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"Eine recht auskömmliche Lage"

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Hungen(us). Die Corona-Krise hat auch die Stadt Hungen ordentlich gebeutelt. Bürgermeister Rainer Wengorsch geht davon aus, dass sich die Einnahmen aus dem kommunalen Finanzausgleich und den Steuern um etwa eine Million Euro verringern werden. Dennoch sieht er keinem Grund, in Depressionen zu verfallen. Der Haushalt für 2021, den der Bürgermeister in der Sitzung des Stadtparlaments vorstellte, gebe Anlass zu Optimismus. "Noch befinden wir uns in einer recht auskömmlichen Lage." Mit einem Überschuss im Ergebnis von 425 397 Euro ist der Etat erneut ausgeglichen. Ein Haushaltssicherungskonzept wird die Kommune, die aus dem Schutzschirm entlassen wurde, nicht mehr vorlegen müssen. Man könne wichtige Zukunftsausgaben angehen. Für Nice-to-have-Projekte jedoch habe man keinen Spielraum.

Zu den wichtigen Zukunftsausgaben zählt Wengorsch die Kinderbetreuung, deren Zuschussbedarf er auf 3,2 Millionen Euro bezifferte. An einer etwa fünfprozentigen Erhöhung der Elternbeiträge werde 2021 kein Weg vorbeiführen. Die Anpassung sei eigentlich bereits für dieses Jahr geplant gewesen, aber nicht umgesetzt worden, um die Eltern in der Corona-Krise nicht zusätzlich zu belasten. "Nunmehr ist eine Erhöhung unumgänglich", sagte Wengorsch. Die letzte datierte von 2016. Neu kalkuliert werden müssen aufgrund veränderter gesetzlicher Vorgaben auch die Wasser- und Abwassergebühren.

Wichtigstes Standbein bei den Einnahmen ist mit 6,63 Millionen Euro der Gemeindeanteil der Einkommenssteuer. Aus der Gewerbesteuer rechnet der Bürgermeister für 2021 mit 3,87 Millionen Euro. Zwar sei sie starken Schwankungen unterworfen, die Wirtschaftsförderung sei dennoch ein zentraler Aspekt der Daseinsvorsorge, mahnte Wengorsch. "Das müssen wir bei der Diskussion um Gewerbegebiete im Auge behalten." Neben den Ausgaben fürs Personal und für Versorgungsleistungen (zusammen 7,97 Millionen Euro) sind die Kreis- und Schulumlage mit 10,2 Millionen Euro eine markante Position. "Das sind 37,08 Prozent unseres Gesamtaufwands", rechnete Wengorsch vor.

Im kommenden Jahr sind Investitionen in Höhe von rund 3,87 Millionen Euro vorgesehen. Ohne neuerliche Kreditaufnahme sind sie nicht zu bezahlen. 1,14 Millionen Euro will die Stadt aufnehmen. Für die Tilgung von Krediten sind dagegen 1,2 Millionen Euro vorgesehen. Die Gesamtverschuldung wird sich damit auf 27,954 Millionen Euro erhöhen, die Pro-Kopf-Verschuldung auf 2169,70 Euro. "Die Kreditaufnahme ist eine Belastung, aber es steht da auch ein Gegenwert", unterstrich der Bürgermeister.

Bei den Investitionen spielt der Brandschutz eine gewichtige Rolle. Für zusammen 340 000 Euro sollen zwei neue Feuerwehrfahrzeuge gekauft werden, ein TSF-L für Villingen und ein TSF-W für Nonnenroth. Auch die Sanierung des ehemaligen Stützpunkts in Hungen geht weiter. 227 000 Euro sind dafür vorgesehen. Und die Feuerwehr Trais-Horloff wird vom Umbau des alten Rathauses profitieren, in dem unter anderem ein Schulungsraum entstehen soll. Kostenpunkt: 323 000 Euro. Weitere Investitionsschwerpunkte sind der Stadtumbau mit verschiedenen Maßnahmen wie der Sanierung des Darmstädter Hofs sowie der Straßenbau. Hier sind in Hungen die Erneuerung der Moltkestraße (240 000 Euro) und der Feldheimer Straße (200 000 Euro) sowie die Taunusstraße (200 000 Euro) in Langd zu nennen. Auch die Freibad-Sanierung bleibt ein Thema. Sofern Hungen es schafft, ins Förderprogramm "Swim" aufgenommen zu werden, sollen die Arbeiten 2021 beginnen.

Der Haushalt soll am 17. Dezember von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Bis dahin bat der Bürgermeister um eine sachliche und faire Diskussion ohne Populismus.

Das Stadtparlament tagte am Donnerstag erneut unter Corona-Bedingungen. Angesichts der Maske tragenden Mandatsträger hatte Bürgermeister Rainer Wengorsch angekündigt, sich bei seiner Haushaltsrede kurzzufassen. Nun ja … Zeit ist relativ. Nach einer Stunde und zwei Minuten schloss er seine Ausführungen mit den Worten: "Ich hoffe, ich habe Sie nicht gelangweilt." Worauf Stadtverordnetenvorsteher Büttel versicherte: "Nein, gar nicht. Sonst wäre uns die halbe Stunde viel länger vorgekommen."us

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