Der Biergarten mit Blick auf den See ist sowohl bei Einheimischen als auch Besuchern von außerhalb beliebt. An normalen Wochenenden bleibt kein Platz frei. Die Stadt Hungen will dennoch die Fläche um fast ein Drittel verkleinern. Frank Rosin steht den Betreibern zur Seite.
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Der Biergarten mit Blick auf den See ist sowohl bei Einheimischen als auch Besuchern von außerhalb beliebt. An normalen Wochenenden bleibt kein Platz frei. Die Stadt Hungen will dennoch die Fläche um fast ein Drittel verkleinern. Frank Rosin steht den Betreibern zur Seite.

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  • vonConstantin Hoppe
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2014 half Frank Rosin, den Inheidener "Seeblick" zu retten. Nun bedroht eine Anordnung der Stadt Hungen die Existenz des Betriebs. Der TV-Koch steht den Betreibern erneut zur Seite.

Hungen - Markus Schmidt sitzt am Ufer des Inheidener Sees im kleinen Biergarten seines Imbiss "Seeblick". Es ist ein beschaulich anmutender Vormittag, der See ruht still, kein Wölkchen trübt die Postkartenidylle. Und doch, sagt Schmidt, ziehen hier sprichwörtlich dunkle Wolken auf. Nach seiner Gefühlslage sind sie gar pechschwarz.

Natürlich hat das Coronavirus mit all seinen einhergehenden Beschränkungen auch den "Seeblick" reglementiert. Aber das ist es nicht. Ja, die Tische sind luftig gestellt, nur 15 hat Schmidt aufgestellt, den geforderten Mindestabstand von 1,50 Meter hält er locker ein. An diesem Vormittag genießen nur wenige Besucher ein kühles Getränk. "Die Saison hat ja gerade erst begonnen", sagt Schmidt.

Frank Rosin und "Seeblick" Inheiden: Stadt ordnet Verkleinerung des Biergartens an

Was ihn viel mehr beunruhigt, ist eine Nachricht von der Stadt Hungen, die am vergangenen Dienstag bei ihm eingegangen ist. Schmidt holt einen Zettel hervor, ein Bescheid des Ordnungsamtes. "Ich soll den Biergarten verkleinern", zitiert er sinngemäß. "Dann wäre hier nur noch Platz für sechs Tische. Aber mit so wenigen Plätzen kann ich mich nicht halten - so kann ich nicht genug verdienen."

Fast sechs Jahre ist es her, dass Schmidts "Seeblick" schon einmal größere Beachtung fand. Auch damals sah es nicht rosig aus für Schmidt. Obwohl die beiden Gemengelagen nun wahrlich nicht zu vergleichen sind. Schmidt schrieb damals rote Zahlen, die Schulden häuften sich. Doch dann kam das Fernsehen, genauer gesagt Frank Rosin. In seiner TV-Show verpasste er dem Seeblick eine neue Speisekarte und ein neues Image. "Seitdem haben wir stetig daran gearbeitet, uns weiter zu entwickeln - insgesamt lief es in den vergangenen Jahren immer nur positiv", sagt Schmidt. "Und jetzt das."

Frank Rosin und "Seeblick" Inheiden: Fast ein Drittel weniger Platz

Nach den Vorstellungen des Ordnungsamtes soll die maximale Fläche des Biergartens von derzeit 180 Quadratmetern auf 130 Quadratmeter reduziert werden. Mit den benötigten Abständen zum Seeufer und zum Gehweg bliebe so nicht mehr viel Spielraum.

In normalen Zeiten stellt Schmidt 22 Tische auf, momentan sind es die besagten 15 Tische. Mit der geforderten Platzreduzierung wären es mit all den Beschränkungen nur noch sechs. Wer weiß, wie lange die Abstandsregeln noch gelten, sagt Schmidt. Die Zukunft seines Seeblicks jedenfalls wäre damit besiegelt.

"Fast überall wird Gastwirten gestattet, ihre Biergärten zu vergrößern, um ihnen so ihr Auskommen in der aktuellen Krise zu gewährleisten - aber ich soll mich verkleinern? Es hängen immerhin auch Arbeitsplätze hier dran."

Frank Rosin und "Seeblick" Inheiden: Arbeitsplätze in Gefahr

Vier Saisonkräfte hat er fest angestellt, dazu sechs Aushilfen. Die sind auch in dieser Zeit bei ihm beschäftigt. Denn trotz des noch geltenden Badeverbots im See, kommen immer etliche Besucher, um in Ruhe eine Runde zu spazieren, oder sich auf der Wiese zu sonnen. Und für das Kulinarische ist dann Schmidt zuständig. Zumindest bislang.

Es stehen mehrere Gründe im Raum, warum die Biergartenfläche verkleinert werden soll. Nachbarn haben Interesse angemeldet, die Fläche vor ihren Grundstücken zu pachten und so selbst nutzen zu können - hier gilt das Gleichheitsrecht. Da sich die Biergartenfläche teilweise auch vor den Nachbargrundstücken erstreckt, müsste sie verkleinert werden.

Zudem gab es immer mal wieder Ärger, weil Gäste ihre Fahrräder an den Nachbargrundstücken abgestellt hatten. Und schließlich steht auch der Vorwurf der Lärmbelästigung im Raum. Gegen letzteres hat Schmidt aber in der aktuellen Saison bereits Maßnahmen ergriffen: "Vergangenes Jahr hatten wir Tischmelder im Einsatz, die mit akustischer Signale angezeigt haben, dass das Essen der entsprechenden Personen fertig ist", erzählt Schmidt. "Das war sehr laut und hat sowohl die Nachbarn, als auch die Gäste und uns gestört. Deshalb sind wir jetzt auf andere Melder umgestiegen, die nur brummen und Lichtsignale geben." Was soll er noch tun, fragt er fast schon rhetorisch.

Ganz aussichtslos aber ist die Lage nicht: Für Mittwoch hat Schmidt einen Gesprächstermin bei Bürgermeister Rainer Wengorsch. Zur Seite wird ihm dabei auch Frank Rosin stehen. Schmidt sagt, er habe Hoffnung, dass beim "Seeblick" und dem kleinen Biergarten noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde.

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