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Damm am Seegebiet wird saniert

  • VonPatrick Dehnhardt
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Hungen (pad). Die Feuerwehr klopft an Türen, warnt vor einem drohenden Dammbruch, will die Menschen evakuieren. Genau das passierte in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar diesen Jahres im Seegebiet Inheiden/Trais-Horloff. Letztlich konnte der Dammbruch abgewendet werden. Dennoch stand das Gebiet tagelang unter Wasser, das Technische Hilfswerk rückte mit Pumpen an, um den Fluten Herr zu werden.

Um den ehrenamtlichen Einsatzkräften für ihre Arbeit zu danken, überreichten nun die Anlieger des Sees eine Spende an die Hungener Jugendfeuerwehren über 1200 Euro. Lothar Jeck hatte die Spendenaktion im Mai ins Leben gerufen, die Resonanz in der Seegemeinschaft war groß. Die stellvertretende Stadtjugendfeuerwehrwartin Janina Göttsche nahm das Geld entgegen.

»Seeblick«-Wirt Markus Schmidt startete anlässlich der Spendenübergabe am gestrigen Sonntag eine weitere Aktion: Kaffee und Kuchen wurden gratis abgegeben, stattdessen gab es eine Spendenbox zugunsten des Technischen Hilfswerks. In dieser lagen am Abend 965,50 Euro, Das THW war nur mit einer kleinen Delegation vertreten - die meisten Helfer sind derzeit in Ahrweiler im Einsatz.

Stadtbrandinspektor Udo Träger gab einen kurzen Rückblick auf den Hochwassereinsatz, an dem alle zwölf Hungener Feuerwehren beteiligt waren. Er freute sich über die Spende als Zeichen der Wertschätzung, dies sei keine Selbstverständlichkeit. »Man wird teilweise vor Ort beschimpft«, schilderte er unschöne Szenen am Rande des Hochwassers. Das DRK habe in einer Halle eine Notunterkunft eingerichtet, die Evakuierten seien aber anderweitig untergekommen.

Dass der Trais-Horloffer See über die Ufer tritt, weil der Grundwasserspiegel zu hoch wird, ist an und für sich nichts ungewöhnliches. »Seeblick«-Wirt Schmidt kann sich an viele Male erinnern, darauf sei man vorbereitet. Die Januarnacht sei jedoch anders gewesen, da das Wasser vom Riedgraben her über den Damm geflossen sei. Dies habe zu ungewöhnlich hohen Wasserständen geführt, sogar ein Dammbruch gedroht.

Dass überhaupt im Hochwassergebiet gebaut werden durfte, liegt an einer Entscheidung der Stadt kurz nach der Jahrtausendwende: Damals wurden die Pachtgrundstücke zu Baulandpreisen verkauft, erinnert sich Schmidt. Die Eigentümer erhielten die Genehmigung, ganzjährig dort zu wohnen. Dass dies Probleme mit sich bringen würde, war spätestens nach dem Hochwasser 2003 klar.

Unter Bürgermeister Klaus Peter Weber (SPD) wurde das Problem jedoch nicht mehr gelöst, sein Amtsnachfolger Rainer Wengorsch hat es geerbt. Dieser durfte sich im Rahmen der Spendenübergabe Kritik einiger Anwohner anhören. Wengorsch kündigte an, dass die Stadt die Bewohner des Seegebiets in den kommenden Wochen zu einem Bürgergespräch in die Mehrzweckhalle einladen werde. Dort sollen Ansätze vorgestellt werden, wie man das Hochwasserproblem entschärfen könnte. Ganz bannen ließe es sich aber nicht. »Hier ist in ein Hochwassergebiet gebaut worden«, sagte er. Zudem könne man den Damm nicht einfach erhöhen, da sowohl die Brunnen der OVAG als auch die Bahnstrecke nicht überflutet werden dürfen.

Eine gute Nachricht hatte Wengorsch für die Seeanwohner: In den kommenden Wochen soll die Sanierung des durch das Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogenen Damms beginnen.

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