1. Gießener Allgemeine
  2. Kreis Gießen
  3. Hungen

Ein Fenster in die Geschichte

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Constantin Hoppe

Kommentare

ik_Flurnamen_061021_4c_1
Gerhard Steinl © Constantin Hoppe

Hungen (con). Für die meisten sind Flurnamen ein Buch mit sieben Siegeln. Wie kommt es, dass eine Fläche einen bestimmten Namen trägt? Was hat die Namensgebung veranlasst und seit wann ist der Name gebräuchlich? Das ist in vielen Fällen kaum noch bekannt, dabei sind diese Namen oft ein kleines Fenster in die Geschichte der Dörfer und ermöglichten eine Orientierung, bevor die Flurstücke durchnummeriert wurden.

Für den Hungener Stadtteil Obbornhofen lässt sich das nun in einem Buch nachverfolgen: Rund anderthalb Jahre werkelte Gerhard Steinl an »Die Obbornhofener Flurnamen« und stellte dieses nun vor dem örtlichen Heimatmuseum der Öffentlichkeit vor. Damit findet auch eine über einjährige »Puzzlesuche« im Hungener Stadtarchiv ein Ende, wie es Bürgermeister Rainer Wengorsch beschrieb.

Es sind Namen wie »Am Atzelpfad«, die in dem Buch erklärt werden: Die Fläche im Osten des Ortes trägt ihren Namen von den Elstern, die dort bis heute ihre Nester haben. Der Name ist einer der ältesten bekannten in der Gemarkung. Seine Ursprünge lassen sich bis ins Mittelalter zu seiner ersten Erwähnung im Jahr 1366 zurückverfolgen, mittlerweile mehr als 650 Jahre in der Vergangenheit und im gleichen Jahr, als die Falkensteiner Fehde zwischen Philipp VI. von der Licher Linie der Herren von Falkenstein auf der einen und dem Wetterauer Landvogt Ulrich III. von Hanau auf der anderen Seite endete. In deren Verlauf war es unter anderem zur Eroberung Lichs und zur Zerstörung von Ober- und Nieder-Bessingen, Ettingshausen und Münster gekommen.

»Es macht Spaß und ist spannend, sich mit der Geschichte zu beschäftigen, aber es ist auch identitätsstiftend«, sagte Landrätin Anita Schneider, die der Einladung zur Buchvorstellung folgte. Dass diese Aussage stimmt, kann man an Gerhard Steinl sehen: All die Informationen über die Herkunft der Namen trug er in akribischer Arbeit im Hungener Stadtarchiv zusammen.

Seine Helfer schätzen, dass er gut 1000 Stunden in sein neuestes Buch gesteckt hat. »Das hat viel Spaß gemacht und ich freue mich, dass das Buch endlich erscheinen kann«, sagt Steinl.

Der Auftakt für das Buch war eine Anfrage ans Hungener Stadtarchiv: »Es wollte jemand wissen, ob es in Obbornhofen einmal eine Mühle gab«, erinnert sich der Autor. Also machte er sich auf die Suche und durchforstete die Unterlagen. »Da dachte ich mir, wenn ich mir schon diese ganze Mühe mache, dann sollte am Ende auch mehr dabei herauskommen.«

Herausgekommen ist nun ein Buch voller Flurnamen, in der sich tabellarisch alle Informationen zu Ursprung, Alter und Lage finden lassen sowie zahlreiche Flurkarten der Obbornhofener Gemarkung und grundsätzliche Informationen zu der Thematik. So wird gleichzeitig auch ein Eindruck vom früheren Obbornhofen ermöglicht. »Die Flurnamen sind ein hohes Kulturgut. Wir haben hier in Obbornhofen Flurnamen, die sind 700 bis 800 Jahre alt. Die Namen ermöglichten früher, ebenso wie die alten Hausnamen, die Orientierung in und um die Orte«, erklärt Steinl die Bedeutung der Flurnamen.

Die Grundlagen zum Buch legte Heimatforscher Wilhelm Acker. Er hat schon in seinem 1967 zum 1200-jährigen Jubiläum des Dorfes erstellten Buch »Obbornhofen, Vergangenheit und Gegenwart« darauf hingewiesen, dass es eine »dankbare Aufgabe wäre, dafür zu sorgen, dass diese alten Gewann-Namen der Nachwelt erhalten bleiben«. FOTO: CON

Auch interessant

Kommentare