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Einige Hausärzte aus dem Kreis Gießen fühlen sich bei den Corona-Impfungen übergangen. In einem Appell wenden sie sich mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit. Foto: Monika Skolimowska/ZB/dpa

Kampf gegen Pandemie

Kreis Gießen: Hausärzte schlagen Alarm - Bei Corona-Impfungen ignoriert

  • vonStefan Schaal
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Sie seien ein „zentrales Bollwerk“ im Kampf gegen die Corona-Pandemie, erklären zehn Hausärzte aus Laubach, Grünberg und Lich - doch bei den Corona-Impfungen würden sie übergangen.

Lich/Grünberg/Hungen (pm) - Hausärzte aus dem Kreisgebiet fordern, ihre Praxen bei den Corona-Schutzimpfungen zu berücksichtigen.

Seit Ausbruch der Pandemie seien mehr als 85 Prozent der Corona-Patienten von Hausärzten behandelt worden. Sie seien das »zentrale Bollwerk« zur Bewältigung der Krise, heißt es in einem Appell, den zehn Hausärzte aus Laubach, Grünberg und Lich unterzeichnet haben. Sie und ihre Mitarbeiter seien täglich »einer extremen Infektionsgefahr« ausgesetzt. Dennoch, so kritisieren sie, seien für die Hausärzte und ihr Personal noch keine Schutzimpfungen vorgesehen. Der epidemiologisch wichtige Einsatz der Hausärzte werde von der Politik in keiner Weise gewürdigt.

Kreis Gießen: Hausärzte schlagen Corona-Impfung in Praxis vor

Sie schlagen außerdem vor, die Corona-Schutzimpfungen im Kreis in Hausarztpraxen vorzunehmen. Bei den jährlichen Grippeimpfungen seien die Praxen in der Lage, eine große Zahl von Patienten zu impfen. »Keiner ist so gut über seine Patienten informiert wie der Hausarzt

Die Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna könnten sehr wohl transportiert werden. Die Verabreichung in Hausarztpraxen vor Ort wäre vor allem für Senioren einfacher und unproblematischer als in einem Impfzentrum, argumentieren sie. »Wenn es der Politik an der schnellen und nachhaltigen Bewältigung der Pandemie gelegen ist, müssen aus unserer Sicht die Hausärzte in die Impfstrategie unverzüglich einbezogen werden.«

Kreis Gießen: Hausärztliche Medizin wichtige Säule bei Bekämpfung der Pandemie

Die Unterzeichner des Appells sehen durch den Umgang der Politik mit der Pandemie den »Fortbestand der hausärztlichen Medizin in Frage gestellt«. Für Krankenhäuser werde zwar zurecht Geld für Intensivbetten zur Verfügung gestellt. Hilfsmittel im ambulanten Sektor würden derzeit aber auf Eis gelegt. »Ambulant tätige Ärzte und ihre Angestellten steuern auf eine ungewisse finanzielle Zukunft zu.«

Die hausärztliche Medizin sei eine »wichtige Säule« bei der Bekämpfung der Pandemie. »Die Politik muss handeln«, erklären die Ärzte in dem Appell, den Martin Goldammer und Stephanie Glasbrenner aus Hungen, Armin Neumann aus Lich, Hartmut Sann aus Grünberg und die in Laubach praktizierenden Hausärzte Maruf Gahznawi, Uwe Bilderbeek, Daniel Wacarda, Esther Schöne-Unzeitig, Alexander Koch und Günter Stephan unterschrieben haben.

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