Keine Spur von der Leiche

  • VonConstantin Hoppe
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Hungen (con). »Wo ist die Leiche unseres Sohnes?« Diese Frage stellen sich die Nebenkläger im Verfahren um den sogenannten Mord ohne Leiche bei Hungen. Seit Anfang April müssen sich der Lehrer Olaf C. und der Software-Entwickler Robert S. vor der Fünften Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen erpresserischen Menschenraub und Mord vor. Nach der Tötung von Daniel M. am 17. November 2016 in einer Hofreite bei Hungen will der Angeklagte Robert S. die Leiche zerstückelt, in mehrere Eimer einbetoniert und im Starnberger See in Bayern versenkt haben. Die dortige Suche durch Taucher blieb jedoch erfolglos. In den vergangenen Sitzungen wurden vor Gericht einige neue Fragen zu dem Komplex aufgeworfen: Warum hat Robert S. die Leiche über mehrere Hundert Kilometer transportiert? Warum konnten bis heute noch keine Spuren der Leiche entdeckt werden? Und auch die Frage nach dem zeitlichen Ablauf am Starnberger See gibt Rätsel auf.

Robert S. gab bei einer polizeilichen Befragung an, tagsüber ca. 15 Stunden damit beschäftigt gewesen zu sein, die Leiche im See zu deponieren. Dafür hätte im November 2016 das Tageslicht aber nicht ausgereicht. Grund genug dafür, dass die Eltern von Daniel M. als Nebenkläger am Montagmorgen eine Beweisanregung ans Gericht stellten: »Die Polizei sollte den Versuch unternehmen, die Seen in der direkten Umgebung Hungens und in direkter Nähe zum Tatort abzusuchen, etwa den Inheidener See oder den Sachsensee. Vielleicht lassen sich dort die entsprechenden Eimer finden«, erklärte der Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Alexander Hauer. »Dass die Leichenteile im Starnberger See versenkt wurde, sieht die Nebenklage anhand der Indizien als nicht glaubwürdig an.«

Ob dieser Anregung der Nebenklage nachgegangen wird, will das Gericht im Laufe der kommenden Wochen entscheiden.

Zeuge fehlt erneut

Daneben drehte sich die Verhandlung am Montag vor allem um die zeitlichen Abläufe des Tattages - diese sind bis heute nicht komplett geklärt. Dafür stand ein Apotheker aus Hanau im Zeugenstand: In dessen Apotheke kaufte Daniel M. seine Medikamente, bevor er mit Olaf C. und Robert S. in Richtung Hungen losfuhr.

Für eine weitere Verzögerung des ohnehin nur langsam voranschreitenden Prozesses sorgte unterdessen ein Zeuge: Nachdem dieser bereits beim letzten Verhandlungstag unentschuldigt fehlte, war er nun erneut nicht erschienen. Zum nächsten Prozesstag soll der Mann nun von der Polizei vorgeführt werden. Zudem soll in einer der nächsten Sitzungen die Mutter von Daniel M. eine Aussage machen. Ob sie aus gesundheitlichen Gründen vernommen werden kann, soll nun ein Gutachter beurteilen.

Die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze kündigte zudem die Vorlage weiterer Ermittlungsergebnisse der Polizei an: Diese betreffen unter anderem die Standortdaten von Robert S. während und nach der Tatzeit.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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