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Die abgestorbenen Buchen im Hungener Wald bereiten Sorgen.

Buchen leiden unter Klimawandel

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Hungen/Gießen (pm). Nach den Extremwetterereignissen 2018 und 2019 treten in wärmebegünstigten Lagen in Hessen Trockenschäden in Laubmischwäldern auf. Bereits 2018 wurden an Fichte (Sturm und Borkenkäfer) und Kiefer (Pilzerkrankung) erhebliche Schädigungen festgestellt, nun leiden auch Buchen- und Buchenmischwälder unter den Extremwetterereignissen.

Auf einer Exkursion der Oberhessischen Gesellschaft für Natur und Heilkunde (OHG) im Waldgebiet Irrbühl bei Hungen verschafften sich jetzt rund 30 Personen einen Eindruck von den aktuellen Schadensereignissen. Die Exkursion wurde von Mitarbeitern des Landesbetriebes HessenForst geführt. Das Untersuchungsgebiet stellte Revierleiter Dieter Jungblut vor, der seit 36 Jahren die Wälder rund um Hungen betreut. Derart massive Waldschäden waren zuvor in diesem Gebiet nicht bekannt.

Wiederbewaldung steuern

Thomas Ullrich von HessenForst führte die Schäden auf die Extremwetterlagen der Jahre 2018 und 2019 zurück. Anpassungen der Buche, die dieser Baumart bei normaler Wetterlage Vorteile gegenüber anderen Baumarten verschaffen, erweisen sich als Nachteil bei langanhaltenden trockenen und warmen Wetterlagen. Aufgrund der glatten Rinde und der kelchartig zum Hauptstamm führenden Äste können Buchen bei Regenfällen ihren Wurzeln rund 10 bis 15 Prozent mehr Wasser zuleiten als andere Baumarten. Ist ein Sommer ausgeprägt trocken, reagiert die Buche mit einem vorzeitigen Blattfall, um den Wasserverlust zu vermindern. Nun ist der Hauptstamm, der nicht von einer groben Borke und seitlich abstehenden Ästen geschützt wird, der noch starken Sonneneinstrahlung im Spätsommer ausgesetzt. Es kommt zu einem Rindenbrand - vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Äste und Stamm werden von Pilzen und Käfern befallen und sterben ab, was zu den aktuell zu beobachtenden Schäden an älteren Buchen führt. Im Vergleich ist bei Eichen der Hauptstamm weniger betroffen, sodass sie Schäden an den Ästen oft ausheilen können und eine neue, tiefer angesetzte Krone ausbilden.

Ursache der Schäden sind die Extremwetterlagen, die im vom Menschen verursachten Klimawandel immer häufiger auftreten werden, heißt es in der Pressemitteilung von HessenForst. Und weiter: "Eine Begrenzung des Klimawandels ist daher zwingend erforderlich. Andernfalls wird sich das Ausmaß der Schäden am Wald weiter erhöhen."

An einer am Waldrand stehenden Buche mittleren Alters wurde gezeigt, dass es einzelne Buchen gibt, die die Extremwetterlagen recht gut vertragen haben. Sie haben sich in Aststellung und Wuchsform der neuen Situation angepasst. Die Wiederbewaldung sollte durch Anpflanzungen bewusst gesteuert werden, um Anpassungen des Waldaufbaus an den Klimawandel zu erreichen. Des Weiteren diskutierten die Teilnehmer über die Herausnahme von Flächen aus der forstlichen Bewirtschaftung. Angesichts der vielen Vorteile, die Holz als umweltfreundlicher Rohstoff biete, und der Folgen möglicher Alternativen wurde die Ausdehnung eines Holznutzungsverzichtes auf weitere Flächen kritisch diskutiert.

Ebenso stand die Frage im Fokus, wie die Forstwirtschaft auf den Klimawandel reagieren sollte. Ziel müsse es sein, klimarobuste Wälder zu gestalten.

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