Mitglieder des Naturschutzbunds Horlofftal nach der Pflanzung des Baums im Hungener Stadtwald. FOTO: PM
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Mitglieder des Naturschutzbunds Horlofftal nach der Pflanzung des Baums im Hungener Stadtwald. FOTO: PM

Erinnerung an einen Friedensfreund

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Hungen(pm). Friedensfreund, Naturliebhaber und Heimatbotschafter: In Gedenken an den heimischen Maler und Schriftsteller Karl Reinhardt hat der Naturschutzbund (NABU) Horlofftal im Stadtwald Hungen vor wenigen Tagen eine Eiche gepflanzt.

Reinhardt, 1895 in Hungen geboren, sei "ein Vorbild in unsicheren Zeiten bei zunehmender sozialer Entwurzelung und ideeller Desorientierung", erklärte Stephan Kannwischer, Vorstandssprecher des Naturschutzbunds.

Reinhardt zu Ehren habe man nun die Eiche aus OVAG-Beständen in der Abteilung "Irrbühl" des Stadtwalds gepflanzt, auch vor dem Hintergrund eines Mangels an "wirklichen Vorbildern".

2020 könne mit gutem Recht als "Karl-Reinhardt-Jahr" bezeichnet werden, erklärte Kannwischer weiter, sowohl aus lokalhistorischer als auch aus kultureller Sicht, Reinhardts Geburtstag jährte sich am 26. Februar zum 125. Mal, sein Roman "Der Sohn des Irrbühls" feiert 2020 das 90 -jährige Jubiläum seiner Erscheinung. Und der Todestag des Künstlers erfährt am 24. Juli seine 40. Wiederkehr.

Roman über Hungen im Ersten Weltkrieg

Eine tief empfundene Naturliebe zeichnete den Künstler aus, die er mit Pinsel und Griffel in seinen zahlreichen Bildern und Zeichnungen zum Ausdruck brachte.

Seine Heimatverbundenheit kommt neben der bedachten Wahl seiner Motive aus Natur, Baukunst und Geschichte auch in seinem literarischen Nachlass zum Vorschein: Die Pflege der oberhessischen Mundart spielte hierbei genauso eine Rolle wie Natur- und Schilderungen der Gesellschaft.

Als Lehrer hatte Reinhardt ein besonderes Verhältnis zu seiner deutschen Muttersprache und verewigte seine Stimmungen, Gefühle und Gedanken in zahlreichen Gedichten, Geschichten und schließlich auch in seinem 1930 veröffentlichten Werk "Der Sohn des Irrbühls".

Die Geschichte des Romans handelt von teilweise wahren und autobiografischen Begebenheiten aus der Zeit um die "Jahrhundertkatstrophe des Ersten Weltkriegs" in Hungen und besonders dem sagenumwobenen Waldquartier des "Irrbühls".

Seine Berufswahl als Lehrer führte ihn nach Stationen in Herbstein und Merkenfritz nach Offenbach, wo er eine langjährige Lebens- und Arbeitsphase verbrachte. Nach der Pensionierung führte ihn seine Heimatverbundenheit wieder zurück in seinen Geburtsort Hungen.

Reinhardt war 1895 als eines von vier Kindern in einer Neubürger-Familie des ehemaligen Solms’schen Residenzstädtchens Hungen hineingeboren worden. Die Familie betrieb seinerzeit die Gaststätte "Zum Deutschen Haus" in der Obertorstraße 29, wo heute das Restaurant "Sterntaler" beheimatet ist - nicht zu verwechseln mit dem Lokal "Deutsches Haus" in der Kaiserstraße 26.

Außerdem unterhielten die Eltern - einer langen, aus Gedern stammenden Familientradition folgend - eine Glaserwerkstatt in der Obertorstraße 25.

Im zu Ende gehenden Kaiserreich erlebte Reinhardt aus der jugendlichen Distanz heraus die existenziellen sozialen Bewegungen und dramatischen gesellschaftlichen Verwerfungen seiner Zeit. Einer weitgehend unbekümmerten Jugend folgte schließlich die Verpflichtung zum Militärdienst, um bald darauf im Ersten Weltkrieg seinem "Vaterland" und dem Kaiser "zu dienen".

Werk geprägt von Friedensliebe

Die Frage aber, "Welcher gute Vater schickt seine Kinder in die tödlichen Grauen des Krieges?", stellte sich Reinhardt, auch im Hinblick auf seine beiden, im Zweiten Weltkrieg getöteten Söhne Hans-Heinrich und Karl-Horst Zeit seines Lebens.

Die beiden Weltkriege mit ihren schmerzlichen Verlusten an Menschen, Lebensstätten und Lebensentwürfen sowie Kulturgütern prägten seine ausgesprochene Friedensliebe - und sein Werk als Schriftsteller und Maler.

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