Das Jubiläum des TSV Bellersheim wird auf dem Sportplatz unter Einhaltung aller Abstandsregeln gefeiert. FOTOS: PAD
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Das Jubiläum des TSV Bellersheim wird auf dem Sportplatz unter Einhaltung aller Abstandsregeln gefeiert. FOTOS: PAD

Juniläum

"Jeder Dritte Bellersheimer gehört dazu"

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Der TSV Bellersheim feiert sein 90-jähriges Bestehen mit einem ausgeklügelten Konzept und erntet Lob dafür. Sorgen werden benannt, Kritik wird geäußert.

Kann man in Zeiten von Covid-19 überhaupt ein Vereinsjubiläum feiern? Man kann, wie der TSV Bellersheim am Samstag bewies. Unter freiem Himmel wurde auf dem Sportplatz die Gründung des Vereins vor 90 Jahren gewürdigt. Auch das Wetter spielte bei diesem Fest mit.

Die Stühle waren mit dem nötigen Abstand gestellt und in den Vereinsfarben blau und gelb geschmückt. Am Eingang erhielt jeder Besucher eine Maske in den Vereinsfarben, die Wege über das Gelände waren exakt ausgeschildert und Tröpfchenschutz an allen möglicherweise kritischen Stellen zu finden.

Zwischen den einzelnen Grußworten und Redner desinfizierte Moderator Rainer Angermüller stets das Mikrofon. "Es war diskutiert worden, ob wir es feiern", erklärte er in seinem Grußwort. Rundherum seien viele Feste abgesagt worden. Letztlich sei die Entscheidung pro Fest gefallen: "Wir wollten ein Zeichen in dieser Zeit setzen, dass solche Veranstaltungen durchgeführt werden können."

Sorgen der Vereine thematisiert

Lob gab es dafür von Landrätin Anita Schneider: "Ich finde die Entscheidung gut, dass sie das 90-jährige Jubiläum feiern." Corona fordere von allen viel Kraft. Es habe jedoch auch deutlich gemacht, wie stark digitale Technik, aber auch funktionierende Vereine für das gesellschaftliche Leben sind. "Jeder Dritte in Bellersheim gehört zum TSV dazu", stellte sie fest.

Auch Bürgermeister Rainer Wengorsch ging auf die schwierige Lage der Vereine ein: "Ein Sportverein, der nicht trainieren kann und spielen darf - das Jahr 2020 ist eine besondere Belastung." Umso schöner sei es, dass der Vereinsgeburtstag dennoch gefeiert werde. Der TSV gehöre nicht nur zu Bellersheim, sondern stehe auch für "große Erfolge, große Spiele, große Persönlichkeiten". Er sei "ein wichtiges Element der Lebensqualität".

Henry Mohr vom Kreisfußballverband hob ebenfalls die Bedeutung der Vereine hervor: "Ein Ort ohne Vereine - das ist ein Wohnsilo." Der TSV stehe für eine funktionierende Spielgemeinschaft mit Obbornhofen. Mit Blick auf das Fest gab es auch von Mohr ein Lob: Anfang des Jahres hätten 24 Vereine im Kreis Jubiläen angekündigt. "Ihr seid der zweite Verein, der etwas macht." Er kritisierte beim Corona-Management im Sport, dass bei der "Task Force Fußball" kein Vertreter des Amateurfußballs mit im Boot sitze. "Die Wurzeln werden da vergessen."

An die legendären Faschingsveranstaltungen des TSV - "die am nächsten Tag für Kopfschmerzen sorgen" - erinnerte Ortsvorsteher Jörg Weil. Er übergab zig Briefe mit Gratulationen anderer Ortsvereine. "Ich bin mir sicher, dass der TSV weiterhin im Dorf und über die Dorfgrenzen hinaus die nächsten 90 Jahre begeistern kann." Aus den Nachbardörfern gratulierten mehrere Sportvereine. Hartmut Jung von der Germania Birklar hatte einen Fußball als Gastgeschenk mitgebracht: "Ihr könnt ihn auch gegen Birklar einsetzen, müsst aber nicht damit ins Tor treffen", scherzte er. Das kürzeste Grußwort überbrachte Pfarrer Johannes Fritzsche im Namen seiner Gattin: "Meine Frau lässt ausrichten: Das, was sie zum 75. Jubiläum beim Festgottesdienst gesagt hat, gilt immer noch." Für den musikalischen Rahmen sorgten der Musikzug Bellersheim/Münzenberg sowie Finn-Malte Zidek. In einem Quiz zur Vereinsgeschichte trat Thomas Jung gegen Ortsvorsteher Jörg Weil an.

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