Hungen soll keine "Schlafstadt" werden

  • schließen

Hungen(pm). Mit einem Aufruf an die Stadtregierung reagiert der Hungener Gewerbeverein auf die angekündigte Erhöhung der Gewerbesteuer von 400 auf 460 Prozent. Bürgermeister Rainer Wengorsch hatte diese Erhöhung Mitte Dezember bei der Einbringung des Haushaltsplanes 2020 erläutert. Die angekündigte Erhöhung sei "zu viel, um weiterhin für Hungener Betriebe attraktiv zu bleiben", meint der Hungener Gewerbeverein. Um den Weihnachtsfrieden nicht zu gefährden, lege der Verein erst nach den Feiertagen sein Veto ein und bitte die Verantwortlichen, die Erhöhung "höchstens moderat, aber keinesfalls in der geplanten Höhe vorzunehmen".

"Wir katapultieren Hungen damit ins Abseits", schreibt der Gewerbeverein-Vorstand. Neben der Verkehrsanbindung und den Pacht- oder Grundstückpreisen sei der Gewerbesteuersatz für einen Gewerbetreibenden das ausschlaggebende Kriterium bei seiner Standortentscheidung. Mit dem erwarteten Brexit werde der Ballungsraum Frankfurt aus den Nähten platzen und das Gießener Land eine Einwohnersteigerung erfahren.

Firmen-Abwanderung vorbeugen

"Wir wollen aber aus Hungen doch keine Schlafstadt machen, sondern Gewerbe anziehen", erläutert Gewerbevereinsvorsitzender Carsten Butteron. Bei Umsetzung der geplanten Maßnahme würden hier Wettbewerbsvorteile verspielt, auf lange Sicht Neuansiedlungen verhindert und bestehende Betriebe zum Standortwechsel animiert. Schon mit dem seitherigen Gewerbesteuerhebesatz nehme Hungen einen Spitzenplatz innerhalb des Landkreises Gießen ein, von einem landesweiten Vergleich ganz zu schweigen. Mit der geplanten Erhöhung wäre Hungen "Tabellenführer". Der Gewerbeverein betont, dass er keinen "öffentlichen Schlagabtausch" möchte, dazu pflege man ein viel zu gutes und partnerschaftliches Verhältnis zur Verwaltung. Trotzdem müsse die nun initiierte Gegenwehr bekannt gemacht werden, da der Verein schließlich die Interessen seiner Mitglieder vertrete.

In der Herbstzusammenkunft mit Bürgermeister Wengorsch erläuterte der Gewerbevereinsvorstand seine Vorstellungen von einem "Hungen, best place to work": Hungen habe vieles, was die Zentren nicht bieten können. Dies müsse herausgestellt werden. Die Betriebe seien gut beraten, sich mit geeigneten Maßnahmen gegen den - noch weiter ausufernden Fachkräftemangel - zu wappnen. Dazu brauche es aber attraktive Arbeitgeber. Doch wenn diese aus Hungen abwanderten oder gar nicht erst ansiedeln, werde es "zappenduster".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare