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Gunter Demnig wird am 3. September insgesamt elf weitere »Stolpersteine« in Hungen verlegen. ARCHIVFOTO

Elf neue »Stolpersteine«

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Hungen (pm). Zum fünften Mal in fünf Jahren kommt der Künstler Gunter Demnig nach Hungen, um elf weitere »Stolpersteine« zur Erinnerung an die drei jüdischen Familien Gerendasi, Kahn und Saalberg zu verlegen. Die Gedächtnis-Veranstaltung beginnt am Freitag, 3. September, um 15 Uhr in der Raiffeisenstraße 1 in Hungen.

Organisiert wird die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder von der Arbeitsgruppe Spurensuche, die sich seit über 30 Jahren mit der jüdischen Geschichte in und um Hungen befasst und bereits mehrere Publikationen zu dem Thema herausgegeben hat. Bürgermeister Rainer Wengorsch spricht ein Grußwort, und Lehrkräfte der Gesamtschule Hungen gestalten die Veranstaltung musikalisch. Im Anschluss wird der Künstler Gunter Demnig vor den Häusern in der Raiffeisenstraße 1 (Familie Kahn), anschließend in der Raiffeisenstraße 5 (Familie Saalberg) und gegenüber vor dem Haus Nr. 2 (Familie Gerendasi) insgesamt elf »Stolpersteine« mit den wichtigsten biografischen Daten der Familienmitglieder, die dort gewohnt haben, in den Bürgersteig einlassen. Mitglieder der AG Spurensuche tragen eine Zusammenfassung der Lebensgeschichten aller Familienmitglieder vor deren jeweiligem Wohnsitz vor.

»Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist«, zitiert Demnig den Talmud. »Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.« Der Künstler hat im März 2016 die ersten »Stolpersteine« in Hungen verlegt. Mit seinem europaweiten Projekt erinnert er an die Opfer des Nazi-Regimes. Inzwischen liegen diese »Stolpersteine« bereits in mehr als 1250 Orten in Deutschland, fast 50 davon bereits in Hungen, Bellersheim und Utphe, sowie in mehr als zwanzig Ländern Europas.

Arbeitsgruppe freut sich über Spenden

Die Arbeitsgruppe Spurensuche freut sich besonders, wenn auch diesmal wieder, wie in den vergangenen Jahren, aus der Hungener Bevölkerung Spenden in beliebiger Höhe für die Finanzierung der »Stolpersteine« als Erinnerung an die jüdische Bevölkerung eingehen. Die Stadt Hungenstellt dafür Spendenbescheinigungen aus. Die Herstellung jedes Steins kostet 120 Euro.

Die Hungener Arbeitsgruppe Spurensuche wurde im Jahr 1988 gegründet. Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, in die Geschichte der Juden aus Hungen und Umgebung mehr Licht zu bringen. Zunächst setzte sie sich für das Denkmal beim Jüdischen Friedhof ein, das im Jahr 1990 errichtet wurde, und die Nennung der Namen aller bekannten jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Großgemeinde Hungen. Im Laufe der Jahre hat die AG Spurensuche mehrere Publikationen herausgegeben. Darüber hinaus organisiert sie seit 1990 neben anderen Veranstaltungen zum Thema jährlich am Tag der November-Pogrome eine Gedenkveranstaltung beim Denkmal am Jüdischen Friedhof. Seit mehreren Jahren schon gestaltet sie diese Veranstaltung gemeinsam mit der Stadt und der Gesamtschule Hungen. Seit 2009 wird auf Anregung der AG Spurensuche an der Gesamtschule ein Wahlpflichtunterricht zur jüdischen Geschichte angeboten.

Schon seit dem Mittelalter siedelten Juden in Oberhessen. Sie waren weitgehend konzentriert in der Reichsstadt Friedberg, aber auch schon früh in den Solms’schen Grafschaften und damit auch in Hungen. Die Hungener Juden spielten im 17. und 18. Jahrhundert vor allem in der Solms-Braunfelsischen Landjudenschaft eine führende Rolle. Unter dem Nazi-Regime wurden auch zahlreiche Hungener Juden verfolgt und ermordet. Einer recht großen Gruppe der jüdischen Bevölkerung hier gelang allerdings noch rechtzeitig die Flucht aus Hungen und Nazi-Deutschland.

Spenden können auf das Konto der Stadtkasse Hungen überwiesen werden: Sparkasse Laubach-Hungen, IBAN: DE71 5135 2227 0001 0004 39, Stichwort: »Stolpersteine«.

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