In der letzten mit Wasser gefüllten Mulde dümpeln Hunderte tote Fische. In ihrem Tod sieht das Regierungspräsidium einen natürlichen Prozess, der für Auenlandschaften typisch sei.
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In der letzten mit Wasser gefüllten Mulde dümpeln Hunderte tote Fische. In ihrem Tod sieht das Regierungspräsidium einen natürlichen Prozess, der für Auenlandschaften typisch sei.

Trockenheit

Hunderte Fische verenden in Tümpeln bei Hungen

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Die Flachwassertümpel in der Horloffaue bei Utphe sind ausgetrocknet. In einer letzten wassergefüllten Senke schwimmen hunderte tote kleine Fische.

Die Flachwassertümpel in der Horloffaue bei Utphe sind ausgetrocknet. In einer letzten wassergefüllten Senke schwimmen hunderte tote kleine Fische. Ihr Schicksal war bereits besiegelt, als sie in dieses Gewässer gerieten.

Vor wenigen Tagen schickte ein Leser der Redaktion ein Foto aus der Horloffaue bei Utphe. Es zeigte verendete Fische. Das Bild weckt Erinnerungen an den Sommer 2018, al s zig große Fische Opfer eines Behörden-Hickhacks wurden.

Wirbel um Rettungsaktion

Damals hatten Passanten bei einem Spaziergang durch die Horloffaue bemerkt, dass mehrere große Fische in den Flachwassertümpeln um ihr Überleben kämpften. Die Freiwillige Feuerwehr Utphe wurde zur Hilfe gerufen, um die Tiere zu retten. Ein Fischereibeauftragter des Wetteraukreises tauchte später vor Ort auf und untersagte die Rettungsaktion, obwohl unklar war, ob dies überhaupt in seinem Zuständigkeitsbereich lag.

Unklare Zuständigkeiten

Das Problem damals: Der Feldweg zwischen den zwei betroffenen Tümpeln ist die Grenze zwischen zwei Kommunen, zwei Landkreisen und zwei Regierungspräsidien, gehört zudem zum Flora-und-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) Horloffaue, für welches das Forstamt Nidda zuständig war. Das RP Darmstadt sah die Verantwortung beim RP Gießen. Die Untere Fischereibehörde hielt sich für nicht zuständig, da es sich um keine für Fischerei und Angeln vorgesehenen Teiche handele. Und bei der Stadtverwaltung in Hungen verzweifelte man, da man keinen zuständigen Ansprechpartner fand, der über das Schicksal der Fische entscheiden durfte. Letztlich starben die Tiere.

Durchlass unrechtmäßig »dicht«

Im Nachgang sollte beim RP Gießen ein Runder Tisch klären, wer für diese Flachwassertümpel zuständig ist. Zwei Jahre später ist dies geschehen, wie Pressesprecher Thorsten Haas auf Anfrage dieser Zeitung erklärt: »Für die Betreuung und das Management des dortigen FFH-Gebiets und auch des Vogelschutzgebietes nördlich des Viehtriebweges zwischen Utphe und Unter-Widdersheim ist die Abteilung für den ländlichen Raum beim Landrat des Lahn Dill-Kreises zuständig.«

Zudem habe man festgestellt, dass 2018 unrechtmäßig ein Durchlass verschlossen worden war. Dies hatte dazu geführt, dass die Tümpel nicht trockengefallen seien, sondern stattdessen zunächst »optimale Bedingungen für Fische« geboten hätten, teilte das RP mit.

Tümpel sollen fischfrei bleiben

Dies war jedoch gar nicht gewünscht: Die Flachwassertümpel sind als Laichgewässer für Amphibien angelegt worden. »Sie sollen bewusst fischfrei sein, um so den sogenannten Prädatorendruck auf die diversen Kaulquappen zu minimieren«, schreibt der Pressesprecher.

Bei einem Besuch vor Ort zeigt sich, dass 2020 nur sehr kleine Fische betroffen sind. Vermutlich wurden sie als Eier an den Füßen von Vögeln in die Teiche getragen. Damit war ihr Schicksal bereits besiegelt. »Bei den Gewässern in der Horloffaue handelt es sich nicht um Fischgewässer, für die es einen Fischereirechtsinhaber gibt«, schreibt Haas. »Es geht hier nicht um die Erhaltung der Fischfauna in dafür geeigneten Gewässern und damit besteht auch keine Veranlassung der Oberen Fischereibehörde hier tätig zu werden.« Darum erfolge keine Überwachung, ob sich während des Austrocknungsprozesses noch Fische in den Flachwassertümpeln befänden.

Austrocknen als typischer Prozess

Im Gegenteil: Diese Tiere sind wortwörtlich vogelfrei: »In der Regel werden diese schnell von den Vögeln gefressen, bevor im Sommer die Mulden wieder austrocknen.« Das Austrocknen der Flachwassertümpel sei ein für Auenlandschaften typischer Prozess. Dies solle natürlich ablaufen, ohne dass der Mensch dauernd eingreift - inklusive eines natürlichen Todes.

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