ik_Hungen_190821_4c_1
+
Kunden schätzen es, unmittelbar vor einem Geschäft, der Apotheke, einer Arztpraxis oder einer Gaststätte zu parken. Momentaufnahme aus Hungen.

In Sorge um die Kundschaft

  • VonRedaktion
    schließen

Hungen (pm/ik). Ausdrücklich begrüßt der Hungener Gewerbeverein eine attraktivere Gestaltung der Kaiserstraße und der Gießener Straße in der Kernstadt. Allerdings nimmt er die Verantwortlichen in die Pflicht, die Interessen der Gewerbetreibenden zu berücksichtigen: »Eine Haupt- und Geschäftsstraße bleibt auch nach der Umgestaltung eine Haupt- und Geschäftsstraße«, heißt es in der von 1.

Vorsitzendem Carsten Butteron unterzeichneten Pressemitteilung des Gewerbevereins.

Die geplante Veränderung soll einhergehen mit dem Wegfall der Hälfte aller vorhandenen Parkplätze (die GAZ berichtete). In der Ladestraße sollen zahlreiche Parkmöglichkeiten entstehen, aber diese sind nach Ansicht des Gewerbevereins »zu weit weg vom Schuss und daher kein adäquater Ersatz für kurze Wege«. Außerdem werde die Kapazität bei weitem nicht reichen. Durch den Wegfall der Parkplätze in unmittelbarer Nähe der dort angesiedelten Geschäfte, Dienstleister, Ärzte und Apotheken entfalle für diese ein großer und wichtiger Standortvorteil, so Butteron.

Gerade die im betroffenen Bereich etablierten Arztpraxen seien auf kurze Wege für ihre Patienten angewiesen und benötigten dafür ausreichend Parkplätze in unmittelbarer Nähe. »Da helfen auch die reservierten Behindertenparkplätze in der Raiffeisenstraße nicht viel. Nicht jeder, der schlecht laufen kann, hat auch einen entsprechenden Berechtigungsausweis«, so der Gewerbeverein. Man gebe zu bedenken, dass bei der Neugestaltung der Parkplätze unbedingt eine Anordnung vermieden werden solle, wie sie vor der Sparkasse und am Marktplatz herrsche: Das Ein- und Ausparken dort sei nicht nur für ältere Autofahrer eine anspruchsvolle Aufgabe. Desweiteren solle gewährleistet sein, dass Parken links und rechts der Straße möglich sei, um gefährliche und umständliche Wendemanöver und Straßenüberquerungen zu vermeiden.

Um nicht nur die Interessen der Gewerbetreibenden in den Vordergrund zu stellen, ruft der Gewerbeverein gemeinsam mit den betroffenen Betrieben zur Teilnahme an einer Bürgerumfrage auf. In den kommenden Wochen werden in den Hungener Praxen, Apotheken und Geschäften Unterschriftenlisten ausgelegt, um die Meinung der Bevölkerung einzuholen.

Bei der ebenfalls diskutierten Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h oder weniger wären Konflikte zwischen Radlern und Kraftfahrzeugen vorprogrammiert, befürchtet der Gewerbeverein. Durch die Geschwindigkeitsreduzierung würden zudem Kunden nicht mehr durch die Stadt fahren. Geschäfte in der Gießener Straße und in der Kaiserstraße würden regelrecht abgehängt. Der Gewerbeverein schlägt daher vor, tagsüber die seitherige übliche Innerortsgeschwindigkeit bei 50 km/h zu belassen und von 22 bis 6 Uhr auf 30 km/h zu drosseln. Gleichzeitig sollten Lkw über 3,5 Tonnen - mit Ausnahme des Anlieger- und Lieferverkehrs - durch Verbotsschilder aus diesem Gebiet verbannt werden.

Der Gewerbeverein fordert zudem die Zusicherung der Verantwortlichen, dass während der Bauphase die Erreichbarkeit sämtlicher Geschäfte gewährleistet wird und die Maßnahmen zügig durchgeführt werden. Eine Situation, wie sie seinerzeit bei der Sanierung der Untertorstraße durch immer wieder entstandene Verzögerungen eingetreten sei und für mehrere Betriebe das wirtschaftliche Aus bedeutete, sei in keiner Weise hinnehmbar.

Durch die Pandemie hätten die meisten Betriebe bereits erhebliche wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müssen, von denen sich viele noch nicht erholt haben. Sie seienjetzt umso mehr auf stabiles Umfeld dringend angewiesen. Daher fordert der Gewerbeverein die Verantwortlichen Planer und Entscheider auf, Rücksicht auf die Interessen der Gewerbetreibenden und deren Kunden zu nehmen. Betroffene Betriebe sollten in die Planungen mit einbezogen werden. Butteron abschließend: »Diese wurden seither über die Möglichkeiten der Teilnahme an den seitherigen Ortsbesichtigungen und Besprechungen nur oberflächlich bis gar nicht informiert.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare