Lager bei Berstadt

Gericht verhängt Baustopp für Rewe

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Hungen/Wölfersheim(hed). Der BUND Hessen hat einen vorläufigen Baustopp für das Rewe-Logistikzentrum an der A 45 in Wölfersheim erwirkt. Das Verwaltungsgericht Gießen sieht unter anderem den Schutz des Feldhamsters nicht ausreichend gewürdigt.

Der Rewe-Konzern darf in Berstadt keine vollendeten Tatsachen schaffen. Solange nicht über die Klage des BUND vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof entschieden ist, ruhen die Bauarbeiten für das Logistikzentrum. Vor Kurzem waren die ersten Bagger angerollt, um das Gelände zu begradigen und vorzubereiten. Damit ist jedoch vorerst Schluss: Das Verwaltungsgericht Gießen hat den Baustopp verfügt, da bei einem Weiterbau nicht rückgängig zu machende Konsequenzen für den Artenschutz drohten.

In der Nähe der A 45-Auffahrt bei Berstadt will Rewe ein Zentrallager bauen. Die Logistikstandorte Hungen und Rosbach mit 550 Arbeitsplätzen sollen dort zusammengeführt werden. Kritik an dem Projekt regt sich vor allem, weil es sich bei der ehemaligen Ackerfläche um Böden mit teils sehr guter Qualität handelt.

Der Wetteraukreis hatte die Baugenehmigung auf Grundlage des von der Gemeinde Wölfersheim Anfang Juli beschlossenen Bebauungsplans erteilt. Gegen diesen klagt der BUND Hessen beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof.

Gerügt wird in dem sogenannten Normenkontrollantrag in erster Linie die "mangelnde Umweltverträglichkeitsprüfung" bezüglich Natur- und Artenschutz. Insbesondere das Vorkommen des Feldhamsters auf dem Areal an der A 45 und die Nähe zum etwa 350 Meter entfernten Vogelschutzgebiet sei nicht ausreichend in die Abwägungen zum Bebauungsplan eingeflossen.

Die Vorwürfe des BUND seien "nicht von vornherein völlig von der Hand zu weisen", urteilte nun das Verwaltungsgericht. Die einmalige Aufstellung einer Wildkamera im Jahr 2018 etwa reiche nicht aus, um die Gefährdung des Feldhamsters zuverlässig einschätzen zu können.

Auch die Bewertung der ökologischen Auswirkungen des Vorhabens mit Blick auf die Nähe zum Vogelschutzgebiet erscheine zweifelhaft - vor allem angesichts der Größe des Vorhabens (25,5 Hektar) und des damit einhergehenden Verkehrs (täglich etwa 2000 Ein- und Ausfahren von Pkw sowie 1500 von Lkw).

Rewe und der Wetteraukreis als Baugenehmigungsbehörde können dagegen binnen zwei Wochen Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel einlegen.

Der BUND äußerte sich hocherfreut über diese Entscheidung. Landesvorstandsmitglied Dr. Werner Neumann erklärte, "wir haben erreicht, dass immense Schäden durch die Bauarbeiten von Rewe verhindert werden". Nun könnten die Fragen des Natur-, Boden- und Gewässerschutzes "mit der gebotenen Tiefe und Gründlichkeit" behandelt werden.

Vom Rewe-Konzern war zunächst keine Stellungsnahme mehr zu bekommen.

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