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Als in Bellersheim Ende Mai 2018 die Fluten kamen, war die Wehr überaus gefordert. (Archiv-Foto: pad)

"Frühe und mutige Bürgerinitiative"

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Hungen/Gießen (pad). Es war ein Abend, der von Dankesworten geprägt war. "Großes persönliches Engagement und Pflichtbewusstsein haben Euch ausgezeichnet", schickte Michael Klier, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, seinem Bericht voraus. "Ich möchte allen für ihr Engagement danken." Im Bürgerhaus Villingen trafen sich die Vertreter der Feuerwehren des Landkreises Gießen am Freitagabend zur Verbandsversammlung.

Klier gab einen Überblick. 2019 richtet der Kreisfeuerwehrverband wieder den Wettbewerb "Feuerwehr der Zukunft" in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Gießen aus. Fünf Feuerwehren sind mit von der Partie. Auf Kreisebene hat der Verband unter anderem ein Wärmebildkamera-Training und die Ausbildung zum Feuerwehrführerschein angeboten. Das Presseteam richtet einen Fotowettbewerb auf Facebook aus.

Verbandstag n Nonnenroth

Landrätin Anita Schneider, Schirmherrin des Verbandstags am 25. August in Nonnenroth, dankte den Feuerwehrleuten. Insbesondere dankte sie den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Frank Müller, Heike Kraft, Udo Kühn und Jens Richmann. "Vielen Dank, dass Sie ihre Freizeit - und davon haben Sie als aktive Feuerwehrleute ohnehin nicht viel - hier eingebracht haben." Positiv sieht sie die steigenden Mitgliederzahlen bei den Minifeuerwehren. 14 der knapp 100 Feuerwehren im Kreis waren bereits Feuerwehr des Monats.

Hungens Bürgermeister Rainer Wengorsch erklärte: "Man ist stolz darauf, dass sich die Ehrenamtlichen mit Tatkraft der Feuerwehr widmen." Er sieht ein großes Vertrauen der Bürger in die Freiwilligen Feuerwehren und schloss mit den lobenden Worten: "Sie gehören zur frühesten und mutigsten Bürgerinitiative, die es je gab."

Timo Bienko überbrachte die Grüße des Regierungspräsidiums. "Wir sind für alle da, wir fragen nicht A oder X, wir helfen", beschrieb er das Motto der Feuerwehr.

Kreisbrandinspektor Mario Binsch gab einen Überblick über die Ereignisse im Landkreis. Vor allem die Wetterextreme prägten das Jahr. Im Mai sorgten Unwetter über Bellersheim, Gießen und Wettenberg für ein Einsatz-Hoch: 810 mal war die Feuerwehr im Wonnemonat alarmiert worden. Während es im Januar und April Hochwassereinsätze an der Lahn und der Wieseck gab, musste man im August vor allem wegen der Trockenheit zu Waldbränden ausrücken.

44 Prozent der 4091 Einsätze (was insgesamt fast 7000 Alarmierungen bedeutet) ereigneten sich nachts, was bedeutet, dass vor allem tagsüber Feuerwehrleute gebraucht werden. "Da sind die Wirtschaft und viele Menschen unterwegs, da passieren auch viele Unfälle", ordnete Binsch dies ein. "Tagsüber - dann wenn unsere Einsatzkräfte selbst arbeiten gehen - haben wir den überwiegenden Teil der Einsätze."

Die Zahl der Hilfeleistungen etwa nach Unfällen oder Unwettern überwog mit 2513 deutlich gegenüber den Bränden (1091), erklärte Binsch. Im Schnitt gab es elf Alarmierungen pro Tag, der Rettungsdienst rückte 114 mal pro Tag aus. Unter anderem erinnerte er an den Orkan Friederike im Januar, das Zugunglück von Buseck im Mai und das Unwetter in Gießen mit 457 Einsätzen. Unter anderem gab es einen Wassereinbruch in vier Krankenhäusern. "In einer Klinik stand 2,50 Meter das Wasser im Gebäude."

Von 2013 zu 2018 wuchs die Zahl der Kinder in den Feuerwehren von 600 auf 800. Der Mädchenanteil stieg dabei um 32 Prozent an. "Da muss man sich jetzt Gedanken machen, dass man ein Gerätehaus kinderfreundlich macht." Bei den Jugendfeuerwehren gab es seit 2012 einen Rückgang der Mitglieder von 12 Prozent. 2006 wechselten noch 130 Jugendliche in die Einsatzabteilung, 2018 waren es nur noch 43. "Das ist ein rapider Verlust", sagte Binsch besorgt. Jedoch gab es 140 Quereinsteiger. In den vergangenen zehn Jahren ging die Zahl der Feuerwehrleute um 9 Prozent auf nun 2785 zurück. Der Frauenanteil liegt bei 14 Prozent.

Auch die Zahl der Feuerwehren selbst ging zurück. Von einst 106 sind, bedingt auch durch Fusionen (etwa in Staufenberg), derzeit 97 geblieben. "Dieses Jahr wird die Statistik um drei weniger ausfallen", erwartet Binsch. Denn weitere Fusionen stehen an. Nach dem Neubau eines gemeinsamen Gerätehauses in Biebertal dürfte die Zahl schließlich um 2020 auf rund 90 sinken.

Die Verbandsversammlung 2020 findet im Mai in Queckborn statt, ebenso der Kreisverbandstag am 16. und 17. August 2020.

2021 will der Feuerwehrverein Großen-Linden die Verbandsversammlung ausrichten. Für den Kreisfeuerwehrtag gibt es noch keinen "Bewerber". Sollte sich hier bis 1. Oktober kein Interessent finden, soll wieder ein alternativer Kreisfeuerwehrtag organisiert werden.

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