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Großeinsatz am 4. Januar vor einem Jahr: Über 170 Freiwillige bekämpfen das Feuer in einem Werkstattkomplex in Utphe. ARCHIVFOTO: LBH

Dorf hielt bei Großbrand zusammen

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Das Jahr 2019 geht in die Geschichtsbücher der Freiwilligen Feuerwehr Utphe ein: Zum einen wurde der Feuerwehrverein 70. Zum anderen erlebte das Dorf einen der größten Feuerwehreinsätze in seiner Geschichte.

Es war am 4. Januar 2019, als es zu einem verheerenden Feuer in einer Werkstatt in der Utpher Weedstraße kam. Schon beim Eintreffen der ersten Feuerwehrleute war klar, dass dieser Brand eine außergewöhnliche Dimension hatte. Das Gebäude - mehrere hundert Quadratmeter groß und Unterstellplatz für zahlreiche Autos und Oldtimer - stand in Vollbrand. Dichter Rauch zog über benachbarte Häuser, die Flammen drohten auf weitere Gebäude überzuschlagen. Die schwarze Rauchsäule war selbst aus Friedberg noch zu sehen, die Flammen schlugen haushoch in den Himmel.

Der Utpher Wehrführer Marco Biedenkopf berichtete auf der Jahreshauptversammlung ausführlich von dem Großeinsatz. Ein Anwohner aus einem benachbarten Haus, welches völlig im Rauch verschwunden war, wurde von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht. Gleichzeitig bauten die Einsatzkräfte eine sogenannte Riegelstellung auf: Mit mehreren Strahlrohren wurde dabei versucht, das Übergreifen des Feuers auf weitere Gebäude zu verhindern.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein Großaufgebot vor Ort oder unterwegs zur Einsatzstelle: In allen Hungener Stadtteilen heulten die Feuerwehrsirenen, auch aus weiteren Kommunen des Landkreises wurden Feuerwehren sowie das Technische Hilfswerk alarmiert. Weit über 170 Freiwillige waren im Einsatz. Letztlich konnten die benachbarten Gebäude geschützt werden, nur die Werkstatt brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Wehrführer Biedenkopf war allerdings von einem beeindruckt: der Unterstützung der Utpher Bürger. "Die Lage war noch nicht unter Kontrolle, da standen an den benachbarten Häusern schon Getränke, Kaffee und kleine Snacks bereit. Wahrscheinlich war auch schon der erste Kuchen im Ofen." Dies motivierte die Einsatzkräfte für den mehrere Stunden dauernden Einsatz.

Es war der Beginn eines arbeitsreichen Jahres: Nach fünf Alarmierungen im Vorjahr wurde die Utpher Feuerwehr 2019 ganze 16 Mal gebraucht. Mehrmals wurde die Feuerwehr dabei zu Nutzfeuern alarmiert. Diese waren zwar bei der Stadt Hungen angemeldet worden. Biedenkopf erklärte: "Das weiß jedoch der Bürger nicht, der abends an diesem Feuer vorbeifährt." Zudem könne es auch sein, dass nur wenige Meter entfernt ein richtiges Feuer lodert. Daher fährt die Feuerwehr vorsichtshalber hin zum nachgucken.

Mit 32 Aktiven, davon neun Frauen, ist die Feuerwehr Utphe gut aufgestellt. Acht Lehrgänge und Seminare wurden besucht. Zudem wurden mit Unterstützung des Feuerwehrvereins Halterungen für die Kleidung der Jugendfeuerwehr montiert und Lagermöglichkeiten für die Gerätschaften der Abteilungen geschaffen. Auch unterstützte der Förderverein die Anschaffung eines neuen Mannschaftsbusses mit 5000 Euro und schaffte die notwendigen Kindersitzkissen für die Minifeuerwehr an.

Für 2020 habe man sich das Ziel gesetzt, eine Alters- und Ehrenabteilung zu gründen. Stadtbrandinspektor Udo Träger dankte für den großen Einsatz. Er beförderte Dana Möll zur Hauptfeuerwehrfrau und Christian Weber zum Hauptfeuerwehrmann.

Mehr Mädchen als Jungs

Die Jugendfeuerwehr zählt 14 Mitglieder, davon zwei Jungen. Einem Wechsel in die Einsatzabteilung stand ein Wechsel aus der Minifeuerwehr gegenüber. Jugendwart Julian Schmidt berichtete unter anderem von einem zweiten Platz des Mädchenteams beim Kreisentscheid. Die Übungsabende finden nun immer mittwochs statt.

Fast so viele Mitglieder wie die Einsatzabteilung zählt die Minifeuerwehr: 27 Kinder - davon gerade einmal zwölf Jungs - sind hier aktiv. Es gibt sogar eine Warteliste, berichtete Leiterin Dana Möll. Ein Höhepunkt war der Dreh eines Videos über den Aufbau einer Rettungsgasse. Zudem wurden bei einem Treffen mit der Minifeuerwehr Obbornhofen feuerwehrtechnische Stationen durchlaufen. Beim Pflaster- diplom wurde auch die stabile Seitenlage erklärt.

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