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Das Wehr an der Horloff in Hungen stellt für Fische ein Hindernis dar.

Die Horloff muss ruhiger werden

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Hungen (con). Wie ist der Zustand der Horloff? Das wurde in den letzten Tagen und Wochen im Rahmen einer Gewässerbegehung der Unteren Wasserbehörde, der Oberen Naturschutzbehörde, der Ortsbeiräte und Kommunen sowie des Gewässerverbands und des Naturschutzbundes (NABU) ermittelt. Rund zwölf Kilometer fließt die Horloff auf ihrem Weg zur Nidda durch Laubacher Gemarkung und etwa ebenso weit durch Hungen. Vier Tage waren Mitarbeiter der Behörden und Organisationen entlang des Horloff-Ufers unterwegs, um den Zustand des Gewässers zu begutachten. Begonnen wurde in Laubach, dann ging es weiter in Richtung Hungen. Immer im Blick: Die Ufer und die Bebauung in direkter Nähe zum Gewässer - nicht überprüft wurde die Wasserqualität.

Biber sind zurückgekehrt

Gibt es illegale Bebauungen, welche die Fischwanderung stoppen können? Muss das Bachbett ausgebaggert werden oder gibt es illegale Müllentsorgungen in einem Bereich? All das wird dokumentiert. Auch andere, bauliche Hindernisse werden vermerkt. Zu letzteren zählt auch das Wehr an der Beethovenstraße in Hungen: Dieses fiel bereits bei der letzten Begehung der Horloff vor einigen Jahren negativ auf, da es ein beinahe unüberwindbares Hindernis für viele Fische darstellt. "Hier könnte man beispielsweise eine Umgehungsrinne anlegen, über die Fische dann das Wehr passieren können", erklärte Lamha Bender vom Fachdienst Wasser- und Bodenschutz des Landkreises.

Nach der Begehung wird das Gespräch mit der jeweiligen Kommune gesucht und Lösungsvorschläge für die gefundenen Probleme werden gemacht. Ziel des Projekts ist ein naturnaher Gewässerzustand, wie er sich aus den wassergesetzlichen Regelungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ergibt.

Die bisherigen Funde und Ergebnisse zur Horloff sehen im Übrigen sehr gut aus: Es gibt viele Fischarten, darunter Bachforellen und das Bachneunauge. Selbst Biber haben sich mittlerweile wieder angesiedelt - deren Reviere an der Horloff werden indes nicht bekannt gegeben. Am Montag jedenfalls wurden entsprechende Spuren entlang des Bachlaufs entdeckt. Insbesondere der Biber ist auch bei einem weiteren Ziel der Wasserrahmenrichtlinie wichtig: Denn die Gewässer sollten einen möglichst natürlichen Verlauf haben und sich selbst verändern können - hierbei hilft "Baumeister" Biber.

Im Bereich von der Kreisgrenze bis Gonterskirchen ist die Horloff in einem sehr guten und natürlichen Zustand - ab Gonterskirchen wird das Bachbett jedoch immer tiefer eingeschnitten; die hohe Fließgeschwindigkeit ist nicht optimal für Bachorganismen. Auch illegale Ablagerungen am Bachufer - insbesondere nahe der Kleingärten - wurden immer wieder entdeckt. Hier sollten die Kommunen tätig werden. "Es bringt nichts, wenn man den Landwirten sagt, dass sie mindestens vier Meter von den Gewässern entfernt bleiben sollen, wenn die Kleingärtner ihre Ablagerungen direkt am Uferrand entsorgen", berichtet Bender weiter.

Auch der Vogelschutz wird besonders beachtet: Die Horloff gehört zum Auenverbund Wetterau und ist damit Teil eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete in Hessen. "Deshalb wollen wir versuchen, auch den Oberlauf der Horloff mit in das Gebiet des Auenverbunds aufzunehmen", berichtete Umweltdezernentin Dr. Christiane Schmahl anlässlich der Gewässerbegehung.

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