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Mit einem Traktor wird die historische Landmaschine gezogen. Früher waren auch Pferde und Ochsen als Zugtiere im Einsatz.

Getreideernte wie in Omas Kindheit

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Hungen (pad). Fast schon zärtlich greifen die Arme des Binders in das Getreidefeld, packen sich einen neuen Block Halme. Kurz über der Erde werden sie abgeschnitten, fallen auf ein Förderband. Dieses läuft zur linken Seite der Maschine. Hier werden die Halme gesammelt, mit einer Kordel verschnürt und fallen dann als fertige Garbe auf das Weizenfeld. Der Einsatz der bald 80 Jahre alten Gerätschaft auf dem Weizenfeld vor den Toren Bellersheims war ein echter Hingucker.

Das Getreide wird für den nächsten Termin im Dorfjubiläumsjahr gebraucht: Am Sonntag, 1. September, soll in Bellersheim die historische Dreschmaschine laufen. Doch ohne Garben keine Dreschvorführung. Dass man diese mit einer ebenso historischen Maschine ernten konnte, ist ein Glücksfall. Denn um ein Haar wäre der Binder vor einigen Jahren auf dem Wagen des Schrotthändlers gelandet.

Vom Traktor gezogen zieht der Binder vor den zahlreichen Zuschauern und Helfern langsam seine Bahnen. Noch vor 80 Jahren war sie der Traum vieler Landwirte. Nicht immer zogen Traktoren den Binder. Oft waren Ochsen und Kühe vorgespannt. "Ich hatte zwei Kühe und einen Gaul, das ging dann schneller", erinnert sich Artur Müller. Kurt Müller hat die Ernte mit der Maschine auch noch mitgemacht. Nicht jeder Landwirt besaß ein eigenes Exemplar: "Manche hatten auch zu dritt oder zu viert einen Binder."

Kampf um jeden Halm

Bei der Ernte wurde um jeden Halm gekämpft. Daher gingen die Frauen vor den Pferden und Kühen her, um das Getreide dort mit der Sichel per Hand zu schneiden, damit es nicht unter die Hufe kommt und verloren geht. Das Getreide war damals noch wesentlich höher: Weizen etwa hatte 1,20 Meter lange Halme.

Damals wie heute beim historischen Ernten werden die Garben zunächst zum Trocknen in Hausten zusammengestellt. Die älteren Bellersheimer kennen noch die spezielle Technik, die es dafür braucht, sie so zu stapeln, dass ihnen auch ein Regenschauer nichts anhaben kann. Früher mussten die Garben auch deshalb trocknen, damit das mitgeerntete Unkraut verging. Heute ist das kein Thema mehr.

Mehrere Male fuhr der Binder das Getreidefeld hinauf und hinter. Dann war genügend Weizen für das historische Dreschen geerntet. Während die Frauen und Männer die Garben auf einen Leiterwagen verluden, erntete der Mähdrescher das restliche Feld ab: Wofür es eben noch fünf bis sechs Leute und jede Menge Zeit brauchte, erledigte nun ein Landwirt allein.

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Am 1. September soll bei "Bellersheim: Historisch" das Getreide im Burghof gedroschen werden. Los geht es ab 10 Uhr. Außerdem sind Führungen durch den alten Ortskern und ein Orgelkonzert in der Kirche geplant. Auf dem Rathausplatz feiert die Markgenossenschaft ihr 600-Jähriges. Zudem stellt die Feuerwehr Bellersheim historische Fahrzeuge aus.

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