Die "Traaser Töchter" beim Training vor Wochenfrist. Die Übungsstunden finden ab Mittwoch per Internet statt. FOTO: PAD
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Die "Traaser Töchter" beim Training vor Wochenfrist. Die Übungsstunden finden ab Mittwoch per Internet statt. FOTO: PAD

Covid-19 / Corona

Karneval 2020: Am 11.11. gibt’s nur ein Gläschen Sekt vor der Webcam

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Showtanzgruppen arbeiten normalerweise auf ihre Auftritte im Karneval hin. Doch der fällt 2020 praktisch aus. Bei den "Traaser Töchtern" versucht man, das Beste aus der Lage zu machen.

Die Tänzerinnen der "Traaser Töchter" bewegen sich im Takt der Musik, im Rhythmus recken sich die Arme in die Luft, synchron wird sich gedreht. Alles sieht zunächst aus wie bei einer normalen Probe einer Showtanzgruppe für die Karnevalssaison. Erst beim zweiten Blick fällt auf, dass alle extrem viel Abstand zueinander einhalten, kontaktlos getanzt wird und auch die spektakulären Hebefiguren fehlen. Es ist der 21. Oktober. Eine Woche später ist selbst das Training auf Abstand nicht mehr möglich, die Mehrzweckhalle ist aufgrund der verschärften Pandemielage gesperrt.

Tanzgruppen werden von Einschränkungen hart getroffen

Die "Traaser Töchter" aus dem Hungener Stadtteil sind eine von rund 300 Tanzgruppen im Bezirk VII der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval (IGMK). Bezirksvorsitzender Markus Braun ist in großer Sorge: "Die Gruppen sind von der Krise stark betroffen, da es in der kommenden Kampagne kaum Auftritte geben wird."

Dadurch fehle es an Zielen, auf die hingearbeitet werden kann: "Die Auftritte sind sehr, sehr wichtig für die Motivation und den Gruppenzusammenhalt", sagt Braun. "Wir - die Vereine - müssen sehr aufpassen und zusätzlich motivieren, dass die Aktiven nicht den Spaß am Training verlieren und die Vereine verlassen. Dann wäre es nach der Corona-Krise schwierig, diese Aktiven zurückzugewinnen."

Trais-Horloffer Tänzerinnen üben dennoch Tanz ein

Bei den "Traaser Töchtern" kann man diese Sorge verstehen, sieht die eigene Gruppe aber nicht in Gefahr: "Wir sind eine eingeschweißte Truppe", sagt Rebecca Jänicke, die zusammen mit Madleen Monstein das Training leitet. Die Tanzgruppe ist 2012 aus den Festdamen zum 100-jährigen Bestehen des TV Trais-Horloff entstanden. Damals wollte man den für den Sommer einstudierten Tanz auch im Winter bei den Faschingssitzungen zeigen. Seitdem wurde jedes Jahr ein neuer Showtanz eingeübt, sich immer mittwochs zum Training getroffen.

Für die Vorbereitung der Kampagne 2020/2021 hatte man bereits Ideen gesammelt. Dann kam Corona und der erste Lockdown. "Nach Aschermittwoch war alles vorbei", sagt Jänicke. Doch die "Traaser Töchter" ließen den Kontakt nicht abreißen: Statt im realen Leben wurde sich immer mittwochabends per Internet getroffen, gemeinsam ein Workout veranstaltet.

Training nicht in allen Hallen möglich

Trotzdem war die Erleichterung groß, als im Sommer wieder das Training in der Mehrzweckhalle möglich war - wenn auch unter anderen Bedingungen: Hebefiguren gab es nicht, jede hatte ihren eigenen "Tanzbereich" mit mehreren Metern Abstand zur Nachbarin. Dass Anwesenheitslisten geführt, Hände desinfiziert und die Hallenfenster und -türen offen waren, war eine Selbstverständlichkeit.

Bezirksvorsitzender Braun sagt, dass auch andernorts das Training wieder aufgenommen wurde. Dies hing jedoch stets davon ab, wie groß die Hallen waren und ob die Hygienevorgaben eingehalten werden konnten. Doch bereits im Sommer war klar, dass die Gruppen vor allen Dingen für sich trainieren würden. Denn neben den Karnevalssitzungen entfallen auch die Showtanzturniere: "Es wurden vom Bund Deutscher Karneval alle Turniere für die Saison 2020/2021 einschließlich der Halbfinals und der Deutschen Meisterschaft in Köln im März 2021 abgesagt", sagt Braun. Ein Neustart sei erst für September geplant, dann mit der Saison 2021/2022.

In Trais-Horloff hatte man dies schon geahnt. Den Tanz der vergangenen Kampagne weiter zu üben, sei aber auf Dauer zu langweilig geworden. "Wir haben uns einen ›Gute-Laune-Tanz‹ überlegt. Wir tanzen nur auf Lieder, auf die wir richtig Lust haben", sagt Jänicke. "Ob wir den irgendwann zeigen können, wissen wir nicht."

Dadurch sei es aber auch ein wenig entspannter als sonst: Bühnenbild bauen, Kostüme nähen - all das entfällt. "Und wenn ein Training ausfällt, haben wir nicht diesen Druck." Trotzdem werde man die Karnevalssaison schmerzlich vermissen, sagt die Trainerin. "Sonst sind wir sechs bis acht Wochen jedes Wochenende zusammen." Ob ein Alternativprogramm - etwa kleine Treffen - im Frühjahr wieder möglich sein werden, wird die Zeit zeigen.

Sektchen bei Skype

Beim Fototermin am 21. Oktober ahnten die Tänzerinnen schon, dass es wohl das letzte gemeinsame Training sein dürfte. Am 27. Oktober wurde die Mehrzweckhalle offiziell gesperrt, ab nächsten Mittwoch gibt es wieder ein gemeinsames Workout via Skype. Jänicke sagt: "Am 11.11. trinken wir dann gemeinsam ein Sektchen vor der Webcam."

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