Große Fische "der Verwertung zugeführt"

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
    schließen

Hungen(pad). Im Sommer 2018 waren in der Horloffaue bei Utphe mehrere große Fische verendet, als die Flachwassertümpel austrockneten. Dass sich dies 2020 nicht wiederholte, hat einen Grund: Die Tiere wurden abgefischt. Bereits vor einigen Tagen berichtete die Gießener Allgemeine unter dem Titel "Leben und sterben lassen" über den Tod Hunderter kleiner Fische. Sie waren beim Austrocknen der Flachwasserareale in kleinen Wasserlöchern zurückgeblieben.

Das Regierungspräsidium Gießen erklärte seinerzeit, dass die Flachwassertümpel "Amphibienlaichgewässer für das Frühjahr darstellen und bewusst fischfrei sein" sollen. Der Schutz von Fischen, die in diese Gewässer geraten, sei daher nicht vorgesehen. Es erfolge aber auch keine Kontrolle, ob sich größere Fische bei Hochwasser oder auf anderem Wege in die Flachwassertümpel verirrt haben. "Die Vorgänge, die dort passieren, sollen möglichst natürlich ablaufen, ohne dass der Mensch dauernd eingreift."

Zudem sei die Frage der Zuständigkeit geklärt worden: "Für die Betreuung und das Management des dortigen Flora-Fauna-Habitat-Gebietes und auch des Vogelschutzgebietes nördlich des Viehtriebweges zwischen Utphe und Unter-Widdersheim ist die Abteilung für den ländlichen Raum beim Landrat des Lahn Dill-Kreises zuständig."

Auf den Bericht hin meldete sich eine Leserin. Sie hatte beobachtet, wie am 7. Juli die Flachwassertümpel abgefischt wurden. Zwei Männer hätten Netze gespannt: "Die beiden Männer, welche die großen Fische einfingen - 30 bis 50 Zentimeter - hatten für ihren Wasserbehälter innerhalb 15 Minuten bestimmt 20 Fische mit den Reusen rausgeholt", schrieb sie. Auf Nachfrage hätten die Männer erklärt, dass sie die Fische später in der Horloff freilassen würden. Dass sich in diesem Jahr um die Tiere gekümmert wurde, wurde von ihr positiv gesehen.

Auftrag vom Amt

Beim RP war von dieser Aktion zunächst nichts bekannt. "Nach Recherchen stellte sich heraus, dass eine Firma im Auftrag des Forstamtes Nidda am 7. Juli mit Keschern Fische herausgeholt hat", teilte das RP mit. Hintergrund der Aktion sei gewesen, dass "die Fische nicht ersticken, da es wie in den vorangehenden Jahren wieder sehr trocken ist".

Die Leserin aus Utphe hatte zudem vorgeschlagen, dass man die Einwanderung größerer Fische in die Amphibientümpel eindämmen könne, indem man Gitter an den Zuflüssen von der Horloff anbringt. Das RP erklärte dazu, dass dies nicht geplant und aufgrund der Größe der Horloffaue auch nicht umsetzbar sei.

Zum Verbleib der am 7. Juli aus den Flachwassertümpeln entnommenen Tiere teilte das RP mit: "Die Fische werden zunächst in einen Zwischenteich gesetzt und anschließend der Verwertung zugeführt. Sie wurden nicht in die Horloff eingesetzt."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare