Kaum noch Lerchen am Lerchenberg

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Hungen (pm). Zur bundesweit vom Naturschutzbund (NABU) ausgerufenen "Stunde der Gartenvögel" lud kürzlich der NABU Horlofftal nach Rodheim/Horloff ein. Stephan Kannwischer erläuterte die große Bedeutung von Gärten, Parks, Obstgärten und vor allem Streuobstwiesen für die Artenvielfalt. Waren Dörfer früher aufgrund ihres Strukturreichtums mit Gebäuden aus örtlich gewonnenen Naturmaterialien, naturnah belassenen Säumen, Pfaden, Wegen und Bächen sowie der vielgestaltigen Bauern- und Arbeitergärten noch ideale Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten, so habe sich das heutige Bild grundlegend gewandelt: "Naturnähe wich vielerorts einem technischen Ausbau- und Ordnungswahn, lauschige Ecken verschwanden und die Gartennutzung zum Nahrungserwerb und der vielfach praktizierten Geflügelhaltung ist fast gänzlich verschwunden", so Kannwischer. Der Garten als Ort vermeintlich guter Aufenthaltsqualität habe z. B. für viele Vogelarten an Attraktivität und Lebensraumvielfalt verloren.

Feldornithologe Jürgen Becker (Mücke) führte die Besucher entlang von Gartenzeilen und dorfnahen Streuobstwiesen zum Kirchberg. Am Wegesrand konnte man heilwirksame Pflanzen wie den Wiesensalbei, den Dornigen Hauhechel oder auch den Wiesen-Bocksbart entdecken. Der Gartenrotschwanz trällerte sein seltener zu hörendes Lied in den dorfnahen Streuobstwiesen und über die Gewölle des Steinkauzes "stolperte" man nur zufällig.

Auf einer frisch gemähten Wiese labten sich an einem "reichlich gedeckten Tisch" mit Großinsekten und Mäusen neben Grau- und Silberreiher auch Kolkraben, Mäusebussarde sowie einige Rot- und Schwarzmilane. Weiter ging es am Nordrand des schön strukturierten und ökologisch interessanten Kirchberges, wo man neben Zauneidechsen auch Ringeltauben, Elstern und Stare in den alten Bäumen beobachten konnte. Beim Blick zum Lerchenberg hin ließ sich jedoch keine Lerche blicken oder gar hören, die in den lebensfeindlicher gewordenen Feldfluren immer schwierigere Lebensbedingungen vorfindet. Waren früher dort "Chöre" an singenden Feldlerchen zu hören, so dringen heute leider nur noch die Gesänge von "Solisten" des "Jahresvogels 2019" ans menschliche Ohr. Insgesamt 38 Vogelarten präsentierten sich zur Rodheimer "Stunde der Gartenvögel", wovon sich viele im "Sinkflug" und auf den amtlichen "Roten Listen" befinden.

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