Der Strand auf Island und Espa

  • vonPatrick Dehnhardt
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Es gibt Dinge, die scheinen zunächst nicht zusammenzugehören - etwa Tofu und Grillwurst. Und es gibt Dinge, die bringt der Zufall zusammen - beispielsweise einen isländischen Strand und den Langgönser Ortsteil Espa.

Die Aufnahme der Bucht im Nordosten Islands stammt aus der Gegend um Vopnafjörður. Schwarzer Sand, blaue Wellen - und mittendrin ein Stück Strandgut. Ein Schuh, irgendwo über Bord gegangen. Nun könnte auf dieser Sohle vieles prangen - etwa ein berühmter Markenname. Doch weit gefehlt: Auf der Sohle steht »Espa«.

Tatsächlich gibt es eine Reihe von Schuhen, die unter dem Namen Espa vertrieben werden, wie eine kleine Internet-Recherche ergibt. Da wird der Langgönser Ortsteil wortwörtlich in die Welt »hinausgetragen«.

Wer jetzt den Schuh in der Bucht bei Vopnafjörður besuchen will, muss allerdings Zeit mitbringen. Zum einen muss er eine Fahrt einmal rund um die halbe Insel vom Flughafen im Südwesten hin zum Küstenort im Nordosten einplanen. Zum anderen vorher eine ausreichende Quarantänezeit einkalkulieren. Denn Island lässt nur Menschen ins Land, die entweder nachweisen können, dass sie bereits Corona hatten oder dagegen geimpft sind. Ansonsten muss man - bevor man in das Flugzeug nach Island steigt - einen Corona-Test machen. Zudem gibt es einen Test bei der Einreise, dann fünf Tage Quarantäne und dann einen Folgetest. Erst dann darf man losreisen. Das ziehen die Isländer seit März letzten Jahres konsequent durch.

Klingt nach viel Arbeit? Tja - hätte sich Deutschland da mal ein Beispiel dran genommen. Denn Island hat derzeit bei einer mit dem Landkreis Gießen vergleichbaren Einwohnerzahl gerade einmal 42 aktive Corona-Fälle. Und was besonders bitter ist: Bei 6058 Fällen seit Ausbruch der Pandemie musste man lediglich 29 Todesfälle beklagen - im Landkreis Gießen waren es bei über 8800 Fällen 321 (Stand Freitagmorgen).

Und das, obwohl in Island Restaurants praktisch nie ganz geschlossen waren, es nur Sperrstunden gab. Die zweite Welle ereilte zwar auch die Insel - war aber bereits Anfang Dezember gebrochen. Mittlerweile dürfen in Museen wieder bis zu 150 Besucher, Schwimmbäder sind geöffnet, Treffen bis 20 Personen möglich.

Vielleicht sollten da ein paar Ministerpräsidenten mal vor der nächsten Runde im hohen Norden anrufen und nachfragen, wie die Isländer das so lösen. Fragen kostet ja nix.

pad/FOTOS: DEHNHARDT

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Rubriklistenbild: © Patrick Dehnhardt

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