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Was hüpft denn da? Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und Bürgermeister Rainer Wengorsch lassen sich bei der Präsentation der Hubbach-Renaturierung von einer Erdkröte ablenken.

Die Hubbach lebt

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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Jahrzehntelang war die Hubbach ein schnurgerader Entwässerungsgraben.- Jetzt wurde sie aus ihrem Zwangsbett befreit. Stück für Stück erobert sich die Natur ein 14 Hektar großes Gelände bei Hungen zwischen den Drei Teichen und der Alten Bahntrasse zurück.

Der Weißstroch fühlt sich wohl auf seinem Horst an der Landstraße nach Nonnenroth, die Rufe von Laubfrosch und Wechselkröte lassen die Herzen von Ökologen höher schlagen: An der Hubbach ist ordentlich was los. »Die Entwicklung ist ermutigend. Wir haben einen Entwässerungsgraben in ein lebendiges Gewässer verwandelt«, sagte Bürgermeister Rainer Wengorsch, als er am Donnerstag gemeinsam mit dem Gießener Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich das Ergebnis der Hubbach-Renaturierung vorstellte. Das Projekt sei ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz und fördere die Artenvielfalt in der Region, ergänzte Ullrich.

Gerade und maschinengerecht

»Quadratisch, praktisch, gut«: Mit diesem Schlagwort beschreibt Planer Dr. Heiko Sawitzky (Büro Naturplanung, Wölfersheim) die begradigte Hubbach, wie man sie in den vergangenen Jahrzehnten kannte. Das war bequem, um die angrenzenden Flächen mit Landmaschinen zu befahren. Ökologisch war es nicht. Der begradigte, gleichförmige Bach bot nur wenig Lebensraum. Das hat sich grundlegend geändert. Auf einer Länge von 1,8 Kilometern und einer Fläche von 14 Hektar wurde das Gewässer nach dem Vorbild der Natur neu gestaltet. 2018 waren nach langer Vorplanung die Bagger angerückt. »In der Bauphase sah es hier schlimm aus«, erinnert sich der Regierungspräsident. Aber die Arbeiten sind seit 2019 beendet, die Natur hatte zwei Jahre Zeit, sich das Gelände zurückzuerobern.

Wie Sawitzky erläuterte, wurde das Fließgewässer in zwei Abschnitten renaturiert. Im kürzeren Abschnitt im Wald sei es vor allem darum gegangen, den Bach, der durch zwei Angelteiche getrennt wurde, wieder zu verbinden. Man habe Dämme abgetragen und dort, wo das nicht ging, breite Durchlässe geschaffen. Auch im offenen Gelände wurde die Hubbach neu gestaltet. Sie schlängelt sich jetzt wieder durch die Wiesen, ihr Bachbett variiert in Breite und Tiefe, es gibt Steinschüttungen, Totholz und Flachwasserzonen. Angrenzende Äcker wurden in Grünland umgewandelt, das extensiv bewirtschaftet wird.

Mit der Wiederherstellung des guten ökologischen Gewässerzustands werden gleichzeitig Habitate für geschützte Vogelarten erhalten, heißt es seitens des Regierungspräsidiums. Somit erfülle man die Zielsetzung des europäischen Schutzgebietssystem »Natura 2000«. Die zahlreichen Spaziergänger an den Drei Teichen können sich an Informationstafeln über Details informieren.

Nach dem Vorbild der Natur

Die Kosten für die Renaturierung beliefen sich auf knapp 400 000 Euro. Die Hälfte dieser Summe entfiel auf die Planung und die eigentlichen Arbeiten. Der andere Teil sei in den Ankauf von Flächen geflossen, erläuterte Sawitzky. Finanziert wurde die Hubbach-Renaturierung zu 100 Prozent über das Synergieprogramm »Wasserrahmenrichtlinie - Natura 2000« des Landes Hessen.

Die alte, begradigte Hubbach war von Menschen gemacht. Auch die neue ist Menschenwerk. »Aber wir haben uns die Natur zum Vorbild genommen«, betonte Planer Sawitzky. »Wir hoffen, es jetzt richtig gemacht zu haben.« Wie zum Beweis hüpfte eine kleine braune Erdkröte über den Weg und stahl den versammelten Vertretern aus Politik, Verwaltung und Planungsbüro die Show.

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