zu einer Verkehrsentlastung, -beruhigung und -sicherheit im Stadtkern beitragen. Das Konzept zeige auch auf, welche verkehrliche Konsequenzen mit den Maßnahmen einhergehen. Wichtig sei, dass das Verkehrskonzept weder eine Entwurfsplanung für eine Straßenumgestaltung ersetzt, noch einer vorgreift.

Das Verkehrs- und Parkraumbewirtschaftungskonzept wurde von dem Verkehrsplanungsbüro LK Argus aus Kassel erarbeitetet und im Rahmen eines Stadtspaziergangs im Juli vorgestellt.

Tempo reduzieren

Die Betrachtung der Gießener Straße und der Kaiserstraße erfolge im Rahmen des Konzeptes alternativ für zwei Zielsetzungen: Einerseits zur Verbesserung der Radwegeverbindung im Straßenraum, andererseits zur Aufwertung der Gehwegbereiche sowie zur Erhöhung der Durchgrünung.

Die Verkehrsplaner regen eine Begrenzung der Geschwindigkeit auf 30 km/h bzw. die Einrichtung einer 20 km/h-Zone in der Kaiserstraße im Bereich zwischen Raiffeisen- und Ladestraße an. Diese Temporeduzierungen sind aus Sicht der Verkehrsplaner, der Stadtverwaltung sowie des Stadtumbaumanagements Voraussetzung dafür, die Fahrbahnbreite zu verringern, um Raum für Fußgänger und Radfahrer schaffen zu können.

Weiterhin sehen beide Vorschläge eine teilweise Verlagerung von Parkplätzen vor. Durch den Wegfall von Parkplätzen, insbesondere auf der nördlichen Straßenseite, können weitere Schutzstreifen für Radfahrer oder breitere Gehwege gewonnen werden. Die Verkehrsplaner stellen fest, dass nach den Ergebnissen der Bestandserhebung aufgrund eines derzeit hohen, aber nicht ausgelasteten Parkplatzangebotes auf einen Teil der Stellplätze verzichtet werden kann. Ersatz könne im Zuge der Umgestaltung der Ladestraße geschaffen werden. Diese Parkplätze sollen vor allem Langzeitparkern zur Verfügung stehen, sodass die verbleibenden Parkplätze in der Kaiser- und Gießener Straße vor allem von Kurzzeitparkern genutzt werden können.

In beiden Konzeptvarianten werden Vorschläge für eine Querschnittsgestaltung aufgezeigt. Eine Gestaltungsvariante strebt vorrangig die Verbesserung der Radwegeverbindung an. Hier werden Streifen für Radler an den Straßenränern markiert. Bei dieser Variante ist zwischen Rewe-Einfahrt und Poststraße der Erhalt der Längsparkplätze auf der südlichen Straßenseite vorgesehen, je nach Teilvariante auch im Bereich einer 20 km/h-Zone zwischen Raiffeisen- und Ladestraße.

Abstimmung mit Interessengruppen

Die andere Gestaltungsvariante sieht eine deutliche Verbreiterung der Gehwegflächen vor, Schutzstreifen für Radler entfallen zugunsten von Gehwegbereichen mit einer Mindestbreite von drei Metern. Für den Abschnitt zwischen Moltke- und Ladestraße wird von den Verkehrsplanern eine beidseitige Straßenbegrünung vorgeschlagen, dabei besteht die Möglichkeit, Stellplätze zwischen Baum- oder Grünpflanzen vorzusehen.

Aufgabe einer weitergehenden Planung sei es nun, die konzeptionellen Ansätze mit den örtlichen Voraussetzungen ebenso wie mit den Bedürfnissen aller Nutzer in Einklang zu bringen und in einem abgestimmten Planwerk niederzuschreiben, erläutert der Bürgermeister. Die weiteren Planungsschritte werden mit den betroffenen Interessengruppen abgestimmt. Hierzu soll der finale Stand des Verkehrskonzeptes mit beiden Gestaltungsvarianten der Lenkungsgruppe »Lokale Partnerschaften« als Vertreter der örtlichen Interessengruppen vorgelegt werden. Das Gremium soll eine Empfehlung für einen politischen Grundsatzbeschluss abgeben. Auf der Grundlage eines solchen Beschlusses sollen dann die Planungsleistungen ausgeschrieben werden, so Wengorsch.

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