Eine schützenswerte Ortsansicht? Dies findet jedenfalls die Denkmalschutzbehörde und lehnt die Pläne für eine Fotovoltaikanlage auf dem roten Scheunendach in der Bildmitte ab, da diese den Gesamteindruck erheblich stören würde. FOTO: PAD
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Eine schützenswerte Ortsansicht? Dies findet jedenfalls die Denkmalschutzbehörde und lehnt die Pläne für eine Fotovoltaikanlage auf dem roten Scheunendach in der Bildmitte ab, da diese den Gesamteindruck erheblich stören würde. FOTO: PAD

Klimaschutz

Dachziegel statt Solaranlage: Ist Denkmalschutz wichtiger als Klimaschutz?

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Werner Fuchs will eine Fotovoltaikanlage auf seinem Scheunendach in Bellersheim montieren. Die Denkmalschutzbehörden lehnen dies jedoch ab: Der Erhalt einer Dachziegelfläche sei wichtiger.

Eigentlich mag Werner Fuchs die schmucke Fachwerkfassade an seinem Haus. Es gibt aber auch Tage, an denen er sich sehr darüber ärgert, dass er sie freigelegt hat. Denn der Erhalt kostet viel Geld. Zudem ist mit einem Baudenkmal vieles nicht möglich - anscheinend auch, eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach zu montieren.

Das Fachwerkhaus in Bellersheim, nur einige Schritte von der Kirche entfernt, wurde circa 1660 erbaut. Vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammt die dazugehörige Scheune. Das Haupthaus war über lange Zeit hin verputzt. "Dann haben wir uns bereden lassen, es freizulegen", sagt Werner Fuchs. Das war 1982. Seitdem musste das Gebälk bereits zweimal nachgestrichen werden, auch die Gefache brauchen regelmäßige Pflege.

Denkmalschützer schreiben Holzart für Fenster vor

Als die Scheune in Wohnraum umgewandelt wurde, gab es hohe Auflagen: Der scheunenartige Charakter sollte im Außenbild unbedingt gewahrt bleiben, es durfte nur einen kurzen Dachüberstand geben. "Darum regnet es bei uns immer gegen die Fenster", sagt der Bellersheimer. Diese wollte der Denkmalschutz übrigens aus heimischen Kiefernholz und mit Fensterteilung haben.

Die Kosten dafür trug das Ehepaar Fuchs. Bereits 2011 hatte Werner Fuchs die Idee, mit einer Fotovoltaikanlage Strom herzustellen. Dieser wollte er auf der vom Dorf abgewandten Seite auf der Scheune montieren lassen. Zum einen würde das erwirtschaftete Geld wieder in den Erhalt des Gebäudes fließen, zum anderen könnte er so etwas gegen den Klimawandel unternehmen.

Amt: Solaranlage würde Ortsbild stören

Fuchs fragte bei der Unteren Denkmalbehörde nach - und erhielt prompt eine Absage. Vor wenigen Monaten probierte er es erneut - mit demselben Ergebnis. Eine Fotovoltaikanlage auf der Scheune sei nicht möglich, da diese "die Ortsansicht von Bellersheim in direkter Nähe zur Kirche entscheidend prägt". In der Absage heißt es zudem: "Die erhebliche Beeinträchtigung des Ortsbildes, die durch Fotovoltaikanlagen ausgehen kann, zeigt sich auch durch eine ungenehmigte Fotovoltaikanlage vor der Kirche, die im Rahmen des Umgebungsschutzes zu beurteilen ist."

Fuchs kann dies nicht verstehen. Im Dorf gebe es nun wirklich schönere Plätze als den Ortseingang von Trais-Horloff kommend. "Es wird ständig in den Medien dazu aufgerufen, etwas gegen Kohlendioxid und Atomkraft zu tun", sagt er. "Und dann wird Denkmalschutz vor Klimaschutz gestellt."

Keine Antwort vom Umweltministerium

Gibt es diese Reihenfolge? Nachgefragt beim Hessischen Umweltministerium. Das Ministerium wich der Frage, ob der Denkmalschutz Vorrang vor dem Klimaschutz hat, geschickt aus: Es leitete die Anfrage an das Landesamt für Denkmalpflege weiter.

Statt der Umweltministerin Priska Hinz beantwortete daher Heinz Wionski von der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege die Anfrage. Er schreibt, dass die Denkmalschutzbehörden die Belange des Klima- und Ressourcenschutzes besonders zu berücksichtigen haben.

Auch die Untere Denkmalbehörde teilt mit, dass der "Denkmal- und der Klimaschutz gleichwertig nebeneinander stehen". Das "Prinzip der Nachhaltigkeit, um die Interessen zukünftiger Generationen zu wahren", sei kürzlich sogar als Staatsziel in die hessische Verfassung aufgenommen worden.

Denkmalschützer: Kein Vorrang für Klimaschutz

Jedoch macht Wionski deutlich: "Diese besondere Berücksichtigung bedeutet keineswegs einen Vorrang." Stattdessen müsse immer eine Einzelfallprüfung erfolgen. Generell sei es in Hessen nicht verboten, Fotovoltaikanlagen auf Baudenkmälern zu errichten. "Es kommt auf den Einzelfall an", schreibt Wionski.

Zwar gibt es kein offizielles Verbot, jedoch kommen die Arbeitsanleitungen dem fast gleich. Im Arbeitsblatt "Solaranlagen und Denkmalschutz" der "Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland" - aus dem Jahr 2010 - heißt es etwa, dass Fotovoltaikanlagen auf Baudenkmälern grundsätzlich nur dann überhaupt geprüft werden sollten, wenn die Eigentümer sich an keiner Sammelanlage beteiligen könnten oder keine nicht denkmalwerten Nebengebäude als Aufstellort in Frage kommen. In der Regel zieht der Klimaschutz also den Kürzeren.

Bleibt berechtigtes Interesse unberücksichtigt?

Im Paragraf 9 des Denkmalschutzgesetzes heißt es übrigens, dass die Denkmalschutzbehörden "bei allen Entscheidungen den berechtigten Interessen der Eigentümer und Besitzer von Kulturdenkmälern Rechnung zu tragen" haben. Fuchs kritisiert: "Etwas dafür tun zu wollen, dass die Folgen des Klimawandels für die nachfolgenden Generationen - sprich die eigenen Kinder und Enkel - abgemildert werden, scheint wohl aus Sicht der Denkmalschützer kein berechtigtes Interesse zu sein."

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