Der Inheidener ist und war ein Idyll – und Schauplatz eines Konflikts, der die Beteiligten nun vor Gericht führte.
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Der Inheidener ist und war ein Idyll – und Schauplatz eines Konflikts, der die Beteiligten nun vor Gericht führte.

„Nicht gedacht, dass es so eskaliert“

Wilde Auseinandersetzung: Treffen an See im Kreis Gießen endet mit Kieferbruch

  • VonConstantin Hoppe
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Ein junger Mann aus Hungen (Kreis Gießen) trifft am 30. April 2020 an einem beliebten Badesee einen alten Schulfreund. Doch dieser ist nicht allein. Es kommt zur Eskalation.

Hungen – Geschlagen, getreten und bespuckt: Was ein 22-jähriger Hungener am 30. April des vergangenen Jahres durchmachen musste, ist erschreckend - und die Täter waren ehemalige Schulkameraden oder gar Freunde von ihm. Deshalb müssen sich seit Montag fünf junge Männer im Alter von 20 bis 33 Jahren aus Butzbach und Braunfels vor einem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Friedberg verantworten.

Kreis Gießen: Drogengeschäfte am Inheidener See bei Hungen?

Am 30. April des vergangenen Jahres wollte sich das spätere Opfer nachmittags mit seinem ehemaligen Schulfreund, einem 21-jährigen Butzbacher, am Inheidener See treffen. Dafür machte der Hungener extra früher Feierabend. Was er jedoch nicht wusste: Sein Freund hatte im Auftrag von K. das Treffen ausgemacht und erwartete ihn mit sechs weiteren Männern am Seeufer. Denn der Hungener schuldete K. noch 200 Euro. »Aus Geschäften«, wie am Montagmorgen alle Angeklagten angaben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Schulden aus dem Verkauf von Marihuana stammten.

Gegen K. wird gesondert verhandelt. Zusätzlich versicherte er sich der Hilfe der fünf Angeklagten. Hinzukam ein weiterer, bislang noch unbekannter Helfer. Nahezu alle kannten den Geschädigten aus ihrer gemeinsamen Schulzeit. Zusammen wollte man den Hungener dazu zwingen, das Geld an K. herauszurücken.

Kreis Gießen: Nach Treffen am Inheidener See bei Hungen zusammengeschlagen

Dass dieser auch bereit dazu war, Gewalt anzuwenden, war allen Beteiligten bewusst. »Aber dass es so eskalieren würde, hätte ich nicht gedacht«, erklärte der mit dem Geschädigten gut befreundete Butzbacher vor Gericht.

Bei dem Treffen in Inheiden kamen schließlich die anderen Beteiligten hinzu. Gemeinsam zwang man den Hungener, in ein Auto zu steigen und fuhr mit ihm in ein nahes Waldstück. Dort forderte K. sein Geld. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, drohte er dabei, seinen Pit Bull auf den jungen Mann zu hetzen. Doch der Geschädigte hatte nicht genug Geld bei sich - es folgten Schläge. Als der 22-Jährige zu Boden ging, traten K. und ein weiterer Mittäter weiter auf den jungen Mann ein.

Danach wurde dem Verletzten eine halbe Stunde Zeit eingeräumt, um das Geld aufzutreiben. Statt 200 Euro sollten es nun aber 800 sein. Doch dieser Forderung folgte der 22-Jährige nicht und wandte sich stattdessen an die Polizei. Durch den Angriff erlitt der junge Mann einen Kieferbruch, zwei Zähne mussten während seines mehrwöchigen Krankenhausaufenthalts entfernt werden. Der Kiefer wird seitdem von Metallplatten zusammengehalten. Zudem leidet er bis heute an Schmerzen und den psychischen Folgen des Angriffs.

Kreis Gießen: Prozess um Eskalation an Badesee wird fortgesetzt

Während des ersten Prozesstages wurde geklärt, inwieweit die fünf Männer auf der Anklagebank an den Vorgängen beteiligt waren. Während die Hauptinitiative vom gesondert angeklagten K. ausging, teilten zumindest zwei weitere Beteiligte Schläge gegen das Opfer aus. Der Butzbacher, der seinen Schulfreund zum See gelockt hatte, hat nach eigenen Angaben nicht mit dieser Eskalation gerechnet, schritt aber auch nicht ein: »Ich war feige. Das muss ich mir eingestehen.« Er entschuldigte sich kurz nach der Tat beim Opfer.

Die geringste Beteiligung an der Tat hatte ein 33-Jähriger, der eines der beiden Autos an den Inheidener See fuhr. An der folgenden Ereignissen war er nicht beteiligt. Als einzigem Angeklagten droht ihm die Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht. Der Prozess wird fortgesetzt. (con)

Die Tat erinnert an einen Vorfall aus dem Juni 2021, als es am Inheidener See zu einer heftigen Schlägerei kam. Die Polizei war mit einem „Riesenaufgebot“ vor Ort, es soll bei der Auseinandersetzung um Frauengeschichten gegangen sein.

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