Karten werden neu gemischt

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Hungen (us). Auch an der Horloff hat eine Bürgerliste die Kräfteverhältnisse ordentlich durcheinander gewirbelt. Die Liste Pro Hungen, die sich in der Folge der Proteste gegen die Straßenbeiträge gegründet hatte, schaffte aus dem Stand 17,6 Prozent und sieben Mandate. Die größten Verluste müssen die Freien Wähler mit Bürgermeister Rainer Wengorsch als Spitzenkandidat hinnehmen.

Sie stürzen von 36,4 auf 27,16 Prozent ab und verlieren vier Sitze. Wengorsch wird sich künftig nicht mehr auf eine komfortable Mehrheit stützen können, denn auch die CDU, die mit den Freien Wählern kooperierte, muss zwei Sitze abgeben. Ebenfalls im Abwärtstrend befindet sich die SPD, die drei Mandate abgeben muss. Zwei Mandate hinzugewonnen haben hingegen die Grünen.

Für Wengorsch ist das Wahlergebnis »kein Anlass zum Jubeln«. Immerhin seien die Freien Wähler stärkste Fraktion geblieben - und das unter schwierigen Bedingungen, denn die Bürgerliste Pro Hungen habe im Wahlkampf Ängste geschürt. Als größte Fraktion planen die Freien Wähler nun Gespräche mit CDU, SPD und Grünen, »in dieser Priorität«. Man müsse schauen, wo die Schnittstellen am größten sind, sagte Wengorsch. Alles Weitere entscheide die Fraktion. Eine erste Aufgabe der neuen Stadtverordnetenversammlung wird die Verabschiedung des Haushalts für 2021 sein. Wengorsch geht davon aus, dass die Realsteuern ein Thema sein werden. »Da müssen wir nochmal spitz rechnen.«

»Ein Haushalt, der ohne Steuererhöhungen auskommt«: Dieses Ziel setzt Fabian Kraft, der Spitzenkandidat von Pro Hungen, für die kommenden Beratungen. Dass der Bürgerliste nicht nur der Einzug in Stadtverordnetenversammlung und Magistrat gelungen sei, sondern dass sie auch die »Bürgermeister-Mehrheit« gebrochen habe, sei ein riesiger Erfolg. »An uns kann keiner vorbei regieren, wir reden auf Augenhöhe mit.« Enttäuscht über das Wahlergebnis der SPD zeigte sich Christoph Fellner von Feldegg. »Besonders darüber, dass wir den achten Sitz zuletzt noch abgeben mussten.« Die Aufgabe zur Mehrheitsbildung liege nun bei den Freien Wählern. Die SPD werde gegebenenfalls Gespräche mit allen Fraktionen führen.

Auch CDU-Spitzenmann Norbert Marsfelde bedauert die Verluste seiner Fraktion. Gründe dafür sieht er in der Konkurrenz durch die neuen Liste, aber auch in den Negativschlagzeilen auf Bundesebene. »Wir haben einen fairen Wahlkampf geführt«, betont er. Die CDU sei zur Zusammenarbeit mit allen Fraktionen bereit, »aber nicht mit Pro Hungen.«

Grünen-Spitzenkandidatin Andrea Krüger äußerte sich glücklich über die zwei hinzugewonnenen Mandate. Sie sieht dadurch die gute Arbeit ihrer Partei bestätigt. Man sei offen für die Zusammenarbeit mit allen Fraktionen.

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