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Der im Hinterhof gelegene Saalbau des Darmstädter Hofs in Hungen wird nun doch nicht zur interkulturellen Begegnungsstätte ausgebaut. ARCHIVFOTO: US

Darmstädter Hof

Kein interkulturelles Begegnungszentrum für Hungen

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Im Darmstädter Hof in Hungen wird es doch kein interkulturelles Begegnungszentrum geben. Der Investor hat jetzt andere Pläne.

Eine Begegnungsstätte für Jung und Alt mit einer Multifunktionsbühne: So sollte sie aussehen, die Zukunft des Darmstädter Hofs aussehen. Doch nun hat sich dieses Leuchtturm-Projekt des Stadtumbau-Programms zerschlagen. Die Jockel-Stiftung als Eigentümerin der Immobilie, die das Projekt gemeinsam mit der Stadt Hungen realisieren wollte, verfolgt das Konzept einer interkulturellen Begegnungsstätte nicht weiter. Grund: Der vorgesehene Betreiber, das HinterHofTheater, ist abgesprungen.

Ambitioniertes Projekt

Der Betrieb des Darmstädter Hofs wäre für die freie Theatergruppe, die sich erst 2020 als Verein gegründet hatte, ein ambitioniertes Projekt gewesen. Der hinter dem Vorderhaus gelegene Saalbau sollte nicht nur als Spielstätte für Theater- und Kleinkunstaufführungen genutzt werden, sondern auch für Veranstaltungen und Sitzungen der Stadtverwaltung oder kleinere Firmen-Events. Eine Vernetzung mit der ortsansässigen Gastronomie war angedacht. So jedenfalls erläuterten Vertreter des HinterHofTheaters ihre Vorstellungen im Herbst bei einer Besichtigung der Lenkungsgruppe, die das Stadtumbau-Programm begleitet.

Doch letztendlich erschienen personeller und finanzieller Aufwand den Verantwortlichen wohl zu hoch. »Sie schaffen es nicht«, sagt Investor Gerhard Jockel auf Nachfrage. Es fehle wohl auch am kaufmännischen Knowhow.

Er selbst könne sich den Betrieb eines Kulturzentrums nicht aufhalsen. »Ich bin über 70.« Deshalb schmiedet Jockel nun neue Pläne und visiert den Umbau des Darmstädter Hofs zu einer Seniorenresidenz an.

Wiewohl vom Stadtparlament einstimmig beschlossen, stießen die Pläne für eine interkulturelle Begegnungsstätte nicht überall auf Zustimmung. Vor allem der Verein »Pro Hungen«, der mit einer Liste bei der bevorstehenden Kommunalwahl antritt, hatte das Projekt als zu kostspielig kritisiert. Die Gesamtkosten sollten 3,1 Millionen betragen. Die Kalkulation sah Fördergelder in Höhe von 1,5 Millionen von der EU sowie weitere 450 000 Euro aus dem Stadtumbau-Programm vor. 150 000 Euro davon sollte die Kommune getragen und die Differenz zu den Gesamtkosten der Eigentümer. Die jährlichen Mieteinnahmen wurden mit 15 000 Euro veranschlagt.

Falsches Protokoll

Dass die interkulturelle Begegnungsstätte ein Wunschtraum bleiben wird, war bislang nur intern bekannt. Öffentlich durchgesickert ist die Nachricht durch einen Lapsus der Stadtverwaltung. Der Grünen-Stadtverordnete Frank Bernshausen, dem sie zu Ohren gekommen war, hatte sich vor gut zwei Wochen in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses nach dem aktuellen Sachstand zum Darmstädter Hof erkundigt. Bürgermeister Wengorsch sicherte ihm darauf hin Auskunft für die nächste Sitzung zu. Im Sitzungsprotokoll steht es anders: »Bürgermeister Wengorsch informiert die Ausschussmitglieder, dass das Projekt nicht weiter verfolgt wird.«

Auch auf Anfrage dieser Zeitung nahm Wengorsch zum Darmstädter Hof nicht Stellung. Er teilte lediglich mit, dass das Protokoll der Haupt- und Finanzausschusssitzung falsch sei.

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