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Dem alten Saalbau hinter dem Darmstädter Hof wollte das HinterHofTheater neues kulturelles Leben einhauchen. Doch das Projekt ist gestorben.

Darmstädter Hof

HinterHofTheater: »Wir waren bereit und sind es noch«

  • vonChristina Jung
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Im alten Saalbau des Darmstädter Hofes in Hungen wird es keine Kulturstätte geben. Doch nicht das HinterHofTheater r hat sein Interesse an dem Projekt zurückgezogen, sondern der Investor.

Es sollte ein Leuchtturmprojekt des Hungener Stadtumbauprogramms werden. Eine Begegnungsstätte für Jung und Alt. Ein Ort der Kultur für alle - heimische Vereine, regionale Künstler, Schulen und Kindergärten etwa. Ein Ort mit vielfältigen Programm aus Musik, Theater, Tanz, Lesungen, Ausstellungen und vielem mehr. Das HinterHofTheater wollte diese kulturelle Begegnungsstätte im ehemaligen Saalbau des Darmstädter Hofes betreiben. An historischer Stätte sozusagen.

Doch das ist Geschichte (die Gießener Allgemeine berichtete). Allerdings nicht, weil sich die Akteure des HinterHofTheaters wegen des zu hohen personellen und finanziellen Aufwandes aus dem Projekt zurückgezogen haben, wie es Investor Gerhard Jockel dieser Zeitung sagte.

Kritik an Stadt und Theater

»Ich hätte das wirklich gerne gemacht, aber ich kann es nicht alleine«, sagt Jockel auf erneute GAZ-Anfrage. Er habe weder einen Mietvertrag gesehen, noch ein Konzept des Betreibers. Die Ausschreibungen für Architekten- und Handwerkerleistungen seien an ihm hängen geblieben, Anträge auf Fördermittel seitens der Stadt nicht richtig gestellt worden. Jockel: »Zum Schluss haben sich alle zurückgezogen und ich stand alleine auf der Bühne.«

Sowohl die Stadt als auch die freie Theatergruppe weisen diese Vorwürfe entschieden zurück. »Wir wollten das machen, wir waren bereit und sind es noch«, sagt Florian Röhrich, einer der Vorstandssprecher des HinterHofTheaters. Seit Beginn der ersten Gedankenspiele um die Reaktivierung des Darmstädter Hofes sei man in das Thema eingebunden gewesen, wurde offiziell von der Stadt als möglicher Betreiber angefragt und im Verlauf durch diese sehr transparent und zeitnah informiert und in Prozesse eingebunden, so Röhrich

Betreiberkonzept steht

Eine Machbarkeitsprüfung wurde durchgeführt, viele Handlungsschritte in Gang gesetzt. »Dabei ist ein Betreiberkonzept entstanden, welches nicht nur einen verlustfreien Betrieb des Darmstädter Hofes als Ziel hatte, sondern auch den positiven Nutzen für Hungen im allgemeinen«, so Röhrich. Ebenso seien Werbekonzepte vorbereitet, ein Verein gegründet und ein erster Businessplan vorgelegt worden. Diesen mit dem Projektierer und der Stadt zu besprechen habe für Januar/Februar 2021 auf dem Plan gestanden, ebenso wie Gespräche über mögliche Verträge. Doch Gerhard Jockel sei zum Jahreswechsel ausgestiegen, was Vorstand und Mitglieder sehr bedauern. »Wir sind sehr gut vorbereitet für eine so große Aufgabe. Die Enttäuschung ist groß, dass das Projekt gestorben ist«, so Röhrich.

Fördergeld fließt doch nicht

Bedauert wird das Aus des Vorhabens auch bei der Stadt. »Es ist schade, dass jetzt zwei Millionen Euro Förderung nicht nach Hungen fließen«, findet Bürgermeister Rainer Wengorsch, der sich die Reaktivierung der Kulturstätte in der Gießener Straße gewünscht hätte. Dass die Kommune den Investor bei seinem Vorhaben nicht unterstützt, geschweige denn sich zurückgezogen habe, weist der Bürgermeister vehement zurück. Jockels Aussagen nennt er »Schutzbehauptungen«.

Förderanträge seien geprüft, mit dem zuständigen Ministerium besprochen und korrekt gestellt worden. Der Entwurf eines Mietvertrages habe vorgelegen und wäre im weiteren Planungsverlauf konkretisiert worden. Selbst für die Ausschreibungen habe man Jockel städtische Unterstützung zu gesagt. Vornehmen müsse er diese als Investor aber selbst, so Wengorsch. »Wir haben alles getan, es hätte rechtzeitig losgehen können.«

Theater sucht alternative Räume

Das wird es nun nicht mehr. Zumindest nicht, was die kulturelle Begegnungsstätte angeht. Statt einer solchen strebt Jockel den Umbau der Immobilie am Stadtrand zu einer Seniorenresidenz an. Das HinterHofTheater muss sich nach einer anderen Örtlichkeit umsehen. Denn: »Die Motivation, eine Heimat für die Kultur zu schaffen, ist ungebrochen«, sagt Röhrich. Er und seine Mitstreiter machen sich nun gezielt auf die Suche nach Räumlichkeiten, um ihre Idee doch noch umzusetzen. Um Kreativität und alternative Lösungsansätze sei der Vorstand des HinterHofTheaters schon in der Vergangenheit nicht verlegen gewesen. Röhrich ist davon überzeugt: »Wir werden auch hier einen Weg finden.«

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