Online offline kaufen - das geht. Daniel Gal, Geschäftsführer der GAL Digital GmbH, will mit Accioca den Beweis antreten. FOTO: US
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Online offline kaufen - das geht. Daniel Gal, Geschäftsführer der GAL Digital GmbH, will mit Accioca den Beweis antreten. FOTO: US

Online-Shopping

Hungener Firma will mit neuer Plattform heimische Geschäfte unterstützen

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Daniel Gal will mit einer neuen Plattform namens Accioca dazu beitragen, Kunden zurück in die Läden vor Ort zu bringen. Für einen erfolgreichen Start braucht er viele Händler, die mitmachen.

Bei Harry Potter funktioniert es. Kaum ruft er "accio", kommt sein Rennbesen ganz von alleine angesaust. Daniel Gal ist kein Zauberer. Aber den Zauberspruch hat sich der Gründer der Gal Digtial GmbH in Obbornhofen für sein neuestes Projekt abgeguckt. Mit Accioca will er Online-Shopping und regionalen Einzelhandel zusammenbringen. Momentan wirbt Gal in ganz Mittelhessen für seine Idee, die er in den griffigen Slogan "online offline kaufen" gegossen hat. Mindestens 600 aktive Händler braucht er, um mit Accioca starten zu können. "Etwa hundert haben sich in den letzten vier Wochen registriert", erzählt er.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Accioca ist kein weiterer digitaler Marktplatz. "Was wir erfunden haben, ist ein neuer Kommunikationsweg", erzählt der 32-Jährige. "Es ist wie telefonieren. Nur dass man nicht jemanden anruft, sondern etwas." Das klingt ungewöhnlich und soll folgendermaßen funktionieren. Eine Kundin, die zum Beispiel neue Schuhe sucht, tippt auf ihrem Handy in der Accioca-App oder auf der Webseite das Stichwort "rote Highheels" ein und schon klingelt in Echtzeit bei allen registrierten Schuhhändlern in der Umgebung das Telefon. Wer zuerst dran geht, hat die Interessentin am Ohr. "Dann tun die Verkäufer, was sie immer tun. Sie stehen im Laden und bedienen", beschreibt Gal das Procedere. Nur dass sie den Kunden in diesem Fall nicht Auge in Auge gegenüberstehen, sondern von Display zu Display. Kommt das Geschäft zustande, kann je nach Absprache die Ware im Laden abgeholt, vom Händler vorbeigebracht oder auch verschickt werden.

Man könnte denken, dass Accioca ein Kind der Corona-Krise sei. Aber das stimmt nicht. Gal erzählt, dass die Idee schon ein paar Jahre alt ist. Jetzt könnte die Zeit dafür reif sein, glaubt er. "Die Leute denken über Nachhaltigkeit und Regionalität nach." Und Online-Shopping sei eben nicht nachhaltig. "Das Bild unserer Städte wird sich komplett verändern, wenn es keine Läden mehr gibt", sagt der Geschäftsführer. Das wisse auch jeder. Warum machen es die Leute trotzdem? "Online-Shopping ist halt bequem."

Bequem soll Accioca ebenfalls sein, daneben aber noch nachhaltig und regional. "Ich behaupte, dass man im Umkreis von 30 Kilometern alles findet, was es bei Amazon gibt", sagt Gal.

Dennoch ist er sich bewusst, dass er längst nicht alle Online-Käufer zurück in die Geschäfte holen kann. "Wer erst tagelang im Netz nach dem Produkt mit der besten Bewertung sucht und dann nach dem günstigsten Preis, der wird Accioca nicht nutzen." Aber es gebe andere Zielgruppen: Kunden, die umweltbewusst und regional orientiert sind, die persönlich beraten werden wollen, die mit Technik nicht viel am Hut haben und ihre Kreditkartennummer dem Internet nicht anvertrauen wollen, könnten von dieser neuen Form des Einkaufens profitieren. Ebenso Menschen, die momentan wegen der Pandemie lieber zu Hause bleiben. Oder Leute, die es eilig haben. "Ein vergessenes Geburtstagsgeschenk zum Beispiel kann ich über Accioca rasch suchen und noch am selben Nachmittag im Laden vor Ort abholen. So schnell geht es mit Amazon nicht."

Gal, der sein Unternehmen bereits als 18-Jähriger gegründet hat und es nun gemeinsam mit seinem Kollegen Kristian Kraft führt, ist von Accioca überzeugt. Ein Selbstläufer sei die Idee aber längst nicht. "Wir können die Plattform bauen und vermarkten. Aber wir brauchen Leute, die uns pushen und die Dienstleister und Einzelhändler davon überzeugen, sich zu registrieren." Einige namhafte Mitstreiter konnte der Unternehmer bereits ins Boot holen, zum Beispiel Jens Ihle vom Regionalmanagement Mittelhessen. "Durch Accioca wird die Region zum Vollsortimenter", wirbt er auf der Website www.accioca.com.

Der Aufbau des neuen Netzwerks ist in drei Phasen geplant. Zunächst soll Accioca in Mittelhessen, der Wetterau und Schwalmstadt an den Start gehen, in der zweiten Phase in einzelnen Bundesländern und schließlich deutschlandweit. Theoretisch könnte das System auch weltweit funktionieren, sagt Gal. Doch wo immer Accioca auch läuft, das Grundprinzip ändert sich nicht. "Die Anfragen bleiben immer regional."

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