"O virtus sapientiae" ("O Kraft der Weisheit") singt der Frauenkammerchor Marburg im Blauen Saal von Schloss Hungen. FOTO: NAB
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"O virtus sapientiae" ("O Kraft der Weisheit") singt der Frauenkammerchor Marburg im Blauen Saal von Schloss Hungen. FOTO: NAB

Von Frauen (nicht nur) für Frauen

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Hungen(nab). Musik aus 900 Jahrhunderten - ausschließlich komponiert von Frauen - interpretierten die Sängerinnen des Frauenkammerchores Marburg auf beeindruckende Weise im Blauen Saal des Hungener Schlosses. Passend zum Weltgebetstag und zum internationalen Frauentag stand das Konzert, zu dem der Freundeskreis Schloss Hungen geladen hatte, unter dem Motto "...women marching on!".

Der Frauenkammerchor, der seit 2015 von Mareike Hilbrig geleitet wird, verfolgt auch einen politischen Anspruch, möchte die Werke von Komponistinnen bekannter machen, denn noch immer seien diese in der öffentlichen Wahrnehmung und der Fachwelt meist unsichtbar.

Dreh- und Angelpunkt des Programms war daher auch Ethel Smyths "March of the Women", der zum Hymnus der englischen Frauenrechtsbewegung wurde.

Klingende Schätze

Natürlich präsentierten die Sängerinnen das Stück dann auch samt Protestplakaten mit Aufschriften wie "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Darüber hinaus hielt das Programm - nebst ausführlichen Begleitheft, in dem die Sängerinnen Informationen über die Komponistinnen zusammengetragen hatten - bisher unbekannte musikalische Schätze der Vergangenheit und Gegenwart bereit. Nach dem Auftakt mit Abbie Betinis "Be like a bird" entführten die Damen das Publikum etwa 900 Jahre zurück in eine alte Klosterkirche. An den Ort, wo Hildegard von Bingen lebte und wirkte und um die heilende Wirkung der Musik wusste. Mit einem beeindruckenden Klangteppich entfalteten die Sängerinnen Hildegard von Bingens Hymnus "O virtus sapientiae" ("O Kraft der Weisheit") und zeigten gleich danach Cheryl Lynn Helms Version. Claudia Meinardus-Brehm begleitete die Sängerinnen am Klavier und präsentierte auch als Solistin wunderbare Instrumentalstücke von Maria Teresa D’Agnesi Pinottini und Agathe Backer-Grøndahl.

Faszinierend anzuhören waren auch Theresia Schlechtriems Kompositionen. Sie setzt Gedichte in ihre eigenen Klangsprache um und der Chor zeigte, wie fantastisch sich dabei Johann Wolfgang von Goethes "Nähe des Geliebten", Theodor Storms "Die Zeit ist hin" und Hugo Heinrich von Hofmansthal "Ich halt dich nicht" anhören. Texte aus William Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" vertonte Amy Beach. Im weiteren Programm erklangen Werke von Clara Schuhmann, Sandra Milliken, Susan LaBarr, Shirley W. MaRae und Cécile Chaminade - allesamt beeindruckende Frauen, die hervorragende Musik geschaffen haben.

Dass man in Hungen in den Genuss dieser Werke kam, ist auch dem Archiv "Frau und Musik" zu verdanken, mit dem der Chor eng zusammenarbeitet und in dem mittlerweile Werke von 1900 Komponistinnen zu finden sind, führte Chorleiterin Hilbig aus.

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