Idyllisch gelegen: Der "Seeblick" in Inheiden. FOTO: CON
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Idyllisch gelegen: Der "Seeblick" in Inheiden. FOTO: CON

Kompromiss mit der Stadt

  • vonConstantin Hoppe
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Hungen(con/pad). Mit diesem Kompromiss dürfte der "Seeblick" wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser geraten: Der Inhaber der Gaststätte, Markus Schmidt, hat sich mit der Stadt Hungen im Streit um Lärm und Beschwerden von Anwohnern und Gästen des Inheidener Sees auf eine Verkleinerung des Biergartens um drei Tische geeinigt.

Das Ergebnis sorgt bei Schmidt für Erleichterung, weil er nach einem Bescheid der Stadt zunächst befürchtet hatte, die Zahl der Tische von bisher 15 auf sechs reduzieren zu müssen. "Mit so wenigen Plätzen kann ich mich nicht halten", hatte der Gastronom vor wenigen Tagen dieser Zeitung gesagt und um die Existenz des "Seeblick" gebangt.

Die Einigung wurde am vergangenen Dienstag bei einem Treffen von Schmidt mit Bürgermeister Rainer Wengorsch, Ordnungsamtsleiterin Bianca Scheld und Vertretern der Braugruppe erzielt, die die Gaststätte betreut. Schmidt muss die Breite des Biergartens um knapp vier Meter reduzieren. Dadurch können zwölf Tische für die Gäste stehen bleiben. Umgehend begann Schmidt, den Biergarten zurückzubauen und so die Auflagen zu erfüllen.

Schmidt und der Bürgermeister sprachen von einem Kompromiss, mit dem alle Parteien zufrieden seien. "Wir wollen auf keinen Fall dem Betrieb im Wege stehen", sagte Wengorsch. "Aber es gibt Beschwerden von Anliegern, denen wir nachgehen müssen."

Zwar habe Schmidt das System der Tischmelder, die Gäste des Lokals arg laut alarmiert hatten, wenn ihr Essen fertig war, umgestellt. Diese Geräte seien ein Problem gewesen, unterstrich der Bürgermeister, Anwohner und Besucher des Sees hätten sich beschwert. "Aber es gibt noch mehr Probleme." Die Rücksicht auf die Anwohner müsse im Mittelpunkt stehen, fügte Wengorsch hinzu.

Allerdings besteht noch weiterer Diskussionsbedarf zwischen Gastronom Schmidt und der Stadt. So muss eine Lösung für das an gut besuchten Tagen bisweilen chaotische Abstellen von Fahrrädern am Imbiss gefunden werden. Dies hat in der Vergangenheit immer wieder für Ärger gesorgt. "Hier werden wir uns noch einmal zusammensetzen müssen", sagt Wengorsch. So könnten eventuell weitere Plätze für Fahrräder beim nahen Parkplätze geschaffen werden. Der Betreiber des "Seeblicks" wird außerdem weitere Abstellmöglichkeiten an seinem Kiosk schaffen.

Touristische Weiterentwicklung

Meldungen, dass Anlieger um den "Seeblick" herum Interesse hätten, Teile der Liegewiese vor ihren Grundstücken zu pachten, treffen nicht zu. Eine Verpachtung einzelner Rasenstücke im Naherholungsgebiet des Sees sei ohnehin nur in Sonderfällen als Ergänzung zum gastronomischen Angebot der bereits bestehenden Einrichtungen möglich, sagte der Bürgermeister.

Der "Seeblick" sei "ein Schmuckstück", betonte Wengorsch, "und soll hier erhalten bleiben". Die Stadt Hungen und der Betreiber hätten ein gemeinsames Interesse: die touristische Weiterentwicklung des Seegebiets. Dazu gehöre auch das weitere Engagement rund um die Gastlichkeit am Seeufer. Dass dabei der Naturschutz nicht aus den Augen verloren werden darf, darauf wies kürzlich auch der Vorstandssprecher des NABU Horlofftal, Stephan Kannwischer, hin. "Der Seebereich ist Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen, auf die alle Nutzer Rücksicht zu nehmen haben", erklärte er.

Vor sechs Jahren übrigens half Fernsehkoch Frank Rosin, den damals finanziell angeschlagenen Inheidener "Seeblick" zu retten. In seiner TV-Show verpasste er dem Restaurant eine neue Speisekarte und ein neues Erscheinungsbild. Der jetzige Kompromiss wurde nun aber ohne Brimborium im ruhigen Gespräch erzielt - ganz ohne TV-Kameras und ohne Fernsehkoch.

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