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„Kurze, aber heftige“ Erdbeersaison erwartet: Gießener Kreislandwirt mit erster Prognose

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Von: Lena Karber

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Im vergangenen Jahr konnte Ende Mai auf den Erdbeerfeldern in der Region bereits fleißig gepflückt werden. In diesem Jahr verschiebt sich die Saison voraussichtlich um etwa zwei Wochen nach hinten. (Symbolfoto)
Im vergangenen Jahr konnte Ende Mai auf den Erdbeerfeldern in der Region bereits fleißig gepflückt werden. In diesem Jahr verschiebt sich die Saison voraussichtlich um etwa zwei Wochen nach hinten. (Symbolfoto) © Swen Pförtner/dpa

Die Erdbeersaison startet wegen des nass-kalten Wetters in den vergangenen Wochen später als 2020. Laut Kreislandwirt Manfred Paul könnte sie »kurz, aber heftig« werden.

Die Erdbeeren lassen in diesem Jahr auf sich warten: In Hessen ist die Saison etwa zwei Wochen später gestartet als im Vorjahr und auch im Gießener Umland zeigt sich dieser Trend. Während 2020 Ende Mai im Freiland bereits kräftig geerntet werden konnte, stehen die Erdbeerpflanzen in Hungen-Villingen aktuell noch in voller Blüte. »Denen fehlt die Wärme«, sagt Kreislandwirt Manfred Paul. »Erst wenn die Sonne scheint, reifen die Früchte heran und werden süß.«

Seit 2017 gehört ein Erdbeerfeld zum Selbstpflücken zum Betrieb von Manfred Paul und seinem Sohn Christian - als Sonderkultur des inzwischen reinen Ackerbaubetriebes. Dies sei möglich, da die Erdbeersaison bereits vor der eigentlichen Ernte beendet sei, sagt der Vorsitzende des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill. Für Betriebe mit Viehzucht sei der Anbau hingegen oftmals nicht zu stemmen.

Kreis Gießen: Nur 60 Prozent der Erdbeeren werden laut Manfred Paul gepflückt

»Man unterschätzt, wie viel Arbeit das ist«, erklärt Paul. Alle fünf Jahre muss neues Land mit Pflanzen bestückt werden, auf dem dann ab dem Folgejahr geerntet werden kann. Bei etwa 30 000 Pflanzen auf einen Hektar Fläche sei das sehr aufwendig. Pro Hektar könne man in einem guten Jahr dann mit fünf Tonnen Frucht rechnen, sagt Paul, dessen Areal knapp zwei Hektar und rund 50 000 Erdbeerpflanzen umfasst - allerdings werde das auch bei einer hohen Nachfrage niemals alles abgeerntet. »Etwa 60 Prozent werden gepflückt und 40 Prozent bleiben hängen.« Der Grund: Alle greifen nach den großen Früchten, um die gewünschte Menge schnell zusammenzubekommen. Kleinere Früchte bleiben zurück.

Doch wieso setzen Betriebe trotz solcher Quoten auf Felder für Selbstpflücker? Paul erklärt das mit der geringen Haltbarkeit der Früchte. Vor einigen Jahre habe er einmal versucht, die Erdbeeren in einem Lebensmittelmarkt zu verkaufen, erzählt er. Doch dabei habe zu viel weggeschmissen werden müssen. »Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ergibt das Selbstpflücken daher am meisten Sinn.«

Erdbeeren zum selber pflücken: Nachfrage im Landkreis Gießen gestiegen

Zudem kann ein Ausflug auf das Erdbeerfeld auch eine schöne Unternehmung sein - gerade im Kontext der Pandemie. So haben die eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten und das schöne Wetter im vergangenen Jahr vielerorts zu einer gestiegenen Nachfrage geführt.

»Den Kindern macht das einen riesigen Spaß«, sagt Paul, der 2020 vermehrt junge Leute und Familien auf seinen Feldern begrüßen konnte. Er hofft, dass sich der Trend in diesem Jahr fortsetzt - und vielleicht auch über die Pandemie hinaus weiterwirkt, indem ein Generationswechsel eingeleitet wurde.

Bis auf den Feldern in der Region Erdbeeren gepflückt werden können, kann es laut Paul noch etwa zwei Wochen dauern. Dann allerdings sollten Selbstpflücker sich sputen, denn der Kreislandwirt rechnet damit, dass die Saison »kurz, aber heftig« wird. Sorten, die sonst versetzt reifen, könnten in diesem Jahr gleichzeitig zur Reife gelangen, sodass die Saison vielleicht nur drei Wochen dauere, erklärt er. Das letzte Wort spreche jedoch das Wetter.

Kreis Gießen: Erdbeerernte durch nass-kaltes Wetter nicht in Gefahr

»Die Natur gleicht alles wieder aus - nur wie und wann, das wissen wir eben nicht«, sagt Paul achselzuckend. Nach den vergangenen drei Jahren, die allesamt zu trocken gewesen seien, bringe die Natur nun die von Landwirtschaft und Wäldern dringend benötigte Feuchtigkeit. Den Leuten komme das Wetter nun zwar ungewöhnlich vor, eigentlich sei es jedoch eher die Norm. »Ist der Mai kühl und nass, füllt es den Bauern Scheun’ und Fass«, zitiert er eine alte Bauernweisheit.

Den Erdbeeren macht das nass-kalte Wetter laut Paul jedenfalls nichts aus. »Erdbeeren sind sehr robust«, sagt er. Einzig Frost nach der Blüte sei ein Problem. Das war 2018 so, als die Pflanzen wegen der hohen Temperaturen bereits im April blühten. Bei einem späteren Frost seien dann zwei Drittel der Pflanzen erfroren. In diesem Jahr hat die Blüte hingegen erst spät eingesetzt, auch die Eisheiligen sind bereits vorbei. Fans der süßen Früchtchen müssen sich also keine Sorgen machen.

Das Wetter könne nur problematisch werden, wenn es so ungemütlich bliebe, dass die Leute keine Lust hätten, Erdbeeren zu pflücken, sagt der Villinger Landwirt Paul. »Dann verfaulen die Erdbeeren auf dem Feld.« Doch danach sieht es nicht aus: Schon ab dem Wochenende könnte trockeneres und sonnigeres Wetter die Menschen wieder vermehrt aus dem Haus und die Erdbeeren zur Reife locken.

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