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Eigentlich sollten an der Königsberger Straße in Hungen zusätzliche Gewerbeflächen entstehen. Doch der politische Wille dafür ist offenbar nicht mehr vorhanden.

Keine weiteren Gewerbeflächen

  • vonChristina Jung
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Hungen (ti). Hungen braucht nicht noch mehr Gewerbeflächen. Dieses deutliche Signal sendeten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstagabend in der ersten Sitzung. Noch vor der Konstituierung beantragte Wolfgang Macht (Grüne) die Absetzung eines Tagesordnungspunktes, der die Beauftragung der Hessischen Landgesellschaft (HLG) mit der Bodenbevorratung zwecks Entwicklung des Gewerbegebietes »Königsberger Straße - Herrenacker« in der Kernstadt vorsah.

Einstimmig votierte das Gremium für Machts Vorschlag, die Beschlussvorlage wurde nicht behandelt.

Mehrheit vor einem Jahr noch für die Erweiterung

Geplant war, sechs Flurstücke mit einer Gesamtfläche von knapp 4,9 Hektar für einen Quadratmeterpreis von je 13 Euro zu erwerben, insgesamt also 635 000 Euro zu investieren. Begründung: Nachdem das Gewerbegebiet »Vor der Grasser Höhe« mittlerweile vollständig vermarktet wurde, verfügt Hungen über keine Gewerbeflächen mehr. Die Nachfrage von mittelständischen Betrieben sei jedoch nach wie vor vorhanden, heißt es in der Beschlussvorlage.

Die Antwort darauf sollte die Weiterentwicklung des genannten Gebietes sein, wo sich unter anderem bereits die Firma Fural befindet und die angrenzenden Bereiche schon über die raumplanerischen Grundlagen verfügen. Parallel zum Bodenbevorratungsverfahren hätte eine Bauleitplanung gestartet werden sollen.

Doch dafür fehlt derzeit offenbar der politische Wille. Mit der Ausweisung des Gewerbegebietes »Hungen Süd« in der Größenordnung von 22 Hektar seien für die nächsten zehn bis 15 Jahre ausreichend Flächen zur Ansiedlung von Unternehmen verfügbar, begründete Macht seinen Antrag. »Vor diesem Hintergrund sehen wir keine Notwendigkeit, das bestehende Gewerbegebiet ›Königsberger Straße - Herrenacker‹ um rund fünf Hektar zu erweitern.«

Die Firma Fural, so Macht, plane auf ihrer neu erworbenen Fläche gegenüber dem bestehenden Betriebsgelände lediglich Parkplätze und habe darüber hinaus keine weiteren Expansionspläne. Es bestehe also keinerlei Druck.

Bürgermeister Rainer Wengorsch wies das auf Nachfrage dieser Zeitung zurück. Es habe Anfragen von Fural und anderen Unternehmen gegeben, ersteres habe Interesse daran, die Straße zu erwerben. Das allerdings sei nur im Zusammenhang mit einer Trassenverlegung möglich, um der Schlosserei von Roger Rahn weiterhin eine Zufahrt zu gewähren. Auch dafür benötige es die Erweiterung.

Der Rathauschef zeigte sich überrascht von der Entscheidung der Mandatsträger. Zum einen, weil es sich bei dem Vorhaben um einen »wichtigen Beitrag zur Entwicklung« der Stadt handele. Zum anderen, weil die Stadtverordnetenversammlung vor einem Jahr mit breiter Mehrheit für die Bodenbevorratung in diesem Bereich gestimmt hatte, damals allerdings für ein Gebiet von rund 6,7 Hektar. Nach Rücksprache mit dem Regierungspräsidium hatte sich jedoch ergeben, dass eine derartige Größenordnung ein langwieriges Abweichungsverfahren mit unvorhersehbarem Ausgang mit sich bringen würde. Daher war die Fläche reduziert, ein abgeänderter Beschlussvorschlag formuliert und vorgelegt worden.

Bei der Entscheidung im Mai 2020 hatten nur die Grünen gegen die Bodenbevorratung an der Königsberger Straße gestimmt. Schon damals hatten sie keinen Bedarf gesehen. Inzwischen haben Macht und seine Mitstreiter offenbar auch die anderen Mandatsträger von ihrer Auffassung überzeugt. Macht erklärte dazu: »Wir haben uns in den vergangenen Wochen mit anderen Fraktionen ausgetauscht, die diese Ansicht teilen«.

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