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Mehrere Menschenalter spiegelt dieser Baumriese wieder.

Durch die wilden Wälder der Zukunft

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Hungen(pm). Unter dem Motto "Durch die wilden Wälder der Zukunft" lud der NABU Horlofftal kürzlich zu einer Exkursion durch das künftige Naturwaldreservat Langd ein. Die fachliche Führung oblag den Biologen Frank Bernshausen und Markus Dietz. Zum Auftakt bestaunten die etwa 50 Teilnehmer Reste der heute aufgeforsteten "Hutung Irrbühl" in Gestalt der beiden ca. 250 bis 300 Jahre alten knorrigen Huteeichen. Seit etwa dem Mittelalter wurde dort Hutebetrieb vermutet, an dessen Rechten sich auch immer wieder handfester Streit zwischen der gräflichen Standesherrschaft und der städtischen Obrigkeit entzündete.

Ein Teil der ausgedehnten Wälder des Hessischen Staatsforstes Langd am "Hirschrod und Plattenberg" wird sich zukünftig auf etwa 800 Hektar Fläche wieder als Naturwald entwickeln können, da die reguläre Bewirtschaftung zugunsten einer natürlichen Waldentwicklung zurückgefahren und letztlich eingestellt werden soll. Die hessische Landesregierung hat 2018/19 ein Naturwaldprogramm verabschiedet, das fünf Prozent der Staatswaldfläche umfasst. Die Naturschutzverbände NABU und HGON begrüßen dieses Projekt besonders vor dem Hintergrund der seit zwei Jahren durch extreme Sommerdürre notleidenden Wälder.

Dietz, der über Fledermäuse promovierte, verwies im Besonderen auf die vielfältig positiven Wirkungen von Naturwaldparzellen für die darauf angewiesene Artenvielfalt von Pflanzen, Tieren und Pilzen. Besonders höhlenbewohnende, bestandsbedrohte Vögel (z.B. Schwarzspecht) und Säugetiere (Fledermäuse & Bilche) werden von der natürlichen Waldentwicklung profitieren.

Die Probleme des Waldes seien zu 80 Prozent bewirtschaftungsbedingt und nur zu 20 Prozent klimabedingt, führte Bernshausen aus. Besonders im Hinblick auf Baumartenauswahl und "altbackene Bewirtschaftungsgrundsätze" seien mit dem forstlichen Establishment noch einige Diskussionen zu führen und inhaltliche Diskrepanzen zu überwinden. Die beiden Referenten halten es auch für wichtig, die Menschen aus diesem Naturreservat nicht auszuschließen, sondern ihnen (via Besucherlenkung) die Schönheit der heimischen Wälder und deren Baumriesen nahezubringen. "Nur was man kennt, schätzt man auch", so das Resumee der beiden Biologen. FOTO: PM

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