Schwierige Zeiten für junge Leute: Das Hungener Jugendzentrum läuft auf Sparflamme und der Bolzplatz ist abgeschlossen. FOTO: US
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Schwierige Zeiten für junge Leute: Das Hungener Jugendzentrum läuft auf Sparflamme und der Bolzplatz ist abgeschlossen. FOTO: US

Jugendarbeit in der Zwickmühle

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Hungen(us). Es gibt Tätigkeitsfelder, die sind von der Corona-Pandemie besonders gebeutelt. Sabine Nickel kann ein Lied davon singen. "Corona ist für die Jugendarbeit äußerst schwierig", sagte die Gemeindepädagogin, die im Sozialausschuss eigentlich Bericht über die vergangenen zwei Jahre, also 2018 und 2019, erstatten sollte. Der mehrseitige Report, den Nickel und ihr Kollege Florian Röhrich über die Arbeit im Hungener Jugendzentrum und die Jugendräume in den Stadtteilen erstellt hatten, lag allen Ausschussmitgliedern auch vor. Doch er ist längst Makulatur.

Alle Jugendräume in den Stadtteilen sind seit dem Frühjahr geschlossen, der Betrieb im JuZ ist nach dem Sommer zwar wieder aufgenommen worden, läuft aber auf Sparflamme. Die Gemeindepädagogin sprach von einer "Öffnung unter schwierigsten Bedingungen": maximal fünf Gäste nach Voranmeldung, Mund-Nasen-Schutz, Desinfektion, Angabe von Kontaktdaten. "Da fällt die Klappe doch heftig", bemerkte Nickel.

Die Voranmeldung werde überhaupt nicht genutzt. "Manchmal drücken sich ein paar rum und schauen, wer sonst noch da ist." Ganz schließen, wie es Erster Stadtrat Helmut Schmidt vorschlug, wollen die Pädagogen das JuZ aber nicht. Man habe die Öffnungszeiten schon auf zwei Tage pro Woche reduziert. Britta Eichelmann (Grüne) regte ein verändertes Konzept an, "so eher in Richtung Streetwork".

Daran haben Nickel und Röhrich auch schon gedacht, vor allem mit Blick auf die Jugendlichen in den Stadtteilen. Dort sind die selbstverwalteten Jugendräume bislang komplett geschlossen. "Da läuft jetzt gar nichts", folgerte die Gemeindepädagogin. Zwar gebe es eine Richtlinie des Landes für die Wiederaufnahme des Betriebs, doch die hält sie nicht zuletzt wegen der komplexen Haftungsfrage für wenig praktikabel.

Mittlerweile hätten sich die Gruppen, die die Räume zuletzt nutzten, aufgelöst. "Florian Röhrich und ich überlegen, wie wir den Kontakt halten können", erläuterte Nickel. Es gebe Überlegungen für eine Art mobile Jugendarbeit, "dass wir mit Pavillon und Grill über die Dörfer ziehen". Man plane andere Dinge, etwa eine Ferienwoche für den Herbst. "Aber eigentlich ist es nicht das, war wir wollen".

Immerhin: Die Ferienspiele im Sommer konnten mit geändertem Konzept in abgespeckter Form stattfinden. Gestrichen wurde dagegen der Austausch mit französischen Jugendlichen aus St. Bonnet.

Niederschmetternd findet die Gemeindepädagogin auch die Situation rund um das JuZ. Der Multifunktionsplatz, der nach dem Lockdown zwischenzeitlich wieder geöffnet war, musste erneut geschlossen werden, weil die Hygieneregeln nicht eingehalten wurden. Jetzt ist er mit einer dicken Kette verschlossen. Nickel: "Es ist so bitter, dass die Jugendlichen in Hungen nicht einmal Fußball spielen können."

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