Die Einschulung 1947 in Villingen - mit Lehrerin Ellen Kammer. ARCHIVFOTO: PM
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Die Einschulung 1947 in Villingen - mit Lehrerin Ellen Kammer. ARCHIVFOTO: PM

Ihr Himbeersaft war berühmt

  • vonred Redaktion
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Hungen(pm). Der heimatkundliche Arbeitskreis in Hungen-Villingen gedenkt in einer Sonderausgabe der Reihe "Villingener Hefte" der früheren Lehrerin Ellen Kammer geborene Seesemann anlässlich ihres 125. Geburtstags am 22. Dezember 2020.

Kammer erfreute ihre Schulkinder auf ihren legendären Schulausflügen mit selbst produziertem Himbeersaft. Ein solcher führte auch nach Trais bei Münzenberg. Dort rasteten sie im Hof von Verwandten der Familie Kammer. Am Rand des Hofes pumpte man Trinkwasser mit der Hand aus einem Brunnen, mit dem der von der Lehrerin mitgebrachte Himbeersirup angemischt wurde.

Ellen Seesemann stammte aus Lettland. Dort, in der ehemaligen russischen Provinz Kurland, wurde den seit Jahrhunderten im Land lebenden Deutschbalten das Leben schwer gemacht. Ellens Mutter, Tochter des Diakonie-Pioniers Gustav Schlosser, hatte als Frankfurter Kind im Jahr 1892 den deutschbaltischen Pastor Leo Seesemann geheiratet.

In Darmstadt absolvierte Seesemann ihre Ausbildung zur Volksschullehrerin. Ihre erste Stelle führte sie nach Homberg/Ohm. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Paul Kammer, gebürtig aus Bettenhausen, kennen. Sie heirateten im November 1924.

Über sieben Jahre leitete das Ehepaar die evangelische Jugendburg Hohensolms im Dienst des "Christdeutschen Bundes". Da Paul Kammer nicht länger als acht Jahre aus dem staatlichen Schuldienst beurlaubt werden konnte, erhielt er im Frühjahr 1932 eine Lehrerstelle in Villingen. Dort unterrichtete er das sechste bis achte Schuljahr.

Von 1932 bis 1946 war Ellen als Hausfrau und Mutter voll ausgelastet. Ab Einberufung des Ortspfarrers zur Wehrmacht im Jahr 1940 leitete sie den Kindergottesdienst. Paul Kammer starb als Offizier in Russland im Januar 1944. Das Ehepaar hatte sich seit 1934 aktiv in der Bekennenden Kirche betätigt.

Ellen Kammer galt nach 1945 als politisch nicht belastet und konnte deshalb ab Februar 1946 ihren Beruf als Lehrerin wieder ausüben. 1958 ließ sie sich mit 62 Jahren pensionieren. Dadurch hatte sie Zeit, sich um sechs Enkel zu kümmern. Im Frühjahr 1965 zog sie in das neu gebaute Haus ihres ältesten Sohnes nach Laubach. Dort lebte sie fast 30 Jahre bis zu ihrem Tod am 28. Dezember 1994.

Letzte Jahre in Laubach

Auch in der Laubacher Zeit war sie aktiv. Im Seniorenheim des Stifts arbeitete sie jahrzehntelang ehrenamtlich mit, ebenfalls in der evangelischen Kirchengemeinde. Welche Spuren ihr pädagogisches Wirken von drei Jahren an der Volksschule von Homberg/Ohm und zwölf Jahren in Villingen hinterlassen hat, steht im Mittelpunkt der neuen Schrift.

Das Heft im Format DIN A 5 mit 52 Seiten kann für 2,50 Euro plus Porto bei Otto Rühl bestellt werden (0 64 02/23 78 oder E-Mail ao.ruehl@t- online.de). Es ist auch in der Filiale der Sparkasse Laubach-Hungen in Villingen erhältlich.

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