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Kristina Hänel bei ihrem Vortrag im Kirchgarten.

Genuss als eine Form der Achtsamkeit

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Hungen (pm). »Was nährt mich?« Auf diese Frage bekamen rund 40 Frauen im Kirchgarten Antworten von fünf Rednerinnen. Die Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung und Bildung in den evangelischen Dekanaten im Gießener Land, die Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau und das Stadtmarketing Hungen hatten zum zweiten Frauenmahl eingeladen.

Wie wichtig Essen und Trinken im Hause des Reformators waren, erfuhren die an langen Tafeln unter der großen Eiche sitzenden Frauen von dessen Frau Katharina von Bora. Doris Wirkner, Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung und Bildung, trat zeitgenössisch kostümiert als »Lutherin« auf. Sie berichtete nicht nur von ihren Aufgaben im großen Haushalt in Wittenberg und den Essensgewohnheiten dort, sondern auch von ihrer Abneigung gegen Hering - eine Folge ihrer Flucht aus dem Kloster, die ihr in jungen Jahren in einem leeren Heringsfass gelungen war.

Ausgerechnet dieser Hering lag als erster von fünf Gängen auf den Tellern der Gäste. Mitarbeiterinnen des Restaurants »Sterntaler«, wo das Menü zubereitet worden war, servierten das Essen. Die weiteren Gänge: Graupensuppe, Schweinebraten oder Linsenbratlinge, Sauerkirschmus und Käse.

Herausforderungen der Nahrungsmittelproduktion, mit denen ein landwirtschaftlicher Betrieb konfrontiert ist, schilderte Annegret Schadeck in ihrem Beitrag mit dem Titel: »Vom Acker auf den Tisch? Von der Selbstversorgung zur Direktvermarktung«. Ihre Familie bewirtschaftet nicht nur einen 95 Hektar großen Betrieb, sondern betreibt auch noch einen Hofladen, in dem eigene und regionale Produkte verkauft werden. Von ihr erfuhren die Frauen unter anderem, wie flexibel die bäuerliche Landwirtschaft auf Entwicklungen bei Preisen und Gesetzgebung reagieren muss.

Wer saisonal und regional, darüber hinaus Bioqualität und möglichst wenig Fleisch konsumiert, der, so die Ökotrophologin Dr. Ursula Chávez Zander, kann satt werden und dabei das Klima schützen. An vielen Beispielen stellte die Ernährungsexpertin dar, wie der steigende Fleischkonsum in weiten Teilen der Welt die Natur bedroht und zur Erderwärmung beiträgt. Um diesen Trend zu stoppen, müssten die Industrieländer ihren Fleischkonsum halbieren.

Im Kerzenlicht

Ihr Garten, der Pferdehof, die Klezmer-Musik und ihr Marathonlauf sind kurz gefasst die Dinge, aus denen Dr. Kristina Hänel die Energie für ihre Arbeit und ihr Engagement zieht. Und das gilt ungewollt schwangeren Frauen ebenso wie von sexuellem Missbrauch traumatisierten Kindern.

Auch nach ihrer Pensionierung Anfang des Jahres engagiert sich Pfarrerin Barbara Alt, ehemalige Dekanin des Dekanats Hungen, weiter für die Tafelarbeit. Vor 15 Jahren ergriff sie die Initiative zur Gründung der Hungener Tafel und leitete sie bis zur Übernahme durch die Diakonie im Jahr 2020. Sie zeichnete ein Bild von dem Überfluss und der Überproduktion im Lebensmittelbereich.

Ursula Wendt ist Pfarrerin und Qigong-Lehrerin. Sie lud die im von Kerzenlicht erleuchteten Pfarrgarten versammelten Frauen dazu ein, Qigong in einer Übung auszuprobieren. Für die Musik beim Mahl sorgte Marlena Zeidler und erfreute am E-Piano mit selbst komponierten Liedern und eingängigen Melodien.

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