"Die Landschaften sind atemberaubend": Patrick Dehnhardt Mitte April am Borgarfjörður im Osten Islands, aufgenommen mit Selbstauslöser. FOTO: PAD
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"Die Landschaften sind atemberaubend": Patrick Dehnhardt Mitte April am Borgarfjörður im Osten Islands, aufgenommen mit Selbstauslöser. FOTO: PAD

"Diese Reise war ein Abenteuer"

  • vonPatrick Dehnhardt
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Hungen(con). Rund 150 Meter tiefer schlägt die Brandung gegen die Felsen. Die Sonne bringt die Meereswellen golden zum Leuchten. Tausende Möwen schweben durch die Luft. Patrick Dehnhardt sitzt mit seiner Kamera in der Hand an der Kante des Kliffs am Látrabjarg auf Island, dem westlichsten Punkt Europas und der Heimat von Millionen von Seevögeln. Nur ein paar Meter von ihm entfernt sind Papageientaucher gerade dabei, Grashalme in ihre Bruthöhlen zu tragen. Für einen Moment halten sie inne, schauen nachdenklich wie er hinaus aufs Meer. "Das war ein Moment, da hatte ich vor Respekt vor dieser Schönheit der Natur Tränen in den Augen."

Mehrere Monate später ist diese Reise noch immer wie ein Traum für Patrick Dehnhardt, Redakteur der Gießener Allgemeinen Zeitung. "So etwas kannst du nicht noch einmal erleben. Das war eine Reise wie in Zeiten, als es noch keinen Massentourismus gab."

Bereits im vergangenen Jahr hatte der 35-jährige Nonnenröther beschlossen, eine Auszeit zu nehmen und sich einen Traum zu erfüllen: Drei Monate lang seine Sehnsuchtsinsel Island zu erkunden. "Ich wollte den Wechsel der Jahreszeiten vom Winter zum Sommer miterleben, jeden Tag spüren, wie sich etwas verändert."

Die Reise wurde geplant, Flugtickets gekauft, Unterkünfte und ein Mietwagen im Voraus bezahlt. "Island war in den letzten Jahren touristisch fast überrannt. Ich hatte gehofft, dennoch ein paar stille Flecken abseits der touristischen Hauptrouten zu finden." Dass aufgrund von Covid-19 dieser Wunsch in extremster Weise in Erfüllung gehen würde, konnte er da noch nicht ahnen.

Anfang März flog Dehnhardt nach Island. Zusammen mit seiner Freundin wollte er in den ersten zwei Wochen die Insel einmal umrunden, die restliche Zeit allein auf Entdeckungstour gehen.

Zunächst ging es nach Akureyri im Norden. "Die Reise dahin war ein Abenteuer: Es gab einen Schneesturm, bei dem die Straße teilweise nur noch drei Meter weit zu sehen war." Ein Durchkommen gab es nur direkt hinter einem Schneepflug. Insgesamt drei Schneestürme erlebte er auf Island. "Eine Isländerin sagte zu mir, dass es der härteste Winter seit Jahrzehnten war. Bis in den Mai hinein waren einige Straßen im Hochland meterhoch verschneit."

Traf der Nonnenröther zu Beginn noch immer wieder mal Touristen, hatte er ab April die Hostels meist komplett für sich allein. An den touristischen Sehenswürdigkeiten herrschte Leere. "Um den Geysir stehen sonst bei jedem Wetter tausend Menschen herum. Ich war da eine Stunde komplett allein."

Im Nordwesten wollte Dehnhardt zu einer weiteren Sehenswürdigkeit, dem Roten Strand. Die Fahrt dorthin musste er jedoch abbrechen: "Mitten auf der Straße brütete ein Strandläufer. Da muss ewig kein Mensch mehr gewesen sein."

Überrascht war der Zeitungsredakteur in diesen Zeiten von der Gastfreundschaft der Isländer: "In Flatery wollte ich in eine Buchhandlung, hab aber die Hausnummern verwechselt und war im falschen Laden. Weil sie dort gerade beim Mittagessen waren, haben sie mir eine Portion angeboten. Wir haben danach stundenlang dagesessen und über Island geredet", erzählt Dehnhardt.

Stadt unter Lava

Auf der Reise entstanden weit über 20 000 Fotos. Einige seiner Lieblingsmotive fand der Islandreisende dabei auf Heimaey, einer vorgelagerten Insel mit 4300 Einwohnern. 1973 gab es dort einen Vulkanausbruch, der einen Teil der Stadt unter Lava und fast alle Häuser unter Asche begrub. "Die Insel ist nur 13 Quadratkilometer groß. Sie ist wie ein Islandurlaub im Kleinformat - nur ohne Gletscher und Geysire." Stunden verbrachte er mit Wanderungen über die Berge und hinab an die Küsten, zu den Vogelfelsen und auf die beiden Vulkankrater. "Es ist eine atemberaubende Landschaft."

Zurück in der hessischen Heimat suchte er zwölf Motive für einen Kalender aus. Neben Papageientauchern und einem atemberaubenden Sonnenuntergang über der Insel finden sich darin Bilder von schroffen Lavalandschaften und idyllischen Buchten. "Es ist ein Kurzurlaub auf Island für die heimische Wohnzimmerwand." Im kommenden Jahr will Dehnhardt mit weiteren Bildern weitere Islandkalender gestalten.

Und so ganz nebenbei hat er von Island aus dann auch noch einen Liebesroman geschrieben - für diesen sucht er aber noch einen Verlag.

" Heimaey - Islands bezaubernde Vulkaninsel" kann bei den heimischen Buchhandlungen sowie im Internet bestellt werden. Im DIN-A4-Format (ISBN: 9783672815769) kostet der Kalender 19,99 Euro, in DIN-A3 (9783672815776) 29,99 Euro.

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