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Winfried Möll, Manfred Möll, Mario Binsch, Rainer Wengorsch, Anita Schneider und Udo Träger an der neuen Zapfsäule (v. l.). Foto: kjg

MSC Horlofftal hat nun eigene Tankstelle

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Hungen(kjg). Es ist wohl die erste Ladestation für Elektroautos, die ein Verein aufstellt. Beim Motorsportclub Horlofftal (MSC) ist man auch an dieser neuen Fahrzeugtechnik interessiert. So standen technische Fragen im Zentrum des Rahmenprogramms zur Einweihung der Ladesäule. Die 22-kVA-E-Tankstelle auf dem Vereinsgelände in der Rewestraße 5 ging nun ans Netz.

Aus der Sicht der Feuerwehren beleuchteten Kreisbrandinspektor Mario Binsch und der Hungener Stadtbrandinspektor Udo Träger die neue Fahrzeugtechnik. Als 1835 die erste Dampflok sich zischend durch die Landschaft bewegte, habe man vielerorts geglaubt, sie fahre zu schnell und das sei gefährlich. So sei das auch bei den E-Autos, die sicherer seien als Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Zwar seien die Fahrzeuge bei Unfällen mit einer gewissen Vorsicht zu behandeln, aber das habe man im Griff und laufe wie 2012 im Leitfaden der Feuerwehr festgehalten. Beim Brand eines E-Autos werde ein sogenannter Löschnagel in die Batterie geschlagen. Dieser sei mit einem Schlauchanschluss versehen, über den das Löschwasser eingeleitet werde.

Auch E-Auto-Besitzer waren bei der Einweihung der Säule dabei. Carmen Luckert fährt einen Renault Zoe. Sie hat das Auto gebraucht in Rostock gekauft und auf der 600 Kilometer langen Strecke dreimal getankt. Es habe keine Probleme gegeben, sagte sie. Aber man habe lange gebraucht, weil es auch eine gewisse Unsicherheit gegeben habe, ob der Strom so lange hält, wie angegeben. Sie denkt nun über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach und eine E-Ladestation nach. Mit dem Fahrzeug sei sie sehr zufrieden, sagte Luckert.

0,85 Prozent E-Autos im Kreis

André Reichold hat sich selbst ein E-Fahrzeug geschaffen: Bei seinem Diesel-Bulli von VW hat er den Antrieb inklusive Getriebe ausgebaut und einen Eletroantrieb von Tesla eingebaut. Das habe mit Akku etwa 16 000 Euro gekostet. Die Wochenenden von vier Monaten seien dabei draufgegangen, aber es habe sich gelohnt. Der Elektroingenieur und Mechatroniker hat jetzt ein volltaugliches E-Auto mit TÜV und E-Kennzeichen. Vom Schaltgetriebe musste er sich allerdings verabschieden. Zudem gebe es nun keine Anhängerkupplung mehr.

Landrätin Anita Schneider ging auf die Klimasituation ein. E-Auto, öffentlicher Personennahverkehr, die Horlofftalbahn und andere Maßnahmen seien gut für das Klima. Die Weichen seien gestellt, um den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren. Bisher gebe es im Landkreis gerade mal 0,85 Prozent E-Autos. Der Hungener Bürgermeister Rainer Wengorsch sagte, es werde mit unterschiedlichen Antrieben experimentiert. Man dürfe über die E-Mobilität die alternativen Kraftstoffe wie Wasserstoff und Biokraftstoffe nicht aus dem Blick verlieren. Er gratuliere dem sehr engagierten und ambitionierten Verein zur E-Tankstelle.

Auf die kritische Frage des Vereinsmitgliedes Christel Gontrum, "Was passiert, wenn plötzlich ganz Hungen E-Auto fährt?", antwortete Winfried Möll, das sei schon ein Knackpunkt. Man gehe davon aus, dass so wie die Entwicklung bei der Nutzung der E-Autos voranschreite, auch die Infrastruktur entsprechend nachkomme. Umsteigen gehe nicht von heute auf morgen, so Möll. Der MSC wolle die Umstellung unterstützen und überlege, einen Stammtisch/Erfahrungsaustausch für die Fahrer von E-Autos zu installieren.

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